Stadt, Land, Fluss

Es ist unglaublich, dass ich jetzt schon länger als zwei Wochen hier bin! Manchmal fühlt es sich an, als wäre ich gestern erst in Nicaragua angekommen. Andererseits habe ich in dieser kurzen Zeit schon so viel erlebt.

Meine Gastfamilie hier in Juigalpa wohnt ziemlich zentral in der Nähe der Innenstadt. Das ist praktisch, denn so kann man einfach zu vielen Geschäften laufen. Gestern war ich zum ersten Mal alleine beim Supermarkt. Das war irgendwie aufregend, denn ich kenne mich noch nicht so richtig aus und verstehe auf Spanisch auch nicht alles. Aber ich habe mich nicht verlaufen und bin samt Schokokeksen gut zuhause angekommen, würde es also einen Erfolg nennen.

Sonst bin ich bis jetzt ohne Begleitung nur zum Centro „Jesús Amigo“ gelaufen. Obwohl das nur fünfzehn Minuten dauert, kommt man bei über 30°C und Sonnenschein ordentlich ins Schwitzen. Da freue ich mich jedes Mal, wenn ich mich erstmal auf einen kleinen Stuhl neben die Kinder setzen kann. Im Moment unterstütze ich jeweils eine der drei Lehrerinnen in ihren Klassen. Das heißt, ich helfe den Kindern bei ihren Hausaufgaben oder denke mir zusätzliche Übungen für sie aus. Oft erinnert es mich daran, Nachhilfe zu geben, eben nur mit ganz vielen Schülern auf einmal. Dabei fühlt es sich noch etwas ungewohnt an, „Profe“ (Abkürzung für Lehrerin) gerufen zu werden, aber irgendwie macht es mich auch stolz.

Ein bisschen anstrengend ist die Arbeit natürlich auch. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, am Wochenende mal eine Pause zu bekommen und so auch den Lärm der Stadt für einige Zeit hinter mir zu lassen. Dabei hatte ich Glück, dass die ehemalige Freiwillige Caro, die gerade zu Besuch war, mich bei Ausflügen mit Freunden mitgenommen hat. Auf diese Weise konnte ich schon viel von Nicaragua sehen und nette Leute kennenlernen.

Die Landschaft ist wirklich wunderschön. Es hat mich überrascht, wie grün es hier trotz der hohen Temperaturen ist. Die Bäume tanken wohl in der Regenzeit Wasser. Wenn es nämlich regnet, dann auch richtig. Erst jetzt verstehe ich, was der Ausdruck „es regnet wie aus Eimern“ eigentlich bedeutet. Denn dann fließt das Wasser an den Seiten der Straßen wie in Bächen bergab. Das eine oder andere Mal bin ich auch schon komplett durchnässt worden.

Hitze heißt nicht gleich Wüste
Hitze heißt nicht gleich Wüste

Zum Beispiel beim Trip zum Wasserfall „El Corozo“. Ich kann gar nicht mit Worten beschreiben, wie atemberaubend die Natur dort war. Man steht eben nicht jeden Tag auf einem Felsen direkt vor einem rauschenden Wasserfall!

Wer könnte da wegschauen?
Wer könnte da wegschauen?

Vor dieser Kulisse hat das Picknick umso besser geschmeckt. Vor allem, weil es gleich noch eine neue Erfahrung war, denn ich durfte Nacatamal probieren. Das ist ein typisches Essen in Nicaragua: Teig aus Maismehl mit einer Füllung aus Reis, Fleisch, Tomaten und vielem mehr. Wie so oft hier hoffe ich, es auch in Zukunft nochmal essen zu werden. Es war nämlich nicht nur besonders, sondern auch lecker.

Das Picknick kann beginnen
Das Picknick kann beginnen

Irgendwann wollten wir uns auf den Rückweg machen, aber der Regen war schneller. Also haben wir uns eine Mitfahrgelegenheit gesucht, auf dem Land ist die Auswahl natürlich nicht so groß. Aber nach einer abenteuerlich rasanten Fahrt auf der Ladefläche eines Trucks haben wir doch die Stadt erreicht, pitschnass, aber glücklich.

Es hat sich schon angefühlt, als wäre ich nach Hause gekommen. Meine neue Heimat Juigalpa, Nicaragua am Rió Mayales – damit könnte man beim nächsten Stadt, Land, Fluss-Spiel bestimmt punkten.