MICANTO – ein drittes Zuhause?

Wo arbeitest du eigentlich in Peru? Eine häufig gestellte Frage und deswegen möchte ich euch heute mal mein Projekt vorstellen. Der Name „MICANTO – José Obrero“ setzt sich aus den Wörtern Movimiento Internacional Cristiano de adolescentes, niñas y niños organizados zusammen. Übersetzt: internationale christliche Bewegung für arbeitende Kinder und Jugendliche. José Obrero ist der Name des Heiligen Josef, ebenfalls ein Arbeiter.

Zu Beginn will ich betonen, dass ich noch lang nicht alles gesehen oder verstanden habe. In viele Bereiche habe ich kurze, schöne Einblicke erhalten, aber eben noch nicht mehr. Ich freue mich darauf MICANTO, seine Arbeit, die Mitarbeiter und die Kinder besser und intensiver kennen lernen zu dürfen.

Mein bisheriger Arbeitsbereich ist zurzeit das sogenannte „Reforzamiento“, also die Unterstützung bei den Hausaufgaben der Kinder. Je nach Klassenstufe sind ungefähr 35 Kinder in 3 Räume aufgeteilt. Sie kommen um 3 Uhr um ihre „Tareas“ zu erledigen und zu üben. Was wie ein Hort klingt, ist für die meisten Kinder noch mehr. Einige Eltern können weder lesen noch schreiben. Schon die einfachsten Rechenaufgaben überfordert sie. In MICANTO haben die Kinder die Chance, Hilfe zu bekommen und so ihre Lebenssituation langfristig zu verbessern. Außerdem wird hier mit den Kindern geübt und ihre Schwächen, teilweis im Austausch mit ihren Lehrern, gezielt trainiert.

Auch Feste werden zusammen gefeiert, zum Beispiel der Tag des Mädchens am 11. Oktober, oder gerade wird für den „Tag des Kindes“ geplant.
Des Weiteren wird auch versucht, die Gesundheit der Kinder zu verbessern. Vom obligatorischem Hände waschen, Vorträge über die richtige Ernährung von Kindern für die Mütter, hinzu kostenlose Zahnpasta, wird vieles umgesetzt.
Auch Samstags ist was los bei MICANTO. Nachmittags treffen sich 11 Kleingruppen mit jeweils 5-15 Kindern. Diese Gruppen, jeweils geleitet von 2 freiwilligen Mitarbeitern, Studenten aus Cajamarca, begleiten die Kinder und sind wie eine zweite Familie. Hier wird beispielsweise gelernt, wie man sich richtig ernährt. Sie lernen ihre Rechte kennen und habe zusammen auch jede Menge Spaß. Viele Kinder aus den Gruppe kommen aus kaputten, zerrütteten Familien. Oft erleben/ erlebten sie Gewalt gegen sich selbst oder in ihrem nahem Umfeld und müssen Arbeiten gehen, meistens unbezahlt. Ich saß schon einem kleinen Jungen gegenüber, der nicht mehr wusste, als seinen Namen. Er wohnt bei seiner Tante, ist nicht offiziell registriert, wahrscheinlich ungefähr 7 Jahre alt und hat noch nie eine Schule besucht. Ehrlich gesagt, kam ich mir ziemlich hilflos vor und seine Geschichte lässt mich nicht los. MICANTO versucht, a
lle Kinder da abzuholen, wo sie sind, um sie zu fördern und ihre Lebenssituation zu verbessern. Das Ziel ist dabei, die Kinder bei ihrer Entwicklung zu eigenständigen, selbstbewussten und kritischen Menschen zu unterstützen und so die Gesellschaft zu verändern. Bei all den Schwierigkeiten, schon das Lachen der Kinder in diesen zwei unbeschwerten Stunden in der Woche, sind alle Bemühungen wert.

Ich hoffe euch hat die kleine Zusammenfassung gefallen, ich könnte noch sehr viel mehr schreiben!

Wer noch mehr Bilder sehen möchte, oder die spanische Sprache beherrscht, kann gerne die Webseite besuchen: http://micanto.weebly.com/

Und zum Schluss bleibt nur zu sagen: ich bin sehr froh hier gelandet zu sein, unglaublich nette Menschen, sehr liebe Kinder, wertvolle Arbeit, kurzum ein tolles Projekt!

Bis bald,
Julia