Whats App, Twitter und Facebook gesperrt! What happend?

„Jemand hat mir mal gesagt, die Zeit würde uns wie ein Raubtier ein Leben lang verfolgen. Ich möchte viel lieber glauben, dass die Zeit unser Gefährte ist, der uns auf unserer Reise begleitet und uns daran erinnert, jeden Moment zu genießen, denn er wird nicht wiederkommen. Was wir hinterlassen ist nicht so wichtig wie die Art, wie wir gelebt haben. Denn letztlich sind wir alle nur sterblich.“ Jean-Luc Picard

„True story“, war das Einzige, woran ich gedacht habe, als ich dieses Zitat gelesen habe. Ich hoffe, es kann mir auch als Erklärung dienen, weshalb ich mich schon länger nicht mehr gemeldet habe. Ich erlebe jeden Tag neue Erfahrungen, gewinne neue Erkenntnisse, lerne neue Menschen, Geschichten kennen, erkunde mehr und mehr die wunderschöne Natur von Uganda, reise zu Orten, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie existieren, erfahre immer mehr über die Kultur, Tradition und Sprache. Da fällt es mir nicht leicht, mich einmal hinzusetzten, meinen Laptop aufzuklappen und trotz großer Bemühungen und Motivation doch nur ein Bruchstück, ein klitzekleines bisschen meines neuen Erfahrungsschatzes weiterzuvermitteln.
Bei meinem letzten Blogeintrag (die Weihnachtsgrüße außer Betracht gelassen) ging es zum Teil um die Vorbereitungen des Papstbesuches. Mittlerweile liegt dieser schon über drei Monate zurück. Meine Erlebnisse zum Papstbesuch waren zwiegespalten. Die Hinreise nach Kololo, dem Ort, an welchem der Papst ein Treffen mit den Kindern und Jugendlichen Ugandas hatte, war geprägt von viel … Angst. Ja Angst. Angst davor, zum ersten Mal alleine und zum ersten Mal mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu einem mir vollkommen fremden Ort in der Hauptstadt Ugandas zu fahren. Angst davor, nicht anzukommen. Angst davor, zu spät zu kommen. Angst davor, in der Masse von Menschen, die an einem der vielen Auftritte des Papstes eilnehmen wollten, unterzugehen. Zur Erklärung muss ich hinzufügen, dass sich die Hinreise nach Kololo kurzfristig geändert hat und ich somit auf mich allein gestellt war. Die Angst vor und während der Reise hat mich im Nachhinein sehr gestärkt. Mittlerweile finde ich es nicht mehr „schlimm“ alleine zu reisen und Orte zu entdecken, die mir sonst entgangen wären. Es wurde mir ein weiteres Mal bewiesen, dass die meisten Ugander extremst hilfsbereite und freundliche Menschen sind, die einen in einer schwierigen Situation nicht allein lassen.
Mit einigen Umwegen (Bspw. war ich ungewollt noch zu einem anderen Veranstaltungsort des Papstes gelangt, Namugongo, an welchem auch die Basilika zu Gedenken der Märtyrer steht) und mit der Hilfe eines angehenden Priesters habe ich es letztendlich tatsächlich noch geschafft, eine Stunde zu früh in Kololo einzutreffen. Obwohl ich keine Eintrittskarte oder den extra vorher angefertigten Ausweis bei mir hatte, kam ich mit meinem „Weißen-Bonus“ an der Hand des angehenden Priesters an der Schlange und der Security ohne jegliches Abchecken vorbei (Überschätzt niemals die ugandischen Sicherheitsvorkehrungen!). Vor Ort war die Stimmung ausgelassen und ich konnte mir sogar noch einen Platz in der ersten Reihe auf der Tribüne in der Nähe von zwei anderen deutschen Freiwilligen aus Kitovu ergattern. Es wurde gesungen, gejubelt, getanzt und jede Menge Fotos gemacht. Nicht zu vergessen: das Schwenken der „Papst-Fähnchen“ im Takt der Musik. Richtig Action kam in die Menge, als der Papst auf das Gelände kam und ein, zwei Runden durch die Menge fuhr. Auf dem Hauptplatz in der Mitte, auf welchem nur Stehplätze waren, begann nun ein Massenlauf von links nach rechts, nach links, nach rechts, je nachdem, wo nun der Papst gerade langfuhr. Ein von der Tribüne aus zu betrachtendes, witziges Spektakel. Ein anderer Vorteil der Tribüne war, dass der Papst genau vor mir entlang fuhr. Also hatte ich eine perfekte Sicht. Etwas ernüchternd war das darauf folgende Programm, bei welchem es zwei Reden gab, mit einer abschließenden Rede des Papstes. Die vorher aufgewühlte, erhitzte Atmosphäre (Die Sonne knallte unerbittlich auf den schattenfreien Platz!) wechselte zu einer ruhigen fast schon ermüdeten Stimmung. Nach der Rede des Papstes, von der ich zugegebener Weise nicht viel behalten habe, löste sich die Veranstaltung überraschend schnell auf. Jeder wollte nun dem Verkehrschaos entfliehen und schnellstmöglich nach Hause fahren. Mein Schicksal leider nicht mit eingeschlossen. Die Entscheidung, einen Bus nach Masaka zu nehmen, stellte sich als ziemlich dumm heraus, denn der Bus wurde nur sehr langsam voller. Das Matatu (großes Taxi/Kleinbus), welches ich dann stattdessen nahm, war leider auch nicht viel besser. Letztendlich kam ich dann aber doch noch heil von einem ereignisreichen Tag wieder in Masaka an. So viel zum Papstbesuch.
Ich konnte es kaum glauben, doch plötzlich stand Weihnachten vor der Tür. Weihnachten. Ich verbinde Weihnachten mit Winter, Schnee, Glühwein, Weihnachtsmarkt, Weihnachtsbäumen, Plätzchen, dem Geruch von Zimt und Spekulatius, durch Heizungen aufgewärmte Häuser, gebrannten Mandeln, Adventskalender, Wichteln, überall das Leuchten und Blinken der Lichterketten, weihnachtliche Musik und dem hektischen Treiben der letzten Tage vor Weihnachten, an welchen jeder noch die letzten Geschenke besorgt. Auch wenn es keinen Schnee gab und es erst recht nicht kalt war und auch die Bäume und Pflanzen noch alle Blätter und Blüten hatten, gelang es mir trotzdem, wenn auch erst zögerlich, ein gewisses anderes, neues Weihnachtsgefühl zu verspüren. Tatsächlich gelang es mir an Sankt Nikolaus, den Weihnachtsmarkt der deutschen Residenz in Kampala zu besuchen und dort sogar einen Glühwein zu trinken und Spekulatius zu essen. Erst erntete ich nur einen Blick der soviel aussagte wie „ist sie verrückt geworden?“, als ich unserer Köchin vorschlug, Erdnüsse mit Zucker zuzubereiten. Aber letztendlich fand auch sie die gebrannten Erdnüsse einfach nur köstlich! Selbst Weihnachtsplätzchen konnte ich mit anderen deutschen Freunden in Kitovu backen und letztendlich durfte ich sogar den Anblick eines kleinen, aber sehr sehr feinen Weihnachtsbaums genießen. Selbst die Deko aus Deutschland war rechtzeitlich eingetroffen! In die Hektik des Geschenke Besorgens kam ich erst eine Stunde vor der Bescherung, vermutlich lag das daran, dass ich nur zwei Geschenke besorgen musste. Erstaunlicherweise ist es hier nicht üblich, Freunden und Familienmitgliedern ein Geschenk zu machen. Glück für mich? 😀 Alles in allem war es also ein sehr schönes, warmes, sogar von deutscher Weihnachtsmusik geprägtes, essensreiches Weihnachtsfest mitten in Masaka town!
War ich an Weihnachten noch dem Village, Buyamba, entflohen, was mir einige merkwürdige Blicke der Dorfbewohner einbrachte, entschied ich mich Silvester dazu, dieses nun in Buyamba zu feiern. Ein Fehler! Natürlich war ich nicht so naiv gewesen, ein großes Feuerwerk oder Sekt oder auch nur Wunderkerzen zu erwarten, doch trotzdem bin ich davon ausgegangen, dass auch hier das neue Jahr ordentlich begrüßt und gefeiert wird. Fehlanzeige. 30 Minuten nach 0 Uhr lag ich bereits in meinem Bett. Ca eine halbe Stunde vorher, niemand weiß das so genau, da die Kirchenuhr nicht ganz richtig läuft, haben wir noch den Segen als Abschluss einer dreistündigen Messe erhalten, und das war´s. Zugegeben: Ich war enttäuscht. Ich hatte eine Function erwartet, mit viel Musik und Tanz. Meiner Meinung nach ein plausibler Grund, kurzerhand Silvester eine Woche später in Kampala mit einer richtigen Pizza zu feiern! :p
Kaum von der kurzen Reise nach Kampala wieder ausgeruht, ging es auch schon nach Nairobi, in die Hauptstadt Kenias. Dort hatte ich ein einwöchiges Zwischenseminar mit anderen Freiwilligen, welche allerdings alle ihren Freiwilligendienst in Kenia absolvieren. Untergebracht in einem Gästehaus bei Ordensschwestern, mit einer großen wunderschönen Parkanlage, freiem W-lan, heißem Wasser in den Duschen, köstlichem, abwechslungsreichem Essen (sogar mit Salat und Gemüse!!!), einer Menge Teepausen und einer deutschsprachigen Umgebung, hab ich mich tatsächlich gefühlt wie im Urlaub. Die angenehme Atmosphäre durch die anderen Freiwilligen und unseren lockeren Seminarleitern ließ auch meine vorherige Sorge, keinen Anschluss zu den „Kenianern“ zu finden, schnell verschwinden. Durch das Seminar habe ich mal wieder total nette, freundliche und aufgeschlossene Menschen kennengelernt, die ich vielleicht (zum Glück habe ich rechtzeitig herausgefunden, dass ich kein extra Visum brauche und somit viel Geld sparen kann) auch mal in Kenia besuchen werde.
Gerade wieder in Buyamba angekommen und bei dem Versuch, mein Zimmer nun mal endlich gründlich aufzuräumen kläglich gescheitert, musste ich feststellen, dass der Besuch aus Deutschland schon anstand. Banange (Oh mein Gott)! MEINE! Eltern in Uganda. Ja, das kann ja was werden 😀 Die etlichen Gedanken vor ihrer Ankunft, wie ihnen wohl Uganda gefallen würde, wie sie sich zurecht finden würden und was sie zur Kultur, den Menschen und der Umgebung sagen würden, waren völlig unbegründet. Alles in allem, denke ich, hat es ihnen schon sehr gut hier gefallen. Natürlich mussten sie sich an vieles erst mal gewöhnen (Das Schlafen unter einem Moskitonetzt erwies sich doch nicht als so einfach), aber trotzdem konnten sie viele neue und auch schöne Eindrücke gewinnen. Als dann auch noch meine zwei jüngeren Brüder dazu kamen (die Ältesten sind wohl immer die ängstlicheren :D), war die verrückte Familie Ortmanns fast vollständig, was dem ein oder anderen Ugander wohl die ein oder andere Nervenzelle gekostet haben muss. Natürlich war klar, dass ich zu Beginn der viertägigen Safari mit meiner Familie zum ersten Mal richtig krank werden musste. Paratyphus und Malaria wollten mich halt auch mal willkommen heißen. Nun ja, wer kann schon behaupten, jemals neben einem Nashorn in Ohnmacht gefallen zu sein? Wohl nicht jeder. Zur Beruhigung kann ich euch aber mitteilen, dass ich mittlerweile wieder gesund bin und es mir soweit sehr gut geht. Zum Abschluss des Besuchs meiner Familie und auch, um den Unruhen vor den Wahlen zu entgehen, entspannten wir die letzten drei Tage auf den Ssese Islands. Von dort aus nahmen wir allen Mut auf uns und trotzten der ugandischen Einhaltung von Zeitplänen und machten uns mit der Fähre direkt Richtung Entebbe/Flughafen auf. No risk no fun. Letztendlich haben wir es tatsächlich pünktlich zum Flughafen geschafft, wo es eine recht schnelle Verabschiedung gab. (Lag das nun wirklich nur an der Einhaltung des Zeitplans oder waren zwei Wochen mit mir erst mal genug?!) und einer für mich nachfolgenden langen Taxifahrt zurück nach Buyamba. Dort musste ich nun feststellen, dass 14 Tafeln Schokolade und viele andere deutsche Köstlichkeiten allein doch nicht zu bewältigen waren, weshalb ich noch für viele glückliche Gesichter im Parish sorgen konnte, welche den Besuch meiner Familie wohl auch sehr genossen haben.
Weniger genossen wurde jedoch der darauf folgende Tag, an welchem die Wahlen in Uganda stattgefunden haben. Zwar kam es zu weniger Ausschreitungen, als vorher angenommen wurde, trotzdem überschatteten die Verhaftungen des stärksten Gegenkandidaten Musevenis und der extremen Verspätungen der Öffnung einiger Wahllokale, sowie der Sperre von den gängigen sozialen Netzwerken wie Whats App, Twitter und Facebook die Wahlen negativ. Wie auch nicht anders zu erwarten, gewann nun letztendlich wieder Museveni, welcher nun über 30 Jahre in seinem Amt als Präsident von Uganda tätig ist. Gefeiert wurde besonders in den größeren Städten relativ wenig, in meinem Dorf allerdings, war die Mehrheit zufrieden, was für mich bedeutete, dass ich dort gut aufgehoben war.
Das Ende der Wahlen bedeutet allerdings auch der Beginn der Schule und für mich auch wieder Arbeit! Nach gut drei Monaten Ferien trödeln nun immer mehr Schüler bei den Schulen ein. Meine erste Unterrichtsstunde in St. Francis mit meiner neuen 5. Klasse habe ich bereits erfolgreich hinter mich gebracht. Und mir ist aufgefallen, wie sehr mir die Schüler tatsächlich gefehlt haben und wie schön es doch wirklich sein kann, zu unterrichten und den Schülern mit dieser komischen, fremden, deutschen Sprache ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Weiterhin werde ich mittwochs und donnerstags in St. Francis und samstags in Sterac arbeiten. Montags und dienstags habe ich mich nun allerdings entschlossen, nicht mehr bei St. Cecilia zu arbeiten sondern, so ist zumindest der neue Plan, in Masaka zu arbeiten – bspw. dort in einem Kindergarten oder einzelnen Projekten von CWM. Ich bin gespannt, wie das nun tatsächlich klappen wird.
Zum Schulstart habe ich mir überlegt, nicht mehr nur noch zu versuchen, die deutsche Sprache zu lehren und zu vermitteln, sondern auch Fakten über Deutschland, unsere Kultur, unser Essen und Traditionen weiterzugeben. Dazu habe ich mir gedacht, wäre es schön, einen Kontakt zwischen meinen Schülern aus Buyamba zu Freunden, Bekannten und Interessierten aus Deutschland entstehen zu lassen. Konkreter: Ich würde gerne eine Art Brieffreundschaft zwischen den Kindern von zumindest einer meiner Klassen und EUCH auf die Beine stellen. Und zwar fände ich es klasse, wenn die Kinder Briefe schreiben würden, in denen sie etwas über sich und ihr Leben in Uganda schreiben oder auch malen würden, ein Foto von sich dazulegen würden und ihren ersten Brief dann bis nach Deutschland schicken könnten. Und dort wäre Eure Unterstützung gefragt! Würdet Ihr einen solchen Brief beantworten? Etwas über euch preisgeben und vielleicht auch noch ein Bild von Euch hinzufügen (perfekt natürlich, wenn das Ganze auf Englisch geschehen würde)? Wenn ja, dann gebt mir doch bitte bis zum 25.03 per E-Mail (TabeaOrtmanns@web.de) oder als Kommentar hier oder auf Facebook oder Whats App oder auch einfach bei meiner Mutter Bescheid. Die Sammelstelle der Briefe wäre bei meiner Mutter, welche die Briefe aus Uganda an Euch und von Euch nach Uganda schicken würde. Über Eure Unterstützung würden sich natürlich besonders „meine“ Kinder in Buyamba sehr freuen!!! Und ich natürlich auch !!! Somit im Voraus schon mal ein ganz großes Dankeschön an all diejenigen, die dabei mitmachen würden. Gerne könnt Ihr auch Freunde, welche diesen Blog nicht lesen, aber trotzdem interessiert an einer solchen Brieffreundschaft wären, begeistern! (Nur als Randnotiz: Vergesst nicht, dass zu jeder Klasse um den Dreh 80 Kinder gehören. Also: Scheut euch nicht Euer Interesse an einer Euch neuen Kultur zu zeigen!)
Nach einem nun doch etwas lang geratenen Beitrag zu meinen Erfahrungen hier in Uganda, wünsche ich Euch wunderschöne, weiße, erholsame Tage aus einem angenehm warmen und sonnigen Plätzchen in meinem Lieblingsrestaurant in Masaka, in welchem ich nun noch einen letzten super leckeren Schoko-Bananen-Milkshake genießen werde, gefolgt von einer hoffentlich mehr oder weniger entspannten „Taxi“-Fahrt zurück zu meinem Dorf, in welchem meine schmutzige Wäsche sich schon freut, von mir gewaschen zu werden. In diesem Sinne: Genießt Eure Zeit und jeden Moment, welchen sie Euch schenkt!
Mit sommerlichen Grüßen,
Tabea