Über den Wolken

„Mafalda, was machst du denn eigentlich nach dem Abitur?“ „Ich gehe für ein Jahr nach Nicaragua und arbeite dort als Freiwillige in einer Kindertagesstätte.“ Schon lange habe ich aufgehört zu zählen, wie oft ich diese Antwort in den letzten Monaten gegeben habe. Trotzdem ist mir auch beim zehnten und beim zwanzigsten Mal noch ein Lächeln über das Gesicht gehuscht, so groß war die Vorfreude.

Mit jedem Seminar beim Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ und missio im Aachen ist sie noch gestiegen, denn dort ging es den ganzen Tag um unseren Freiwilligendienst. Wo gehen wir hin, was müssen wir vorbereiten und wie verhalten wir uns in so fremden Ländern? Am Ende waren dann tatsächlich alle Fragen beantwortet, zumindest die, bei denen es möglich ist (mir konnte dann doch niemand so richtig sagen, wie ich es 12 Monate lang bei über 30 Grad aushalten soll). Trotzdem schien die Ausreise noch weit entfernt und der Abschied von den Freiwilligen, die in andere Richtungen aufbrechen und mit denen ich meine Träume und Aufregung geteilt hatte, noch gar nicht wirklich real.

Doch plötzlich ist es nicht mehr nur mein Plan für die Zukunft, nach Nicaragua zu gehen, weit entfernt und gar nicht greifbar. Auf einmal sitze ich schon im Flieger irgendwo über dem Atlantik (um genau zu sein, kurz vor Kanada) und bin auf dem Weg zu meinem neuen Zuhause für ein ganzes Jahr.

Die letzten Tage sind wie im Fluge vergangen. Beim Packen sind mir natürlich immer wieder Dinge eingefallen, die ich unbedingt noch besorgen musste, zum Beispiel ein kleines Spanischwörterbuch, das ich dann letztendlich doch in Deutschland vergessen habe. Schon war es Zeit, Abschied zu nehmen: noch einmal die Großeltern und Tanten besuchen, das letzte Fußballtraining, Frühstück mit den Freundinnen und dann stehe ich am Flughafen und umarme meine Familie ein letztes Mal. Mit geteilten Gefühlen gehe ich durch die Sicherheitskontrolle: traurig, meine Lieben so lange nicht zu sehen, aufgeregt, ob bei der langen Reise auch alles gut geht und voller Vorfreude auf das, was ich in den nächsten Monaten erleben werde.

Da ist er, der Zeitpunkt, von dem ich so lange geträumt habe. Ich breche auf in ein fremdes Land, um dort eine andere Kultur und neue Menschen kennenzulernen. Ich kann es wirklich kaum erwarten.

Tschüss Houston - hallo Managua
Tschüss Houston – hallo Managua