Einblick in meine Projekte

19. Okt 2016 | von | Kategorie: Barbara Menke in Uganda, Freiwillige 2016/2017

Hallo ihr Lieben,

Nun endlich auch noch ein Eintrag zu meiner bisherigen Arbeit in Uganda!

Meine Aufgaben hier sind noch immer nicht endgültig geregelt. Jeden Tag bekomme ich Nachrichten mit Änderungen für den nächsten Tag, die nicht selten morgens auch wieder von einer der verantwortlichen Personen über den Haufen geworfen und umstrukturiert werden. Aber das ist Uganda, man lebt den Moment und richtet sich nach den Möglichkeiten, die gerade gegeben sind und plant sich nicht das Leben zu. Ich habe gelernt nie länger als zwei Tage voraus zu planen und trotzdem, alles was zu tun ist, in meiner Woche unterzubringen. Tatsächlich besitze ich aber doch einen offiziellen Plan für meine Arbeit: 😀

Montags bin ich im St. Adrians Kindergarten in meinem Ort Kitovu selbst. In Uganda beginnen die Kinder schon im Alter von zwei Jahren mit richtigem Unterricht, weshalb ich dort wirklich als Lehrerin tätig bin, auch wenn meine ältesten Schüler gerade mal fünf Jahre alt sind. Es gibt die Fächer Mathematics, English, Writing, Health Habits und Social Studies. Da die Kinder nur mit den Zahlen bis 50 Rechnen können müssen, bin sogar ich fähig dort etwas Wissen und neue Lernmethoden einzubringen, denn bis dahin komme ich in Mathe auch noch gut mit (ihr wisst ja vermutlich alle, dass dies immer mein allerbestes Fach war). Ich bin unfassbar gerne dort, jeden Morgen werde ich mit einem kreischenden “Babulaa“ (Barbara für Kinder) begrüßt und hundert winzigen Händen, die sich mir entgegen strecken, weil sie hochgehoben werden wollen. Wir haben drei Klassen, Babyclass, Middleclass und Topclass, außerdem eine Day Care, in welche solche Kinder kommen, die noch zu jung für den Kindergarten sind. Die Kleinen nennen mich „Mama“ und es bricht mir jeden Montagnachmittag aufs Neue das Herz, wenn sie zu Weinen beginnen, wenn ich zurück in die Kurie gehen muss (obwohl sie mich regelmäßig anpinkeln, wenn sie auf meinem Schoß einschlafen). Meine Arbeit besteht hier besonders darin, Silben, einfache Sätze und leichte Rechenaufgaben zu unterrichten. Ansonsten darf ich die „Klassenarbeiten“ und Hausaufgaben korrigieren und die freie Zeit in den Pausen und am Nachmittag gestalten (eigentlich reicht es schon, weiß zu sein, lange Haare und einen Rücken, auf den man klettern kann zu haben). Letzte Woche ist Jasmin dazu gekommen, eine weitere Freiwillige aus Deutschland die jetzt im Transitory wohnt (übrigens wurde letzten Monat ein toter Mann auf dem Weg von ihr zu mir gefunden, weshalb wir immer noch Angst haben, uns abends zu besuchen), und wir machen immer mal kleine kreative Projekte mit den Kindern. So haben wir zum Beispiel Puppen aus Bananenfasern oder Schmuck aus Holzperlen selbst gemacht und es war unfassbar schön zu sehen, was für Spaß und Freude wir damit bringen konnten.

Jasmin und ich sind mindestens so stolz auf unsere Bananenpuppen, wie die Kinder selbst

Jasmin und ich sind mindestens so stolz auf unsere Bananenpuppen, wie die Kinder selbst

Die Schüler der Topclass und ihre Werke

Die Schüler der Topclass und ihre fertigen Werke

Das Gebäude des St. Adrians Kindergarten

Das Gebäude des St. Adrians Kindergarten

Dienstags und Donnerstags bin ich im nächsten Dorf Kayijja an der St. Judes Primary School. Die Begrüßung für Jasmin und mich war wirklich großartig, man hatte ein ganzes Programm an Unterhaltung vorbereitet, Gesänge, Trommeln und den traditionellen Tanz. Am Ende wurden auch wir zum Tanzen aufgefordert (wie immer) und haben die traditionellen Schritte und Bewegungen gelernt -selbstverständlich mit großem Erfolg (Spaß, ich einem Zeugnis würde vermutlich einfach nur „teilgenommen“ stehen). 😛

An dieser Schule unterrichte ich überwiegend Science (Biologie und Landwirtschaft, Mathe und Physik überlasse ich Jasmin) oder Physical Education (Sport) und da die Schüler hier anspruchsvollen Unterrichtsstoff durchnehmen, musste ich mich tatsächlich noch einmal in meinen Bio-Abistoff einlesen und ihn ins Englische übersetzen und mir hier vor Ort die Lehrbücher anschaffen, damit ich mich an den Lehrplan halten kann. Jedoch hat sich das auf jeden Fall gelohnt, die Kinder sind unglaublich fleißig, ehrgeizig und saugen aufmerksam alles auf, das ich ihnen beibringe. Sie sind brav, mucksmäuschenstill und melden sich, wenn sie die korrekte Antwort wissen (also alles das, was ich selbst als Schülerin nicht war).  Nehme ich einen Schüler dran, steht er auf, gibt die Antwort und die Klasse applaudiert für ihn.

Ich gebe zu, dass ich mich selbst NIEMALS als Lehrerin gesehen hätte, nicht in diesem Leben und auch nicht im Nächsten (dafür bin ich schon in einem viel zu pädagogischen Haushalt aufgewachsen), aber es bringt mir wirklich Spaß, ich bereite gerne den Unterricht vor, gestalte mit Jasmin Lernplakate für die jüngeren Schüler und zeichne Karten von Afrika oder der Welt für die Klassenzimmer. Letzten Freitag sind wir mit ein paar Kindern nach Entebbe gefahren und haben dort das Wild Life Resort besucht, ein Ausflug, der mir mindestens so viel Spaß gebracht hat wie den Kindern.

Zebras (tut mir leid Dominic, mir ist nichts Witziges dafür eingefallen)

Zebras (tut mir leid Dominic, mir ist nichts Witziges dafür eingefallen)

Der Kaffernbüffel mit einem Silberreiher auf dem Rücken, dahinter ein Warzenschwein und das Nationaltier Ugandas, der Kronenkranich

Mehr Uganda in einem Foto ist nicht möglich: Der Kaffernbüffel mit einem Silberreiher auf dem Rücken, dahinter ein Warzenschwein und das Nationaltier Ugandas, der Kronenkranich

Gruppenbild einiger der Schüler/innen am Viktoriasee mit ihrer Lehrerin Flaviah

Gruppenbild einiger der Schüler/innen am Viktoriasee mit ihrer Lehrerin Flaviah

Das Größte der drei Schulgebäude der St. Judes Primary School in Kayijja

Das Größte der drei Schulgebäude der St. Judes Primary School in Kayijja

Mittwochs bin ich in dem Dorf Bulando an der St. Augustines Primary School. Meine Aufgaben hier sind die Selben wie an der St. Judes, ich unterrichte bisher überwiegend Science, Englisch, Social Developement und tatsächlich auch Deutsch. Da ich jedoch noch nicht lange hier bin, werde ich erst noch sehen, wie alles funktioniert, aber bisher bin ich guter Dinge und noch durch und durch motiviert. Tatsächlich habe ich hier in Uganda bemerkt, dass ich genau die Art von Lehrerin bin, die ich in der Schule selbst am Nervigsten fand: Ich stürme mit einem lauten und gut gelaunten „Siiba Bulungi, muli mutya?“ (Guten Morgen, wie geht`s euch?) ins Klassenzimmer und wecke die armen Schüler so aus ihrem Schlaf, male anschauliche, kreative und echt hässliche Tafelbilder an, die ich abzeichnen lasse und frage ständig nach, ob die die Kinder überhaupt verstehen wovon ich rede, denn ich spreche immer noch ziemlich schnell -aber daran arbeite ich bereits.. Nachmittags helfe ich immer mal in der anliegenden Holzwerkstatt aus, in welcher bald Straßenjungen der Beruf des Schreiners beigebracht werden soll. Bisher werden Holzstatuen und Körbe aus Bananenfasern und Plastiktüten hergestellt und verkauft und der gesamte Erlös geht an Kinderfamilien in Kitovu, was ich ein großartiges Projekt finde.

Die Schulen auf den Dörfern sind alle nicht sonderlich groß und haben auch nicht sehr viel Geld zu Verfügung stehen, aber ich bekomme mit, dass die Lehrer alles in ihrer Macht stehende tun, um den Kindern die Wichtigen Themen zu lehren. Jedoch können viele der Ideen oder der modernen Unterichtsmethoden hier nicht umgesetzt werden, da zum Einen die Finanzen für die meisten Materialien fehlen und zum Anderen die Schulgebäude in teilweise schrecklichen Zuständen sind. Ich würde hier gerne die St. Augustines Schule in Bulando, an welcher ich selbst Unterrichte, zur Veranschaulichung als Beispiel aufführen. An der Schule befindet sich keine Wasserversorgung und so sind die Schüler darauf angewiesen, jeden Tag ihr Wasser aus einer entfernten Quelle zu holen. Der Weg nimmt nicht nur viel (Unterrichts-) Zeit in Anspruch, sondern birgt auch Gefahren wie Raubüberfälle im Busch oder das Überqueren einer Schnellstraße, wobei es auch schon zu Zwischenfällen kam (man bedenke, dass die Kinder erst zwischen vier und fünfzehn Jahren alt sind). Das Wasser aus der Quelle kommt zudem aus einem angrenzenden Sumfgebiet und ist keineswegs sauber (zurück in Deutschland werde ich vermutlich alles Essen und Trinken können, mein Magen dürfte dann eine Panzerschicht aufgebaut haben). Aber auch das Schulgebäude selbst befindet sich in vielen Teilen in einem unvollständigen und schadhaften Zustand, viele Klassenzimmer haben ein undichtes Dach, welches, verbunden mit dem Erdfußboden, in der Regenzeit keinen Unterricht zulässt, was ich diese Woche selbst erlebte. Zudem sind einige Klassenzimmer noch in ihrem Rohzustand, ohne Fenster, Türen und Putz und für die großen Klassen viel zu klein und zu dunkel. Es gibt kaum Schultische und –bänke und der Unterricht findet so zwangsweise auf dem Boden statt.

Ich beschreibe dies, damit ihr euch vorstellen könnt, unter welchen Zuständen hier unterrichtet wird und wertzuschätzen wisst, was wir alles haben, welche Bildungsmöglichkeiten wir in Deutschland genießen und welche großartigen Materialien uns zur Verfügung stehen. Falls eure Kinder mit ähnlich viel Motivation zur Schule gehen wie ich es tat, könnt ihr ihnen sagen, dass die Schüler hier teilweise täglich mehrere Stunden und viele Kilometer laufen, weil sie unbedingt die Schule besuchen möchten und es in ihrem Dorf keine gibt. Ich unterrichte hier unter anderem acht Jährige und ihre kleinen Geschwister, die um 04:30 Uhr morgens loslaufen und nicht vor 19:30 Uhr wieder zu Hause sind.

Die Schüler der St. Augustines Schule in Bulando, im Hintergrund sind die drei Schulgebäude zu sehen

Die Schüler der St. Augustines Schule in Bulando, im Hintergrund sind die drei Schulgebäude zu sehen

Die meisten sind abgepaust..

Mein erstes selbst gemaltes Lernplakat. Falls euch die Perfektion dieser Tiere, obwohl ich sie gezeichnet habe, verdächtig vorkommt: Die Meisten sind abgepaust..

Freitags bin ich nicht an den Schulen, sondern in einem Büro in Masaka Town. Einerseits schreibe ich Artikel für den Newsletter des Young Catholic Workers Movements und arbeite in der Verwaltung, andererseits durfte ich das Patenschaftsprojekt des Youth Departments übernehmen. Meine Aufgabe bei diesem Projekt besteht derzeit noch darin, mit den Kindern und Jugendlichen zu sprechen und so ein Profil von ihnen zu erstellen, sie zu Hause zu besuchen und, gibt es eine interessierte Familie, kurze Berichte über sie zu verfassen und Fotos zu machen, welche wir den Sponsoren zukommen lassen. Was noch auf mich zukommen wird weiß ich nicht, aber ich werde euch auf jeden Fall auch weiterhin detailliert auf dem Laufenden halten. 😀

Vermutlich klingt das jetzt, als hätte ich stets unglaublich viel zu tun und niemals freie Zeit für Spaß, was in manchen Wochen auch so ist, aber vergesst nie, ich bin immer noch in Uganda, Afrika, hier gibt es keinen Stress. Wenn ich welchen habe, dann weil ich ihn mir selbst mache, die Ugander haben Zeit und Geduld, Warten ist hier keine Zeitverschwendung. Ich habe schon einige Einheimische Freunde gefunden, mit denen ich meist am Wochenende etwas unternehme, und unter der Woche treffe ich mich an vielen Abend mit Axel und Jasmin (und anderen Freiwilligen aus aller Welt, seit letzter Woche ist eine große Gruppe aus Kanada da, die im Masaka Hospital aushilft) im Internetcafé oder in einer der kleinen Bars in Masaka Town, in welchen laut Musik läuft und immer Billiard gespielt wird. Langeweile kommt hier selten auf!

)

Xavier (hinten), Ian und James (vorne) in der VSportsbar

Letzten Sonntag fand hier in Nyendo, einem Nachbardorf von Kitovu, ein großes Tanzfestival für Straßenkinder statt. Organisiert von Wessel Boot, einem Tanzlehrer aus den Niederlanden, der sich in den Kopf gesetzt hatte, den ärmsten Kindern hier einen Tag voll Spaß und ein Lachen zu bescheren und dies auch großartig hinbekommen hat. Finanziert wurde die Veranstaltung ausschließlich von Spenden, die Kinder mussten also keinen Eintritt zahlen und konnten den ganzen Tag bei gutem Wetter und zu Livemusik Tanzen, an Workshops teilnehmen und mit uns Freiwilligen Spielen und Toben. Ich habe das erste Mal alleine auf einer Bühne vor 1000 Menschen getanzt und ich behaupte, dass ich nun jegliche Scham vor Auftritten aller Art abgelegt habe, was mir als frischgebackene Lehrerin sicher irgendwann mal zu Gute kommt. 🙂

Jasmin und ich und ein Haufen stets fotobegeisterter Kinder

Jasmin und ich und ein Haufen stets fotobegeisterter Kinder

Der Breakdeancer Xavier (mitte) gibt eine Show für die Kinder

Der Breakdancer Xavier (Mitte) gibt eine Show für die Kinder

Einer der Freiwilligen verkleidete sich sogar als Clown und spielte einige Gruppenspiele wie "Rainbowplane" o.ä.

Einer der Freiwilligen verkleidete sich sogar als Clown und spielte einige Gruppenspiele wie "Rainbowplane"

Der Flyer für das Straßenkinderfestival

Der Flyer für das Straßenkinderfestival

Die Kinder auf diesem Fest haben so viel gelacht, getanzt und mit vollem Herzen gesungen, dass man fast hätte vergessen können, aus welchem Elend sie kommen, und dass sie auch an diesem Abend wieder alleine auf der Straße schlafen werden. Einige sind gerade mal drei Jahre alt oder jünger und schon auf ihre Geschwister angewiesen, da es keine Eltern mehr gibt. Es ist schrecklich, den Geschichten dieser Kinder zuzuhören und es tut weh, um diese Wahrheiten zu wissen, jedoch weiß ich, dass meine Einsatzstelle beim Young Catholic Workers Movement in Kooperation mit dem Kindermissionswerk schon viel bewegt und einiges erreicht hat. So beispielsweise die Unterstützung von acht Kinderfamilien in Kitovu und die Eingliederung von Kindern in die Gesellschaft durch Schulbildung im St. Adrians Kindergarten. Falls ihr dazu mehr erfahren wollt, schreibt mir doch gerne eine Mail (barbaramenke@outlook.de) und ich kann euch persönlich nähere Informationen zu dem Patenschaftsprojekt geben.

Liebe Grüße aus der Wärme, fühlt euch gedrückt,

Barbara 🙂

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Ein Kommentar
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  1. Hallo Barbara,
    na, da ist ja einiges los bei euch. Was mich interessieren würde: Man liest hier so viel von der Ausbreitung von Handys in Afrika. Haben die Schüler bei euch auch schon Handys? Und wenn ja, was machen sie damit?
    Viele Grüße von
    Martin

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