Ganz viel Dankesehr

10. Mai 2016 | von | Kategorie: Aktuell, Freiwillige 2015/16, Johanna Saalfrank auf den Philippinen

„You dug yourself into places,

you never thought you would be,

don’t you fret and don’t you mind,

the only constant is changes,

and you will never know what you will find,..

well, we’re always on your way,

we’re always on our way“ – Radical Face (Ben Cooper)

Ich wurde eingeladen. Mit ner Freundin. Zusammen zu ner Freundin einer Schwester von ner Schwester. Zu deren Dorf- und Familienfest. Und ganz nebenbei kamen innerhalb von 4 Tagen spontane Einladungen zu 3 Geburtstagen hinzu. In meinem Kopf macht das alles Sinn, aber ja, es klingt ein bisschen verwirrend. Und es hat mich sprachlos werden lassen. Sprachlos von all der bedingungslosen Gastfreundschaft. Klar, weiß ich, dass hier Gastfreundschaft extrem gelebt wird, aber das hat nochmal einen drauf gesetzt. – Davon erzähle ich hier. Von ein paar Tagen, in denen ich mein Herz ein bisschen mehr hier verloren habe.

Ich wusste vor der Reise nur meine Flugdaten und dass wir ein paar Tage auf Bohol verbringen werden. Bohol ist eine weitere Insel, die wegen ihrer besonders ausgeprägten hügeligen Landschaft berühmt ist. Wir, das sind eine Deutsche, die ich hier in Manila kennengelernt habe und ich.

Zunächst zu uns beiden. Das Schöne, am „ImAuslandSein“, ist das viele Menschen, die du triffst genauso ticken wie du selbst. Und es war das gleiche bei uns. Kathi und mich. Kein einziger komischer Moment. Es verbindet einen die Abenteuerlust, das gemeinsame Reisen. Man lacht zusammen, teilt manchmal die Angst und all die Eindrücke die im Kopf umhergehen und viel, viele Momente.

We're on our way! - Im Bus - ohne Glas

We're on our way! - Im Bus- im Fahrtwind

Wir wurden also eingeladen und schippern nach ein paar Nächten in Cebu City, ziemlich früh morgens nach Bohol.

Morgenstimmung am Hafen

Morgenstimmung am Hafen

Eine kurze, aber herzliche Umarmung später sitzen wir in einem Van und lernen die Freundes Freunde kennen, tauschen ein paar Geschichten und werden, was wir im Nachhinein festgestellt haben, durch die halbe Insel gefahren. Wir sind geschafft am Ende des Tages. Glücklich von den unwirklichen Orten, die wir gesehen haben und müde vom Beineanziehen im Van.

ChocolateHills - frag mich nicht wie sowas entsteht

ChocolateHills - frag mich nicht wie sowas entsteht

Es ist dunkel und ich sehe seit Ewigkeiten das Funkeln des Sternenhimmels, als wir aufgeweckt werden und aussteigen. Es fröstelt mich sogar ein bisschen, als wir in das Haus geführt werden, wo uns Kindergelache und große Augen ansehen. „Welcome home!“ – ein bisschen fühl ich mich so. Diese Familie, bei denen wir die nächsten Nächte verbringen werden, lernen wir an diesem Abend kennen. Ja, wir lernen nur einen kleinen Teil kennen, denn wegen des Geburtstags des Papas und der „Fiesta“ – einem jährlichen Dorffest – kommen alle Verwandten zusammen. Und wir zwei Deutsche wie selbstverständlich auch.

unsere Brüder auf Zeit

unsere Brüder auf Zeit

Ausschlafen. Ja, obwohl ich meinen natürlichen Wecker in Manila – das Morgengebet der Schwestern, vermissen werden, schlaf ich auf Bohol seit einer gefühlten Ewigkeit wieder richtig lange aus. Und ja, das ist deutsch. Denn normal sind die Menschen hier schon früh auf den Beinen – Emma, die Frau, der das Haus gehört, nimmt es als Kompliment. Und sie bringt uns einen Kokosschnaps – Guten Morgen!

In den folgenden Tage dürfen wir Dinge erleben, die man nicht gut in Worte fassen kann. Ein bisschen magisch, viel philippinische Kultur und Herzlichkeit.

Ohne Schnaps.. dafür mit vielen getrockneten Schalen

Ohne Schnaps.. dafür mit vielen getrockneten Schalen

„We’re always on our way.“ Leider. – Es ist ein Ort, von dem ich noch nie zuvor träumte und doch mein Herz dort gelassen habe. Aber ja Ben Cooper hat Recht: das Einzige was bleibt sind Veränderungen. Und auch wir müssen von unserer Lieblingsfamilie Abschied nehmen. Danke für die wunderbaren Tage. Danke für die Herzlichkeit, für die Geschichten, die ich jetzt erzählen darf. Danke für diese besondere Art der Gastfreundschaft. Ein letztes „Passt auf euch auf“… Ich weiß nicht ob ich sie jemals wieder sehen werde. Und wir machen uns auf den Weg.

Salamat!

Salamat!

Wir machen uns auf den Weg. Zurück nach Cebu, wo wir nur kurz einen Zwischenstopp einlegen wollen, und im Wasser abkühlen und dann weiter fahren wollen. Der nächste Geburtstag!

Los, esst mit – „Essensschlacht“  – so nennen wir hier den Foodfight, der auf dem Bananenblatt stattfindet und bei der alle gemeinsam mit Händen essen. Noch bevor wir die Namen des Geburstagskindes erfahren singen wir ihm schon ein Ständchen. Den Nachmittag verbringen wir also mit dieser Gruppe. Damit Bilder zu machen, beim schwimmen sich den Rücken zu verbrennen und damit ein paar Kokosnüsse zu verschnapulieren. Ein paar sind untertrieben. Danke für die Einladung! Danke für das Erleben dieser Geburtstagstradition! Dankesehr.

Kurz vor der Schlacht!

Kurz vor der Schlacht!

Kurz vorm Ende.. Es muss leer werden!

Kurz vorm Ende.. Es muss leer werden!

Wir machen und auf den Weg in eine andere Stadt der Insel.

Wir bleiben ein paar Tage. Kathi und ich genießen die Sonne, das Tauchen, das InDenTagLeben. Und ein paar mehr Kokosnüsse…

ja gut, das war noch bei der Lieblingsfamilie

Und wie immer machen wir uns dann wieder auf den Weg zurück nach Cebu City.

Und dann kurz bevor ich wieder zurück nach Manila fliege, holt uns meine Lieblingsschwester am Hostel in ab und bringt uns zu ihrer Nichte. Sie wird 15 und wir dürfen dabeisein. Sie ist ein bisschen schüchtern und nimmt lächelnd unser kleines Geschenk an. Und schon wieder. Man fühlt sich als würde man gerade nach Hause kommen. Wir setzen uns an die KaraokeMaschine und beschallen gemeinsam die Nachbarschaft.

Schnulzen, Liebeslieder,...

Schnulzen & Liebeslieder

Wir lachen viel. Wir singen schief und alle machen mit. Wir leben die Momente und schließen sie in unser Herz. Danke – Dankesehr.

Und ich mach mich auf den Weg. Zurück nach Manila. Zurück zum Entspurt. Mir bleibt nicht mehr lang. Ich will nicht an den Abschied denken, der immer näher rückt.

Ich habe mich in dieses Land verliebt. In die Menschen. In die Kultur. Ich habe mir nach all den Monaten unterbewusst Verhaltensweisen angewöhnt. Ich merke, wie schwer es mir fallen wird viel zurückzulassen.

Wie wunderschön es doch ist!

Wie wunderschön es doch ist!

Auch das bedingungslose. Bedingungslos wurden wir in drei ganz unterschiedliche Familien eingeladen und bedingungslos und so wie ich bin, wurde ich von dem ersten Moment an hier aufgenommen. Obwohl ich anders aussehe, ich aus einer anderen Kultur und mit einer anderen Denkweise angekommen bin. Mit offenen Armen empfangen. Ich wünsche mir, dass dieses bedingungslose Willkommenheißen die Welt erobert.

Liebste Grüße – Johanna

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