Ich bin dann mal (fast) weg

Hallo liebe Freunde und Verwandten,

Jetzt wird es nicht nur auf dem Papier, sondern langsam auch in meinem Kopf ernst. Ich werde in drei Tagen den Kontinent verlassen und zwischen all meinen Lieben und mir werden für die nächsten zwölf Monate 6000 Kilometer und das Mittelmeer liegen.

Am 4. August fliege ich zusammen mit Thomas, einem weiteren Freiwilligen des Kindermissionswerks, früh morgens vom Frankfurter Flughafen ab, nach Uganda, Entebbe.

Ich erinnere mich an die Zeit letzten Herbst, als ich motiviert wie was, mit einem Globus auf dem Schreibtisch und einer Weltkarte über dem Bett, meine Bewerbung an das Kindermissionswerk schrieb (Zitat Mama. „Hättest du doch nur einmal in deinem Leben so viel für die Schule getan“). Mit der Zusage für den Freiwilligendienst ist für mich ein langer Herzenswunsch in Erfüllung gegangen.

Meine Familie und meine Freunde haben sich unglaublich für mich mitgefreut und ich durfte in den letzten Monaten so viel Freundschaft, Liebe, Unterstützung und Geduld erfahren, dass ein einfaches Danke eigentlich nicht reicht. Bei den letzten Treffen mit meinen guten Freundinnen habe ich Briefe mit auf den Weg bekommen, die mich ausnahmslos alle zu Tränen gerührt haben. Ich bin von so wundervollen Menschen umgeben, dass es jetzt, wo es ernst wird, schon ziemlich schmerzhaft ist.

In der Zeit nach dem Abitur bin ich, neben den Vorbereitungsseminaren, von Urlaub zu Urlaub gehüpft, sodass zwischen Ankunft und der nächsten Abreise oftmals nur ein Tag lag. Dazwischen musste irgendwie noch ein Jahr Afrika geplant werden. Dieser Plan (Packliste, letzte Arztbesuche, eine „Erledigen“-, eine „Klären“- und eine „Besorgen“-Liste) existiert heute auch nur Dank meiner Eltern, die aktuell vermutlich noch mehr Ahnung von meiner Einsatzstelle, meinem Projekt, meiner Unterkunft und dem Land Uganda als solches haben, als ich.

Obwohl ich in jeder freien Minute Organisatorisches erledige, mein Zimmer aufräume (Zitat Mama, die meinen Schreibtisch am Fenster schon für sich beansprucht hat: „Das Zeug hier überall auf dem Boden ist schlecht für das Feng-Shui“) oder Gastgeschenke und Blusen für das nächste Jahr kaufen gehe, habe ich das Gefühl, dass ich noch überhaupt nichts gemacht habe, weil es IMMER noch etwas zu tun gibt. Vollmachten erteilen, Sicherheitskopien von allen Fotos und Daten machen, tränenreiche Verabschiedungen und Abschiedsgeschenke vorbereiten.

In der Theorie ist mir sehr wohl bewusst, dass ich übermorgen nach Frankfurt fahren werde, aber in meinen Gedanken ist dieser Freiwilligendienst noch unfassbar weit weg. Ich werde am Donnerstag aus dem Flugzeug aussteigen und offen für alle neuen Erfahrungen, für die Menschen vor Ort, für die Eindrücke und die Kultur, in das Auto meines Projektleiters, der uns vom Flughafen in Entebbe abholt, stolpern. Ich bin dankbar für diese Chance, ich bin ziemlich aufgeregt, ich habe Angst vor der Ungewissheit, aber trotzdem weiß ich, dass ich nichts lieber will als dieses Jahr! Ich schaue, wie man so schön sagt, dieser Zeit mit einem großen lachenden und einem kleineren weinenden Auge entgegen. Ein Lebensabschnitt ist mit dem Abitur jetzt zu Ende und ein neuer, sehr viel aufregender beginnt in drei Tagen, ich bin gespannt und glücklich und freue mich, all die neuen Eindrücke schon bald mit euch teilen zu können!

Mit den liebsten Grüßen, Barbara 🙂