Wir sind da

9. Aug 2016 | von | Kategorie: Barbara Menke in Uganda, Freiwillige 2016/2017

Hallo ihr Lieben,

Thomas und ich sind heil angekommen, unfassbar freundlich aufgenommen worden und haben uns, so behaupte ich jedenfalls, schon sehr gut eingelebt. In den wenigen Tagen die wir hier in der Hauptstadt Ugandas sind haben wir schon so viel erlebt, dass ich gar nicht weiß, wo ich beginnen soll. Dieser Eintrag wird vermutlich so lang werden, dass ich ihn in einzelne Tage aufteilen muss, wer lieber die Kurzversion haben möchte, kann sich einfach Thomas Blogeintrag durchlesen, aber weil ich ein Mädchen bin, werde ich hier jetzt auch meine Eindrücke und Gefühle mit aufschreiben.. 😉

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Ein letztes Selfie im Frankfurter Hotel 🙂

Am Besten beginne ich mit dem Flug vor sechs Tagen: Thomas und ich haben uns am Frankfurter Flughafen getroffen und sind von dort nach Brüssel geflogen (von den 40 Minuten Flugzeit sind wir gefühlt 10 Minuten geflogen und eine halbe Stunde lang bloß auf dem Boden herum gerollt), hatten zwei Stunden Aufenthalt auf internationalem Boden und saßen dann im Flieger nach Entebbe. Es ging ewig nicht los, und auf meine Frage, ob wir wohl gleich losfahren, hat Thomas mich nur ausgelacht und erklärt, dass der „Flugzeug-Fahrer“ noch nicht da sei. Wir sind mit über einer Stunde Verspätung losgeflogen (Zitat Thomas: „Wir sind schon in Uganda..“) aber der Service war großartig, wir hatten Fernseher und eine Minibar. Thomas hat mir die ca. zwölf Stunden Flugzeit mit Sätzen wie „oh, du heißes, nicht veganes Teil“ über den Schokoriegel, „trinkt oder löffelt man das?“ über eine kleine Packung Wasser oder „das letzte mal Eiswürfel in der Fanta“ verkürzt. Zwischendurch kamen wir in Turbulenzen, bei welchen ich innerlich fast gestorben bin und äußerlich einfach nur von Thomas ausgelacht wurde, wenn ich mich schreckerfüllt und mit weit aufgerissenen Augen an seine Schulter gekrallt habe. Draußen sah man schwarze Wolken, Blitze, und dann einen strahlend gelb-orangenen Horizont. Was mich auch beeindruckt hat, war, dass die Weltkarte auf unseren Monitoren einmal Afrika und nicht Europa als Mittelpunkt hatte. Es war alles „auf dem Kopf“ und Europa war im Verhältnis zu Amerika und Afrika so winzig klein.

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Auf dem Weg nach Brüssel 🙂

Ich habe mich noch nie so weiß gefühlt, wie in dem Moment, als wir am Flughafen ankamen und einfach alles so „afrikanisch“ war. Die Dame, die unsere Pässe kontrollierte, war unfassbar freundlich und fragte erst einmal, wie es uns geht, ehe sie Abdrücke von unseren Fingerabdrücken genommen hat. Der Flughafen in Entebbe riecht vor der Passkontrolle nach Schimmel, dahinter nach Popcorn und es läuft die gleiche Vodafone Werbung wie in Deutschland. Wir wurden von Ben, unserer Kontaktperson, seiner Freundin und Penelope, unserer Koordinatorin, abgeholt und in einen Truck gebracht, dessen Tank nicht mal mehr zu einem Zehntel voll war. Thomas wollte sich direkt anschnallen und wurde dafür laut ausgelacht. Penelope hat uns erklärt, dass es wirklich unüblich sei, im Auto sehr auf Sicherheit zu achten, manchmal schnalle man sich auf dem Beifahrersitz an, aber weil Bens Freundin gerade schwanger ist, müsse sie es nicht machen. 😀

Wir sind durch Entebbe nach Kampala gefahren, nach dem Flughafen kam das Viertel der Reichen und Schönen. Große Backsteinhäuser, wunderschöne Gärten und ein Internat, welches eingezäunt und von Wachmännern gesichert ist. Danach kommt die richtige Stadt. Große Werbeplakate und rechts und links von der Straße stehen kleine Hütten aus Stein, Holz und Blech und unglaublich viele Verkaufsstände. Nachts hängen überall Lichterketten die ein wenig an Weihnachtsbeleuchtung erinnern und es fahren aufgetunte Autos, deren Preis man ihnen ansieht, zwischen alten Klapperkisten, deren Ende man ihnen ganz deutlich ansieht, und lauter Menschen, die alle auf der vollkommen überfüllten Straße laufen. Bisher habe ich noch keine Ampel gesehen.

Die drei Quadratmeter großen Läden tragen Namen wie „Fashion World“ und die unzähligen Apotheken heißen „Rock Pharmacy“ oder „Fancy Pharmacy“ und haben nicht mal eine Eingangstür.

Vor uns fahren Autos, die uns, zumindest in der Innenstadt, sicher schnell eine Raucherlunge zaubern werden und man sieht Ladas, auf deren Ladefläche Unmengen an Zeugs gestapelt sind, worauf dann auch noch ein paar Mitfahrer sitzen. Hupen ist in der übervollen Stadt schon so normal, dass es einfach dazugehört und flächendeckend ignoriert wird. An den Straßenrändern stehen Grills, die bis tief in die Nacht Fleisch, Heuschrecken und gegrillte Banane anbieten. Dazu läuft laute Musik aus GhettoBlastern, es wird getanzt und gesungen, so etwas wie eine Nachtruhe kennen die Menschen hier nicht. An jeder Ecke brennt ein kleines Feuer, das zum einen der Müllverbrennung dient und zum anderen die Einheimischen wärmt, denen nachts bei ca. 20°C schon kalt wird.

Zwischendurch ist dann noch der Präsident Ugandas an uns vorbei gefahren..

Kampalas geschäftige Innenstadt

Kampalas geschäftige Innenstadt

Thomas und ich werden den ersten Monat im St. Augustines Institute leben, einer Art katholischem Hostel, das von Priestern und Nonnen geführt wird. Wir wurden mit einem Glas Milch begrüßt und ich dachte, dass ich aufgrund meines veganen Daseins in Deutschland einen Lactose-Schock bekommen werde, hatte aber nicht mal ein bisschen Bauchweh.

Direkt am ersten Abend hatte ich schon einen Skorpion im Zimmer, wir hatten den ersten Stromausfall und in der Nacht wurde unsere Wasserpumpe geklaut. Klischeehafter hätte unsere erste Nacht unter einem kaputten Moskitonetz in Afrika eigentlich nicht sein können.

Die Aussicht von Thomas und meinem Flur im St. Augustines

Die Aussicht von Thomas und meinem Flur 🙂

Mit den allerbesten grüßen,

Barbara

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Ein Kommentar
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  1. LIebe Barbara,
    da bin ich ja genau zur rechten Zeit wieder auf deinen Blog gegangen. Also, läuft doch! Das hört sich alles sehr schön an, die richtige Mischung von Abenteuer und netten Menschen um sich herum. Vielen Dank für den interessanten Bericht, aber repariere das Moskitonetz, nach meinem Seminar über Seuchen kann ich so etwas nicht mehr gut hören!
    Herzliche Grüße aus Freiburg von Martin

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