Zeitreise – Kleinigkeiten von September bis November

5. Jan 2017 | von | Kategorie: Freiwillige 2016/2017, Joan Weiß in Bolivien

Warum „Zeitreise“ ? Weil ich die letzten Blogeinträge immer ganz bestimmten Themen gewidmet habe, aber gerne ein bisschen in der Zeit zurückgehen würde, um von einigen interessanten anderen Sachen zu erzählen, die mir in den ersten 4 Monaten (dem Ersten, der größtenteils aus Sprachkurs bestand ausgeschlossen) passiert sind bzw. die ich gemacht habe.

27.09.2016

Mal wieder saßen wir zu viert, Almudena, Awa, Dario und ich beim Abendessen, als plötzlich Isa anrief um uns zu sagen, dass es Morgen mal nicht zur Arbeit sondern auf einen Ausflug in ein anderes, italienisches Projekt, in der Nähe des Titicacasees geht. Am nächsten Tag sind wir also früh aufgestanden, haben uns Brote gemacht und sind losgefahren. Mit Isa und ihrem Sohn haben wir uns zu 6 ins Auto gequetscht, zum Glück gibt es im Kofferraum noch Sitze weil bei den unbefestigten Straßen kann es schnell mal ungemütlich werden, wenn man auch noch jemanden auf den Schoß nehmen muss. Nach ca. 2 Stunden fahrt bekamen wir dann das erste Mal den Titicacasee zu Gesicht.

Awa, Ich, Almu und Isas Sohn Cristobal

Awa, Ich, Almu und Isas Sohn Cristobal

Kaum vorstellbar, ein See auf dieser Höhe (3800m) und von dieser Größe. Es sieht fast aus als wäre man am Meer. Leider ist der See aufgrund von den niedrigen Regensummen in den letzten Jahren und den schmelzenden Gletschern immer weiter ausgetrocknet. Wir selber bekommen das dieses Jahr auch zu spüren, da wir ein paar mal kein Wasser mehr hatten und es viele Bereiche in Bolivien gibt, in denen es nur ein paar Tage die Woche Wasser und dann manchmal auch nur für einige Stunden am Tag gibt.

Ein altes Boot in der Nähe des Titicacasees

Ein altes Boot in der Nähe des Titicacasees

Immoment herrscht Regenzeit und es sollte eigentlich fast jeden Tag Regnen, aber wir hatten im November und Dezember immer mal wieder eine Woche in der es gar nicht geregnet hat.

Nach 4 Stunden Fahrt sind wir dann im anderen Projekt angekommen, auch wenn es nur 150km von unserem Wohnort entfernt ist, braucht man leider so lange. Hier gibt es halt keine Autobahnen… Im Projekt leben ca. 50 Jungen die sich mit dem Thema Holzwerken beschäftigen. Wir waren auch nicht nur da um uns das Projekt anzuschauen, sondern auch um neue Stühle für unser eigenes zu kaufen bzw. das Modell auszusuchen. Nach einem gemütlichen Mittagessen am See ging es dann auch zurück nach Hause, da wir ja am nächsten Tag arbeiten mussten.

03.10.2016 – 07.10.2016

In dieser Woche, Darios letzte Woche in Bolivien habe ich zusammen mit ihm auf dem Bauernhof gearbeitet. Es gab noch viel zu tun und er wollte sein letztes großes Projekt, einen Pavillion für die Kinder, fertigstellen bevor er zurück nach Italien fliegt. Mein erster Tag bestand darin 50cm tiefe Löcher in der trockensten Erde zu graben die man sich nur vorstellen kann. Pro Loch habe ich locker 20 Minuten gebraucht und nach 6 Löchern war ich so aus der Puste, dass wir ersteinmal Mittagspause machen mussten. Mit diesem brillianten Ausblick Mittag zu essen, daran könnte ich mich wirklich gewöhnen. Am ersten Tag betonierten wir noch einige Holzstämme ein und fuhren dann total fertig von der Arbeit nach Hause. Die nächsten Tage liefen sehr ähnlich ab und obwohl wir außer einem Maßband, einer Säge, einem Hammer, dessen Kopf nach jedem reingeschlagenen Nagel abfiel, Nägel und einer selbstgebauten Schlauchwaage nichts anderes hatten, ist das Projekt innerhalb einer Woche fertig geworden.

Dario und der Bauer Don Eduardo benutzen die Schlauchwaage damit die beiden Pfeiler nacher auf der gleichen Höhe sind.

Dario und der Bauer Don Eduardo benutzen die Schlauchwaage damit die beiden Pfeiler nacher auf der gleichen Höhe sind.

Jetzt kann man Brot oder Pizza im Steinofen backen und es dannach im Schatten im Pavillion genießen, die Sonne und die Höhe als Kombination sind hier nämlich echt Kräftezehrend, was ich in dieser Woche nochmal wirklich zu spüren bekommen habe.

28.10.2016

Ich kann jetzt übrigens die Titelmusik von Rocky auf der Panflöte spielen, das Instrument kannt ich nur empfehlen, ist einfacher als ich gedacht habe. Wenn man aus einer halbvollen Flasche schöne Töne herausbekommt, dann schafft man das auch halbwegs mit einer Panflöte.

Die typische Form der Panflöte "Siku" die hier gespielt wird.

Die typische Form der Panflöte "Siku" die hier gespielt wird.

14.11.2016-18.11.2016

Mein Arbeitsweg heute war anders. Ich bin mal nicht mit einem Minibus zur Arbeit gefahren, sondern habe ein Truffi genommen, undzwar in die genau andere Richtung. Diese Woche sollten wir in der Fabrik des Projektes aushelfen, da es anscheinend sehr viel Arbeit geben würde. Es stellte sich heraus das das Kindermissionswerk T-Shirts bestellt hatte, die wir einpacken durften. Diese T-Shirts werden dann in Deutschland verkauft um das Projekt zu unterstützen, was ich für eine sehr gute Idee halte. Mit guter Musik und meiner Mitbewohnerin zusammen habe ich dann die grauen und gelben T-Shirts eingepackt. Wenn irgendwer ein schlecht eingepacktes kauft ist Das meine Schuld, die ersten 20 sind mir nicht so gut gelungen, tut mir leid !

Die fertig eingepackten T-Shirts

Die fertig eingepackten T-Shirts

21.11.2016

Heute wurde ich mal nicht von meinem Wecker sondern von Isa geweckt, warum ? Weil wir einen spontanen Ausflug zum Huayna Potosi, dem Berg im Norden El Altos machen wollten. Rosa und Anna, zwei Frauen aus Spanien waren im November zu Gast bei uns im Haus und bevor sie zurück nach Spanien fliegen würden, wollte Isa Rosa, die das erste mal in Bolivien war noch etwas zeigen. Rosa ist Ärztin und hat alle Kinder aus dem Projekt untersucht, sie ist zusammen mit Anna aus Murcia gekommen, die sozusagen Mitgründerin des Projektes Palliri ist. Wir sind früh morgens losgefahren richtung Norden. Zuerst kamen wir an den Kupferseen vorbei und haben dannach noch einen Friedhof am Fuße des Berges besucht. Zum Schluss haben wir Mittaggegessen, an einem kleinem See mit dem Blöken der Schafe im Hintergrund. Es war sehr entspannt und man denkt kaum so in der Nähe von El Alto eine so tolle Landschaft auf dieser Höhe anzutreffen. Übrigens haben wir uns entschieden mit einigen Freiwilligen eine 3-Tages Tour auf den Huayna Potosi zu machen. 6088 Meter und eine wundervolle Aussicht erwarten uns dann. Man muss aber auf den Winter abwarten, der ja zu unserer Sommerzeit ist, da das Wetter jetzt zu schlecht ist. Einen Tag verbringt man dabei größtenteils mit Kokakauen, da die Höhe von über 6000m kein Kinderspiel ist. Mal sehen wie es wird, Fotos davon wird es dann auf jeden Fall auch noch geben!

- Mittagspause -

- Mittagspause -

Der Friedhof am Fuße des Huayna Potosi

Der Friedhof am Fuße des Huayna Potosi

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Ein Kommentar
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  1. was für eine Überraschung, als ich heute ganz zufallig mal in deinen blog geschaut habe: Du hast wieder
    geschrieben, lieber Joan und ich „sauge“ Deine Zeilen und Bilder wie immer seeehr gerne auf!! Ganz wunder-
    bar (-;

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