Ich bin dann mal (fast) weg

1. Aug 2016 | von | Kategorie: Barbara Menke in Uganda, Freiwillige 2016/2017

Hallo liebe Freunde und Verwandten,

Jetzt wird es nicht nur auf dem Papier, sondern langsam auch in meinem Kopf ernst. Ich werde in drei Tagen den Kontinent verlassen und zwischen all meinen Lieben und mir werden für die nächsten zwölf Monate 6000 Kilometer und das Mittelmeer liegen.

Am 4. August fliege ich zusammen mit Thomas, einem weiteren Freiwilligen des Kindermissionswerks, früh morgens vom Frankfurter Flughafen ab, nach Uganda, Entebbe.

Ich erinnere mich an die Zeit letzten Herbst, als ich motiviert wie was, mit einem Globus auf dem Schreibtisch und einer Weltkarte über dem Bett, meine Bewerbung an das Kindermissionswerk schrieb (Zitat Mama. „Hättest du doch nur einmal in deinem Leben so viel für die Schule getan“). Mit der Zusage für den Freiwilligendienst ist für mich ein langer Herzenswunsch in Erfüllung gegangen.

Meine Familie und meine Freunde haben sich unglaublich für mich mitgefreut und ich durfte in den letzten Monaten so viel Freundschaft, Liebe, Unterstützung und Geduld erfahren, dass ein einfaches Danke eigentlich nicht reicht. Bei den letzten Treffen mit meinen guten Freundinnen habe ich Briefe mit auf den Weg bekommen, die mich ausnahmslos alle zu Tränen gerührt haben. Ich bin von so wundervollen Menschen umgeben, dass es jetzt, wo es ernst wird, schon ziemlich schmerzhaft ist.

In der Zeit nach dem Abitur bin ich, neben den Vorbereitungsseminaren, von Urlaub zu Urlaub gehüpft, sodass zwischen Ankunft und der nächsten Abreise oftmals nur ein Tag lag. Dazwischen musste irgendwie noch ein Jahr Afrika geplant werden. Dieser Plan (Packliste, letzte Arztbesuche, eine „Erledigen“-, eine „Klären“- und eine „Besorgen“-Liste) existiert heute auch nur Dank meiner Eltern, die aktuell vermutlich noch mehr Ahnung von meiner Einsatzstelle, meinem Projekt, meiner Unterkunft und dem Land Uganda als solches haben, als ich.

Obwohl ich in jeder freien Minute Organisatorisches erledige, mein Zimmer aufräume (Zitat Mama, die meinen Schreibtisch am Fenster schon für sich beansprucht hat: „Das Zeug hier überall auf dem Boden ist schlecht für das Feng-Shui“) oder Gastgeschenke und Blusen für das nächste Jahr kaufen gehe, habe ich das Gefühl, dass ich noch überhaupt nichts gemacht habe, weil es IMMER noch etwas zu tun gibt. Vollmachten erteilen, Sicherheitskopien von allen Fotos und Daten machen, tränenreiche Verabschiedungen und Abschiedsgeschenke vorbereiten.

In der Theorie ist mir sehr wohl bewusst, dass ich übermorgen nach Frankfurt fahren werde, aber in meinen Gedanken ist dieser Freiwilligendienst noch unfassbar weit weg. Ich werde am Donnerstag aus dem Flugzeug aussteigen und offen für alle neuen Erfahrungen, für die Menschen vor Ort, für die Eindrücke und die Kultur, in das Auto meines Projektleiters, der uns vom Flughafen in Entebbe abholt, stolpern. Ich bin dankbar für diese Chance, ich bin ziemlich aufgeregt, ich habe Angst vor der Ungewissheit, aber trotzdem weiß ich, dass ich nichts lieber will als dieses Jahr! Ich schaue, wie man so schön sagt, dieser Zeit mit einem großen lachenden und einem kleineren weinenden Auge entgegen. Ein Lebensabschnitt ist mit dem Abitur jetzt zu Ende und ein neuer, sehr viel aufregender beginnt in drei Tagen, ich bin gespannt und glücklich und freue mich, all die neuen Eindrücke schon bald mit euch teilen zu können!

Mit den liebsten Grüßen, Barbara 🙂

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5 Kommentare
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  1. Liebe Barbara,

    ich glaube nicht, dass ich etwas schreiben kann, das dich zu Tränen rührt, und ich will es auch gar nicht, denn das ist im Moment eher kontraproduktiv.
    Also, ich finde alle in deinem ersten Blogeintrag geschilderten Gefühle völlig normal (auch von deinen Eltern). Es erinnert mich an die Zeit, als ich vor 31 Jahren zum Freisemester nach Rom aufbrach. Und damals gab es noch kein Internet, keine Blogs und kein Skype. Einmal in der Woche habe ich seinerzeit für ein paar Minuten meine Eltern angerufen und dabei dauernd Telefonmünzen nachwerfen müssen. Aber am Ende der Zeit hätte ich noch länger bleiben können.
    Ich habe jetzt die Adresse deines Blogs in meine Lesezeichenliste aufgenommen und hoffe, dass das ausreichen wird, mich oft genug daran zu erinnern, hier vorbeizuschauen.

    Ich wünsche dir eine gute Reise und einen erlebnisreichen Aufenthalt,

    Martin

  2. Liebe Barbara,
    Mama hat mir den Link zu Deinem Blog weitergeleitet und ich freue mich schon sehr darauf dein Jahr ein bisschen mitbegleiten zu dürfen. Ich habe großen Respekt vor Deinem Mut & wünsche Dir die wertvollsten Erfahrungen, die Dich wachsen lassen und die Dir für den Rest Deines Lebens erhalten bleiben! Pass gut auf Dich auf, ganz liebe Grüße, Natalie

  3. Alles Gute für Dich, liebe Barbara! Und Gottes Segen für alle Deine Unternehmungen. Wir denken hier in Freiburg feste an Dich und sind mit Dir in Gedanken unterwegs. Und wir werden Deine Zeit ganz intensiv mitverfolgen. Chill Dein Leben, wenn es stressig wird, es gibt für alles eine Lösung… Bis dann Verena & Co.

  4. Hi, liebe Barbara,
    heute ist Dein Geburtstag, stimmt´s?
    Wir dewnken ganz feste an Dich, und Du hast vielleicht auch eine ordentliche Portion Heimweh, und doch wird es sicher ein ganz unvergeßlicher Tag, oder????
    Toll Deine Einträge zu lesen, spannend und unterhaltsam, es eriinert mich sehr an mein Jahr nach dem Abi!
    Danke für Deine mitteilsame Art – so wird die Welt ein wenig kleiner und verständlicher.
    LG
    Verena und „der Rest“.

  5. Hallo liebe Barbara,

    habe gerade Dein link zum Blog erhalten und bin ganz tief in Deine Welt eingestiegen.
    Vielen Dank, dass Du uns so tief an Deinem Leben teilhaben lässt, erst wollte ich alles lesen aber es ist recht viel den zweiten Teil habe ich gerade ausgedruckt und werde ihn heute Abend zu Ende lesen.
    Ich darf jetzt leider weiter arbeiten obwohl ich gerne lesen wollte Du schreibst so lebendig!
    Schön dass es Dich gibt und wir unterstützen Dich weiterhin aus Freiburg mit Gebet.(Sabine, Cornelia, Barbara und ich) Wir sprachen heute morgen schon wieder in der Runde einen Segen über Deine Familie. Du weißt ja wir machen das jeden Montag. Gott liebt Kommunikation und Dich auch!
    In dem Sinn kann ich nur sagen Du tust gutes für die Welt und dadurch für Dich. Genieße weiterhin die schönen Dinge von den schlechten hast Du Dich ja jetzt durchs schreiben befreit!!!!

    Liebe Grüße aus Freiburg
    Alexander

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