„This is Africa“

Hallo ihr Lieben,

„This is so Africa“ -ich weiß nicht, wie häufig ich diesen Satz in den letzten sechs Tagen gesagt habe. Auch wenn ich mit der Erwartung angekommen bin, dass mein „vorgefertigtes“ Bild von Afrika im Allgemeinen stark von der Realität abweicht, ist es hier doch ganz genau so, wie in meinen Erwartungen. Roter Sand, Palmen, wunderschöne Gärten, heruntergekommene, überfüllte Straßen, einfach zusammengebretterte Hütten, Früchte, von denen wir in Europa nur träumen können. Geschäftiges Treiben in der Stadt und Tagelöhner in den Dörfern. Viel Armut, aber unfassbar freundliche Menschen.

„This is so Africa“ sage ich, wenn ich Männer, Frauen und Kinder sehe, die Körbe, gefüllt mit Bananen oder Wasserschüsseln auf dem Kopf tragen und ich sage es, wenn Frauen, in wunderschöne bunte Tücher gehüllt, oder Kinder in zerschlissenen Kleidern an mir vorbei laufen.

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Der Weg zu unserem neuen zu Hause 🙂

An unserem ersten Tag in Kampala wurden wir direkt ins kalte Wasser geschmissen und auf ein Boda-Boda (eine Art Mofa) gesetzt, auf welchem wir ohne irgendwelche Sicherheit oder einen Helm auf einem abenteuerlichen Weg über Schlaglöcher in die Innenstadt gebracht wurden. Immerhin hatte ich nur auf ca. 2/3 des Weges Angst um mein Leben.

Dieser Teil der Stadt ist sogar relativ geordnet, auf der Straße habe ich zwar immer noch berechtigte Panik, aber auf dem „Gehweg“ und und vor den Geschäften kann man gut laufen oder auch mal stehen bleiben, ohne überfahren zu werden. Wir haben Internet und 50.000 Uganda-Schilling Guthaben für unsere Handys gekauft und eine neue Nummer bekommen, die, zumindest bei mir, ausschließlich in Uganda funktioniert. Ich werde an meinem Geburtstag morgen also nicht wirklich erreichbar sein.. 😀

Boda-Boda-Fahrer vor den Geschäften
Boda-Boda-Fahrer vor den Geschäften

Beim Mittagsessen wurden wir wieder von jeder Person im Raum gefragt, ob wir wissen, wie man Bananen isst. Vielleicht denken wirklich alle, dass es in Deutschland keinen Bananen gibt oder diese Frage dient als Einstieg in ein Gespräch. Generell ist mir hier schnell aufgefallen, dass das St. Augustines ein Haus des Austauschs ist, interkulturell wie menschlich. Es wird viel Interesse an jedem Einzelnen gezeigt und immer nach deinem Wohlbefinden gefragt. Trifft man eine Person auf dem Gang, bleibt man stehen, wird unfassbar freundlich begrüßt und nach dem Tag gefragt. Nie sagt mal jemand als allererstes seinen Namen, offenbar sind hier andere Dinge wichtig!

Rosemary, unsere neue Freundin hier, hat uns durch die Gärten des St. Augustines geführt und alles gezeigt. Es wächst so eine Vielfalt an Früchten und „exotischen“ Pflanzenarten hier: Passionsfrüchte, Mangos, Ananas, Feigen, Zitronen, Aloe Vera, Melonen, Avocados, Zuckerrohr (Zitat Thomas, beim Kosten: „Mein Zahnarzt kriegt gerade Rückenschmerzen“) und, natürlich, Bananen. Egal was man hier isst, man schmeckt, dass es nicht erst grün um die halbe Welt geflogen wurde, sondern frisch geerntet wird, wenn es reif ist! Ich werde nie wieder in Deutschland eine Ananas essen und „Wow!“ sagen können. :p

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Unser Zuckerrohr-Dealer 🙂

Aber auch die Fauna hier ist unendlich, neben Skorpionen und Geckos in unseren Zimmern fliegen Vögel, die ich noch nie zuvor gesehen habe, und wenn ich versuche, sie Thomas zu beschreiben kommentiert er das mit „ja und dann hat dein Fabeltier auch noch Löwenklauen und einen Adlerschnabel..“. (Allerdings haben wir hier auch einen Vogel, groß wie ein Pfau und mit Kiwi-Schnabel, der Geräusche wie ein Huhn oder Esel macht und mich jeden morgen vor meinem Fenster erst einmal zum Ausrasten bringt).

Später haben wir uns alle ein „Taxi“ genommen (Ich weigere mich eigentlich, zu diesem Gefährt Taxi zu sagen, es ist eher ein Minibus mit ca. zwölf Sitzen die sich umklappen lassen, damit man rein und raus kommt. Der Bus hält an, wenn du am Straßenrand stehst und gegen die Scheiben klopfst und hält, wenn du „Parking“ rufst. Eine Fahrt kostet zwischen 500 und 700 Uganda-Schilling, was umgerechnet ca. 14 bis 20 Cent sind.) und sind damit in die Stadt gefahren um Einkaufen zu gehen.

Während dieser Tour habe ich mich als Vollblut-Deutsche geouted: Ich habe mir Sonnencreme auf die Wangen und Nasenflügel geschmiert (Zitat Thomas: „Das ist so Deutsch, du läufst bitte immer drei Meter hinter mir“) und, was noch viel schlimmer ist, ich habe mir mein eigenes Toilettenpapier und eine elektrische Fliegenklatsche gekauft.

Für das nächste Essen wollten Thomas und ich gerne etwas StreetFood kosten, natürlich dem Risiko einer Lebensmittelvergiftung bewusst, und haben Rose gebeten, uns an einen guten Ort zu führen. Wir hatten uns etwas Schnelles auf die Hand vorgestellt, aber sie brachte uns in eine Art Markthalle, die wohl so ein kritischer Platz ist, dass wir ihr alle unsere Wertsachen geben mussten und sie meine Handtasche nahm. Wir haben uns den Weg durch riesige Säcke voll Bohnen und Maismehl gebahnt, über roten Sand, Schlamm und einfach zusammengebretterte „Brücken“ aus Holz und Stöcken. Am Rand saßen Männer und Frauen, haben gearbeitet, gekocht oder mit einem Kind auf dem Arm in einer Ecke auf dem Boden geschlafen. Wir wurden über Schleichwege in einen Seitengang gebracht, in dem Unmengen an Töpfen und Wannen standen und viele Frauen gekocht und gearbeitet haben. Dazwischen liefen Kinder herum und auf einem langen Tisch in der Mitte saß ein kleines dickes Baby.

Wir „bestellten“ das, was es immer gibt, Reis, dunkle Bohnen und Matooke (Bananenmatsche) und wurden auf eine schmale Bank an der Wand verfrachtet, wo wir zusammengepfercht zwischen den Arbeiterinnen saßen und versucht haben, beim Essen nicht gegen ihre Bäuche oder Rücken zu stoßen.

In einer der Wannen vor meinen Füßen wurde das schmutzige Geschirr gespült und ich könnte jetzt noch würgen bei dem Gedanken, dass da in dieser Dreckbrühe auch unsere Teller drin gewesen sind. Zwischendurch kam eine große runde Frau, hat das Baby vom Tisch an einem Arm hochgezogen, in die Spülschüssel gesetzt und gebadet…

Einer der Märkte Kampalas
Einer der Märkte Kampalas

Zurück ging es durch einen weiteren Markt, auf dem besonders Kleidung, Schuhe und Schmuck verkauft wurden und ich würde sofort unterschreiben, dass das alles keine legal erworbene Ware war. Einige der Schuhe wurden sogar noch vom letzten Dreck befreit, ehe sie auf dem Verkaufsteppich ausgelegt wurden. 😉

Zwischen den einzelnen Ständen schliefen Menschen auf dem Boden. Nicht alle hatten eine Decke, unter ihnen auch ganz kleine Kinder und es bricht mir das Herz, diese Armut zu sehen.

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Der Teil des Marktes, bei dem es noch möglich ist, Fotos zu machen :p

Thomas und ich haben hier in den ersten zwei Wochen ziemlich viele Freiheiten und sehr viel Zeit, uns über unsere Eindrücke und Gedanken auszutauschen. Besonders, was wir von hier mitnehmen werden: Mehr Aufmerksamkeit auf und für die Menschen in unserer Umgebung. Jeder hier wird wahrgenommen und das finde ich etwas Wunderschönes.

Am Sonntag haben Thomas und ich uns eine Stunde früher als gewöhnlich aus den Betten gequält, um zur Messe zu gehen. Eigentlich haben wir das nur gemacht, um in der katholischen Einrichtung nicht unangenehm aufzufallen, wenn wir nie mal in der Kirche erscheinen, aber dann waren wir tatsächlich alleine mit zwei Bischöfen und einem einzigen weiteren Mann. Trotzdem haben wir eine komplette Messe gefeiert, ich habe die erste Lesung gelesen und Thomas die Zweite. Die Eucharistiefeier unterscheidet sich in Uganda überhaupt kein bisschen von der in Deutschland, was sehr zu unseren Gunsten war. (Übrigens lässt sich eine komplette Eucharistiefeier in 20 Minuten feiern, wenn man sämtliche Lieder weglässt und die Gebete etwas schneller aufsagt.) 🙂 Jetzt sind wir im St, Augustines ziemlich bekannt (die, die zur Messe aufstehen) und auf der Beliebtheitsskala ziemlich gestiegen!

Mit den herzlichsten Grüßen,

Barbara