Die Kinder Ugandas

Hallo ihr Lieben,

Wir sind gerade mal eine Woche hier und ich bin schon vollkommen verliebt in Uganda. In die atemberaubende Natur (mit Müll drin), in die unfassbare Freundlichkeit der Menschen hier, in die Mentalität und das Essen. Aber ganz besonders in die Kinder!

Ich bin nur noch nicht ganz in der Zeit drin und bitte Thomas immer noch, mich in 5 Minuten abzuholen, wenn es in 10 Minuten Essen gibt. (Zitat Thomas: „Du hast gesagt, ich soll 5 vor da sein und war es erst 3 vor. Ich habe mich schon angepasst“).

Vorgestern wollten Thomas und ich kurz ein bisschen durch die Straßen hier um das Institut herum Laufen gehen (ja, wir sind immer so sportlich) und haben Rosemary nach „Ausgang“ gefragt, woraus dann kurzerhand ein Trip an den Victoriasee wurde. Die Gegend um den See heißt Ggaba, wo wir Roses Freund Marc trafen, welcher uns zum Ufer geführt und uns die schönsten Stellen gezeigt hat.

Afrikanische Mentalität vor dem Victoriasee
Afrikanische Mentalität vor dem Victoriasee

Ggaba ist für mich bisher der schönste Teil Kampalas, überall sind kleine Obst- und Gemüsestände, hübsche Geschäfte in Miniaturgröße und geschäftige Menschen, die Flip-Flops, nützliche Dinge oder Essen auf der Straße verkaufen. Alles ist vollgestopft mit Boda-Bodas, Taxen und Autos. Am Ufer des Sees stehen Männer und zerlegen den frisch gefangenen Fisch, ohne Eis, mit rostigen Messern und ich bin sehr froh, dass ich Vegetarier bin, wenn ich diese Prozedur sehe. Als natürliche Reaktion musste ich mir daraufhin schnell einige Mangos und Passionsfrüchte kaufen…

Obst- und Gemüsestand in Ggaba
Obst- und Gemüsestand in Ggaba

Marc hat uns Alex vorgestellt, einen alten Schulfreund, der, wie ich schätze, als Leiharbeiter auf den Transportbooten arbeitet. Er hat das breiteste Grinsen, das ich je gesehen habe und er strahlt vor Lebensfreude und Energie, obwohl ihm anzusehen ist, dass er nicht viel besitzt. Von diesen Menschen können wir so viel lernen! 🙂

Alex (Mitte) bei der Arbeit
Alex (Mitte) bei der Arbeit

Marc hat uns eingeladen, sein Haus zu besuchen und seine Familie kennenzulernen, was wir natürlich gerne angenommen haben. Es ging durch schmale Gassen, wieder eine Art „Markt“ und ich war erschrocken darüber, was wir dort alles sahen. Die Menschen arbeiten, essen und schlafen hier, zusammen mit Tieren, zwischen Töpfen, Säcken voll Bohnen und Maismehl und kaputten Kühltruhen voll Fisch. Der Abwasserkanal ist gleichzeitig der „Gehweh“, auf den spärlich ein paar Holzbretter gelegt wurden. Es riecht nach Tiermist, nach frischen Früchten und exotischen Gewürzen. In den Gassen nach Fisch (oh Wunder). Ich könnte mir niemals vorstellen so zu leben, aber die Menschen, die vor ihren kleinen Hütten auf dem Boden im Dreck zwischen Hühnern und Ziegen saßen und Reis mit Bohnen aßen, sahen glücklich aus.

Ein Wohnviertel
Ein Wohnviertel

Ausnahmslos alle Kinder haben uns zugewunken und uns angestrahlt. Und es ist so ungefähr das Süßeste, das passieren kann, wenn ein Kleinkind lächelt und fragt „How are you?“. Eine Mutter hat auf uns gezeigt, ihren Kindern erklärt, dass wir „Muzungus“ (Weiße) sind und sie uns grüßen und fragen sollen, wie es uns geht. 🙂

Marc wohnt ziemlich außerhalb, und ich musste erschrocken feststellen dass ich mich, als wir aus der engen und vollen Stadt raus waren und es größer und ländlicher wurde, irgendwie viel sicherer gefühlt habe. Es liegt vermutlich daran, dass ich nicht ständig darauf achten muss, dass meine Tasche zu und meine Wertsachen noch da sind. Langsam aber sicher sind wir den Berg raufgekrakselt, auf der Straße hat eine Gruppe von Kindern gespielt, und als ich mein Handy herausholte um ein Foto von ihnen zu machen, haben sie sich darüber gefreut, als sei Weihnachten, haben sich mehr oder weniger hübsch aufgestellt und in die Kamera gegrinst, dass es breiter nicht möglich ist 😀

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Reaktion von Kindern auf Kameras 🙂

Der ganze Weg nach oben ist genau so, wie man sich Uganda vorstellt, roter Sand, Palmen, Bäume, die ich nicht von zu Hause kenne, Häuser, die zu Ruinen zerfallen sind, Müll. Man läuft über Sand, Steine, kaputte Schuhe, zerdrückte Plastikflaschen und abgeliebte Teddys ohne Kopf.. Er wird von den Kindern als Spielzeug gebraucht, was ich gleichzeitig süß und schrecklich finde. Ein kleiner Junge hat mit einer Plastikflasche einen alten Autoreifen vor sich her gerollt, die Straße runter und wieder herauf, immer wieder.

Eine von Marcs Schwestern hat Malaria und konnte nicht zu uns nach draußen kommen. Ihre Stirn war schweißgetränkt und sie konnte sich kaum drehen, um uns zu sehen. Wir haben alle ihre Hand genommen und das Vater Unser für sie gebetet.

Auf dem Weg zurück ins Institut ist uns eine Gruppe kleiner Kinder, in zerschlissenen Kleidern, begegnet. Das älteste der Mädchen lief mir hinterher und rief ganz laut und aufgeregt „I love you“. Ihr Strahlen und die Freude in ihrem kleinen Gesicht hätten größer nicht sein können, als auch ich „I love you too“ gerufen habe. Sie konnten nicht aufhören, mir ihre Liebe zu bekunden, bis wir um die nächste Ecke abbiegen mussten. Mutter Teresa hat einmal gesagt: „Immer, wenn du jemandem ein Lächeln schenkst, ist das eine Tat der Liebe, ein Geschenk an jene Person, etwas Wunderschönes“. Genau das Erlebe ich jeden Tag hier. Aber nicht, weil ich Lachen und Liebe gebe, sondern weil ich es, wann immer ich draußen bin, auf der Straße von den vielen Kindern geschenkt bekomme.

Ich kann es kaum ertragen, wenn bei Stau Kinder an die Autoscheibe klopfen und hungrig auf ihre Münder zeigen oder viel zu schwer beladen versuchen, Bananen an Fußgänger zu verkaufen. Ich mag der übliche Tourist sein, der am liebsten alle Bananen aufkaufen und alle Straßenkinder bei sich aufnehmen würde, aber ich weiß, das schon viel getan wird und ich freue mich darüber, ab nächsten Monat selbst Teil eines solchen Projektes zu sein.

Ihr Lieben musstet jetzt unfassbar viel Lesen, aber nach dem Sprachkurs wird auch eine Weile nichts mehr von mir hochgeladen werden, da Thomas seinen PC mit nach Mityana nimmt und ich keinen dabei habe. 🙂

Das Tennisfeld des St. Augustines mit Aussicht über Kampala
Das Tennisfeld des St. Augustines mit Aussicht über Kampala
Unsere Nachbarn, drei Meter weiter..
Im Vergleich: Unsere Nachbarn, drei Meter weiter..

Jetzt bin ich erst einmal auf meinen ersten Geburtstag außerhalb Deutschlands gespannt und genieße den letzten Tag mit 18, ganz liebe Grüße,

Barbara