Au revoir, Opa Karl

15. Jun 2016 | von | Kategorie: Freiwillige 2015/16, Lukas Matzick in Benin

Nachdem mich Mitte April die Nachricht erreichte, dass mein Opa Karl verstorben ist, war ich kurz davor, nach Hause zu fliegen, um zumindest der Beerdigung beizuwohnen! Aufgrund verschiedener Gründe entschied ich mich aber letztlich dagegen. Nun, fast 2 Monate später habe ich es endlich geschafft, hier eine kleine Verabschiedung zu organisieren; eine „beninische“ Verabschiedung zu organisieren.

Schon die Beerdigung des Vaters meines Mentors Basile war wie ein erster kleiner Abschied, denn der Leichnam wurde am Tag der Beisetzung meines Opas an seine letzte Ruhestätte gebracht. Und so war diese Zeremonie im Prinzip schon wie für meinen Opa- nur eben nicht richtig!

Gemeinsam mit meinem Mentor begann ich Anfang der Woche mit den ersten Vorbereitungen: Ein Foto musste gerahmt werden, Lautsprecher organisiert, Essen und Getränke eingekauft werden und auch einen Stoff suchte ich aus und lud die Leute ein, doch vorbeizukommen.

Am Samstag begannen dann die Feierlichkeiten mit einer „Totenwache“: Zu lauter Musik die ganze Nacht wurde gegessen, getrunken und getanzt. Die ganze Nacht verbrachten wir in meinem Hof. Der obligatorische Palmschnaps wurde auch mit meinem Opa geteilt, indem ein Teil des Glases auf den Boden geleert wird… Die gesamte Nacht haben wir allerdings nicht geschafft: Nachdem um 4 Uhr mit dem Feinbäcker des Projektes der letzte fort war, blieb ich nur mit Petit Yovo zurück und gemeinsam schliefen wir ein bisschen auf meiner Strohmatte im Hof.

Allerdings nur kurz, denn bereits um 6 Uhr morgens mussten wir uns fertig machen, um rechtzeitig um 7 Uhr in die Kirche zu gehen, die ich für Opa Karl bestellt hatte. Die Messe beginnt auch pünktlich. Es fällt mir jedoch schwer zu hundert Prozent zu folgen, da ich fast die gesamte Nacht wach war. Mich erstaunt auch wie gut (!) der Pfarrer den Namen ausspricht; Beniner finden Matzick nämlich sehr kompliziert. Gegen Ende des Gottesdienstes beginnt der Regen und da kein Ende in Sicht ist, gehen wir durch den Starkregen nach Hause. Der Regen ist aber sogar gut für eine Zeremonie, denn das bedeutet, dass der Verstorben in Frieden gegangen ist- so erklären mir das die Beniner.

Und auch das Fest beginnen wir trotz Regen. Wir essen noch die Pate von gestern auf, hören Musik und tanzen im Regen. Als der Regen dann aufhört kommen nach und nach die Leute, die ich eingeladen hatte. Als Empfang gibt es ein belegtes Brot aus der Backerei meines Projektes und Bier, Softdrinks und Sodabi. Als schließlich alle anwesend sind setzen wir uns an die kleine Tafel, die in meinem Hof errichtet wurde und unterhalten uns etwas, bevor der Reis mit Hühnchen aufgetragen wird. Die erste Flasche Whiskey wird von meinem Chef Jules geöffnet und mit einem kleinen Gebet gibt er meinem Opa etwas davon, bevor er die Flasche für die gesamte Runde freigibt! Nach dem Essen wird noch getanzt, wobei der Großteil der Leute sich nach und nach zurückzieht.

Basile sagt mir, dass wir das Fest in der Stadt beenden, doch davor solle ich nochmal ein kurzes Gebet für meinen Opa machen. Und so stehe ich vor dem Foto, hinter mir die restlichen Gäste versammelt, und denke noch einmal an Opa Karl- und trotz der eigentlich fröhlichen Stimmung kullern mir in dem Moment einige kleine Tränen aus den Augen. Nach dem Gebet nehme ich das Foto, trage es in das Haus und die gesamte Mannschaft bricht auf in die Stadt zu einem Abschlussbier…

In diesem Sinne: Mach’s gut Opa, wir sehen uns bestimmt einmal wieder!

Bilder der Zeremonie sind übrigens hier zu finden: https://www.facebook.com/lukasinbenin/

Liebe Grüße und bis (hoffentlich) bald

Lukas

P.S. Dieser Blog ist mein erster seit langem! Mir hat leider etwas Motivation und auch ein kleines bisschen Zeit gefehlt einen Artikel zu schreiben… Ich versuche zu den anderen Dingen die passiert sind zumindest einen weiteren Blog hochzuladen.

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