Winter in Nicaragua

Gibt es den überhaupt? Dieses Jahr auf jeden Fall! Zumindest fühlt es sich so an, während ich mir einen Schal umbinde, um mich nicht zu erkälten. In einem Land, in dem es theoretisch das ganze Jahr lang heiß ist, scheinen 20°C eben schon ziemlich frisch. Für mich ist das eine willkommene Abkühlung. Denn so kann ich die vielen Feste, die hier im Dezember gefeiert werden, umso mehr genießen.

Reise (aus Juigalpa) nach Jerusalem
Reise (aus Juigalpa) nach Jerusalem

Im Centro „Jesús Amigo“ war letzte Woche die Abschiedsfeier am Jahresende. Hier hört das Schuljahr im Dezember auf, sodass die Kinder jetzt bis ins neue Jahr Ferien haben. Vorher haben wir aber noch ein großes Fest mit Musik, Tanz und Spielen veranstaltet. Die Lehrerinnen und ich haben das Centro mit Luftballons geschmückt und alles vorbereitet, sodass es für den besonderen Tag auch besonders ausgesehen hat.

Als die Party dann losging gab es die erste Überraschung. Denn auf einmal waren zwanzig Kinder mehr da als sich angemeldet hatten. Aber die Direktorin hat das ganz gelassen gesehen und einfach ein paar Süßigkeitentüten mehr gepackt, während wir mit den Spielen begonnen haben. Für eine besonders gute Stimmung hat die „Reise nach Jerusalem“ gesorgt (siehe Bild).

Süßigkeitenregen
Süßigkeitenregen

Auch eine Piñata durfte natürlich nicht fehlen. Die gibt es in allen Farben und Formen: Tiere, Figuren, Autos oder eben Gemüse. Auch Letzteres sieht allerdings nur von außen gesund aus. Weil gefüllt haben wir die „Karotte“ mit Bonbons, Schokokugeln und vielen anderen Süßigkeiten. Mir hat es schon Spaß gemacht bloß zuzuschauen, während die Kinder um die Piñata getanzt sind und versucht haben, sie mithilfe eines Stockes zum Platzen zu bringen (siehe Bild). Am Ende war zum Glück genug für alle da, sodass die Kinder mit Süßigkeiten in den Taschen nach Hause gegangen sind.

Auch ich habe jetzt Ferien und verbringe viel Zeit mit meiner neuen Gastfamilie. Ich bin vor einigen Wochen zu meiner Mentorin gezogen, weil ich in der anderen Familie Schwierigkeiten hatte, mit dem Essen gesund zu werden. Jetzt geht es mir aber schon viel besser und hier fühle ich mich wirklich wohl. Mit meinen vier neu gewonnenen Schwestern helfe ich viel in der Kirche. Denn auch dort ist im Dezember viel los. Dabei scheint Weihnachten gar nicht der größte Festtag zu sein. Denn am 08.12. wird „La Purísima“ zu Ehren der Jungfrau Maria gefeiert und schon in den Nächten davor sind Raketen zu hören, die hier immer ein Zeichen für wichtige Feiern sind. Außerdem werden in vielen Häusern Altäre mit Marienstatuen aufgebaut. Davor werden besondere Lieder gesungen, von denen ich jetzt schon einige auswendig kann. Auch dort gibt es am Ende wieder Päckchen mit Süßigkeiten.

Wie man merkt, an Süßem fehlt es mir hier im Advent nicht. Zwar vermisse ich Omas Weihnachtsplätzchen, aber dafür lerne ich viele andere Traditionen kennen. So mache ich jeden Tag spannende neue Erfahrungen und fühle mich in Nicaragua immer mehr zuhause.