Das „Nach-Hause-Kommen-Gefühl“

7. Mrz 2016 | von | Kategorie: Freiwillige 2015/16, Johanna Saalfrank auf den Philippinen

„We live in cities you’ll never see on screen

Not very pretty, but we sure know how to run free

And you know, we’re on each other’s team“ – Lorde

Ich schließe meine Tür auf und genieße die Ruhe. Streife die ausgelatschten Vans von meinen Füßen. Leg mich aufs Bett und lächle vor Glück. Denk daran, was gerade passiert ist. Meine Lieblingssister – ja, sowas hab ich wirklich! – hat mich vom Flughafen abgeholt, mir zugehört, was in meinem Kopf ist. Ich hab mit ihr meinen Reisporridge geteilt, bevor wir einander „Gute Nacht“ wünschen. Es hat was wunderbar vertrautes. – Ich bin jetzt wohl endlich angekommen. Das „Nach-Hause-Kommen-Gefühl“ ist da.

MoskitoNetz und Willkommensketten - Johanna durch und durch

unter Moskitonetz und Willkommensketten - so lebe ich hier

In den letzten Wochen ist ziemlich viel passiert und jetzt, wo man etwas Ruhe findet, merke ich, wie wunderschön die vergangenen Momente waren.

Ich komme von meinem Zwischenseminar nach Hause. Zurück nach Manila. Eine Woche haben die Sternsinger-Asien-Freiwilligen auf Cebu verbracht. A r g a o – Ein Ort, der unperfekt perfekt ist. Nicht das Programm, nicht das Wasser, nicht der Strand, nicht das Essen. Es sind die Worte, die nächtlichen Redesessions an unserem Tisch im 7/11, das unglaublich verzuckerte SchokoladenSofteis, die Menschen in diese Woche, die mein Herz berühren. Man wird verstanden. Man hört zu und es wird einem zugehört. Man lernt sich kennen – und damit meine ich nicht diese oberflächlichen Standardfragen. Mir fällt es schwer diese fünf Tage in Worte zufassen, weil sie zu kostbar sind um einfach in Buchstaben gezwängt zu werden. Vielleicht schaff ich es in Bildern.

Willkommen in Argao

Willkommen in Argao

Momente, die Besonderheit nur Schreien - Der Hafen in Argao und mir uns die Locals

Momente, die Besonderheit nur Schreien - Der Hafen in Argao und mir uns die Locals

Ein besonderer Abschied für schöne Tage - Lagerfeuer und s'mores

Ein besonderer Abschied für schöne Tage - Lagerfeuer und s'mores

Aber meine Manila-Auszeit war noch nicht am Ende. Das Reisen geht weiter. Mit Milly. Sie ist mir so unglaublich ans Herz gewachsen, meine Mitfreiwillige aus Cebu City. Und mit anderen Freunden aus der Heimat fahren wir auf Apo Island. Es war ein neuer Teil der Philippinen, neue Eindrücke. Es war wunderschön. Eine Insel, die man in 2 Stunden umrunden könnte. 1000 Einheimische, kein fließend Wasser, kein dauerhafter Strom. Um 9.30 abends geht die Karaoke-Maschine aus.

Danke für diese Zeit

Wir beiden Verrückten

Das (!) ist eine Hauptstraße

Das (!) ist eine Hauptstraße

5.00 Uhr morgens -  ein Sonnenaufgang in aller Ruhe

5.00 Uhr morgens - ein Sonnenaufgang in Stille

ApoIsland

ApoIsland

Es tut gut richtig durchatmen zu können. Kein einziges Moped auf der ganzen Insel. Man geht im glasklaren Wasser tauchen und  in zwei Metern Entfernung grast eine Wasserschildkröte zwischen dunkelblauen Seesternen. Man geht in FlipFlops zusammen die Felsen der Insel erklimmen und ist so unendlich dankbar an diesem Ort zu sein. Und wenn man Abends in seinem Holzbett liegt, vom das Moskitonetz geschützt, kommen einem die Grillen, die Vögel, die Geckos, der Wind in den Bäumen sehr, sehr laut vor. Ja, ich wollte es sogar aufnehmen, weil ich dieses Gefühl so vermisse. Apropos vermissen. Durch den deutschen Besuch wurde man daran erinnert, wie Deutschland tickt. Was aber auf keinen Fall schlecht war. Im Gegenteil es ziemlich interessant zu sehen, inwiefern man sich in einem halben Jahr verändern kann. Sich selbst zu reflektieren und zu sehen, wie Freunde aus der Heimat Dinge wahrnehmen, die man selbst gar nicht mehr sieht und wertschätzt.

Man sitzt zu wenig am Meer

Man sitzt zu wenig am Meer

Mit all diesen Bildern im Kopf, den Geschichten in den Ohren und den Menschen im Herzen fliege ich zurück nach Manila. Die Reifen des Flugzeuges berühren die Rollbahn, und mein Handy lässt Lorde singen. Erst jetzt bemerke ich, wie dieses Lied, das unsere Zeit in Argao begleitete zu unserer allen Situation passt. Ja, wir wissen wie wir unsere Städte leben, wie mit ihnen zurechtkommen und wie sehr uns all die Erfahrungen, all das Kämpfen, das An-Seine-Grenzen-Kommen unbewusst zusammenschweißt.

We're in each others team!

we're on each other's team!

Und ich komme in mein Zimmer, wasche Cebus Luft aus der Wäsche – im Schatten des vertrautem Fliesenspiegel. Und sehe all die philippinischen Mädels wieder, die deutschen Manilaner, die mir so ans Herz gewachsen sind. Es sind kleine Dinge, die einem Routine geben und die ein Zuhause ausmachen. Ob Sport, die bekannten Gesichter der Security-Frauen, das Aufwachen im Gesang des Morgengebets oder meine Extraportion Gemüse der Köchin. Durch das Weggehen lernt man Dinge schätzen und fängt wieder an zu genießen. Man kommt zurück ins Projekt und es wird nach einem gefragt. Ich gehe wieder in die Straßen. Zwei Wochen ist für die Kinder eine lange Zeit. „Ate Johanna, wo warst du denn?“, während sie sich an mich drücken und mich mitziehen. Es sind neue Menschen im Shelter, deren Geschichten ein offenes Ohr brauchen. Ich hab wieder Kraft Fragen zu stellen und Ideen zu geben. Und mir bleiben nur noch 5 Monate. Die Zeit rennt und ich möchte nicht an den Abschied denken.

Mein Fuß am vertrautem Platz - am Boden im Straßenstaub einer verrückten Stadt

Mein Fuß am vertrautem Platz - am Boden im Straßenstaub einer verrückten Stadt

Ein Kommentar
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  1. Wie immer spannend mit Gefūhl, Spass und schõnen Fotos!

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