Viel Singen und Tanzen und Glücklichsein – mein Arbeitsplatz

23. Okt 2015 | von | Kategorie: Freiwillige 2015/16, Johanna Saalfrank auf den Philippinen

„We are the world, we are the children! We are the ones who make a brighter day, so lets start giving!“ – Michael Jackson & Lionel Richie

Ein paar Mädchen aus Pasay mit mir - ein bisschen "Wagi" (Spaß) zwischendurch

Ein paar Mädchen aus Pasay mit mir - ein bisschen "Waki-Waki" (Spaß) zwischendurch

Dieser Moment, wenn dir Kinder lachend, mit geöffneten Armen, entgegenlaufen um dich zu begrüßen. Dieser Moment, wenn sich eine kleine, weiche Kinderhand in deine schiebt, um dir zu zeigen, wohin es als nächstes gehen soll. Oder wenn sie vor dir stehen und dir, ein bisschen schüchtern aber nicht minder stolz, ihr Lieblingslied präsentieren.
Das sind nur drei kleine Eindrücke von unzähligen schönen, aber auch einigen nicht ganz so einfachen, die während meiner Arbeit mein Herz berühren. Und darum wird es in diesem Eintrag gehen: Ich werde endlich etwas über meine Tun hier erzählen.
Doch im Voraus, stelle ich nochmal ganz kurz mein Projekt vor:
Tuluyan San Benito – „Tuluyan“ kann mit „Obdach“ übersetzt werden und „San Benito“ bezeichnet den Orden der Benediktiner, zu dem sich auch die Schwestern hier zählen.
Es ist ein sogenannter „Drop-In-Shelter“, in dem zum Einen Familien für ungefähr 4 Monate leben, schlafen, kochen und essen können. Diesen Familien wird dann „Hilfe zur Selbsthilfe“ geboten. Es finden Seminare statt, in denen die Eltern unter anderem lernen, wie man richtig wirtschaftet.Des Weiteren geben die Schwestern auch „Minikredite“als Starthilfe und unterstützen Familien im Aufbau dieser kleinen Gewerbe.
Gina, die jetzt mit kleinen Köstlichkeiten ihr Geld verdient

Gina, die jetzt mit kleinen Köstlichkeiten ihr Geld verdient

Außerdem können Menschen, die auf der Straße leben, in den Shelter kommen, um sich zu duschen, zu kochen, ihre Kleider zu waschen oder sich einfach für ein paar Stunden Schlafen zu legen.
Blick in den Hof des Tuluyans - Gina wohnt auch hier

Blick in den Hof des Tuluyans - Gina wohnt auch hier

Neben den Angeboten für die Familien, bauen wir vier Mitarbeiter im Moment ein Programm für Straßenkinder wieder auf. Ich habe vor ein paar Wochen mitbekommen, dass sich wohl im August der komplette Mitarbeiterstamm geändert hat und wir somit alle „Neu“ sind. Es gab zwar davor schon ein festes Programm für Kinder in der Umgebung, jedoch kannte keiner von uns die Kleinen, geschweigenden wussten wir, wo wir anfangen sollten und was wir planen sollten. Schwester Cecille, meine Chefin, erzählte uns dann ein bisschen von den Aktivitäten, die in der Vergangenheit angeboten wurden, ermutigte uns aber auch eigene Sachen zu starten. Vor mir steht also eine wunderbare und auch ziemlich große Chance das Kinderprogramm von Grund auf mitzugestalten und zu planen. In meinem Kopf sind schon so viele verschiedene Ideen und ich freu mich riesig über diese Möglichkeit. Wenn ihr, meine Leser, auch jetzt einen kleinen Geistesblitz habt, dann lasst mich das gerne wissen!
Aber nun zuruck zu unserem Programm: Wir bieten zunächst zwei verschiedene Aktivitäten für die Straßenkinder an: „Saturday School“ und „Mobil Library“.
Saturday School – Samstagsschule:
Jeden Samstag laden wir die Kinder aus der Umgebung in den Shelter ein, wo wie sie nach einer Begrüßung, einem kleinen medizinischen Check und der philippinischen Nationalhymne in zwei „Jahrgänge“ aufteilen. Die 6 – 9 Jährigen, für die auch ich mit zuständig bin, und die 10-13 Jährigen. Anschließend unterrichten wir die Kinder altersgemäß, singen, spielen, tanzen und zeichnen mit ihnen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen, verabschieden wir uns und die Kinder gehen zurück zu ihren Familien.
Die Kinder der SaturdaySchool - noch in Reih und Glied

Die Kinder der SaturdaySchool - noch in Reih und Glied

Die erste SaturdaySchool vor 2 Wochen - es kommen immer mehr Kinder

Die erste SaturdaySchool vor 2 Wochen - es kommen immer mehr Kinder

So steht zumindest der Plan. Und es wäre viel zu einfach und ehrlichgesagt auch etwas langweilig, wenn das so einfach funktionieren würde. Es sind Kinder, die es genießen, viel Platz zum rumtoben und fangenspielen haben. Und somit brauchen wir ganz schön viel Energie und etwas Liebe um diese Powerkids zu bändigen. Aber all die aufgewendete Kraft bekommt man irgendwie sofort wieder zurück:
Als ich heute Nachmittag auf dem Nachhauseweg war, rennen mir zwei strahlende Mädchen entgegen und bedanken sich aus vollstem Herzen für den schönen Vormittag. Eine Kreuzung weiter, treffe ich ein weiteres Mädchen, das den Gehweg kehrt. Sie drückt sich an mich und erklärt mir, warum sie leider nicht kommen konnte. Und sie fängt an, ganz selbstverständlich zu erzählen. Hier muss ich kurz erwähnen, dass mein Tagalog noch sehr, sehr ausbaufähig ist, ich aber jeden Tag mehr verstehe. Und das merken die kleinen Geschöpfe. Und sie erzählt. Sie erzählt mir also von ihrem Vormittag und fragt mich wohin ich denn gehe. Ich nehme mir etwas Zeit um ihr zuzuhören und ich merke, wie sehr sie es genießt, dass sich jemand neben sie setzt und ihr einfach zuhört. Auch wenn ich nicht jedes einzelne Wort verstanden habe, sehe ich ein leuchten in ihren Augen, dass mein Herz zum strahlen bringt.
Da leider viele Kinder keine Transportmöglichkeit zum Shelter haben und somit nicht an dem Samstagsprogramm teilnehmen, gibt es unsere
Mobil Library – „Mobile Bibliothek“:
Hierbei fahren wir in die verschiedenen Gebiete und singen, spielen, malen, basteln und tanzen vor Ort mit den Kids. Neben dem Platzproblem in manchen Gebieten, stehen hier Kinder allen Alters vor uns und wir probieren ein Programm anzubieten, mit dem jedes Kind etwas anfangen kann. Nach unserem Entertainment und ein paar Kinderlieder später, bekommt jeder ein warmes Mittagessen, bevor wir uns auch von diesen Kids verabschieden.
Forbereitung zum Mobil Library - sehr viel FriedRice

Forbereitung zum Mobil Library - sehr viel FriedRice

Ein ziemlich krasser und fordernder Ort, an dem wir mit der Mobil Library sind ist „Pasay Cemetery“. Er liegt im südlichen Manila und die Menschen leben mit den Toten. Als ich den Friedhof zum ersten mal betrat und die Kinder zwischen den Gräbern rennen und toben sah, lief es mir eiskalt den Rücken runter, aber gleichzeitig wurde mir warm ums Herz. Die kleinen Geschöpfe, die diesen Ort ihr Zuhause nennen, leben unter einfachsten Lebensbedingungen, die man keinem Kind wünscht. Trotzdem sind sie unglaublich reich. Sie haben ein Zusammengehörigkeitsgefühl, wie ich es bis jetzt nur sehr selten erlebt habe. Die Kinder kümmern sich umeinander, als ob sie alle Geschwister wären. Sie teilen Süßigkeiten und Spielzeug und achten steht darauf, dass keiner zu kurz kommt. Und strahlen nebenbei eine riesige Lebensfreude aus, denn es mag komisch klingen, aber auf dem Friedhof hat man mehr Platz zum spielen, als zwischen den kleinen Häusern außen herum.
Konzentration beim Zeichnen - die Kinder lieben das Malen

Konzentration beim Zeichnen - die Kinder lieben das Malen

Ausblick vom Unterrichtsort "Pasay Cemetery" auf Manila

Ausblick vom Unterrichtsort "Pasay Cemetery" auf Manila

An die Lebensfreude, die Liebe zwischen den Kindern und deren Offenherzigkeit gegenüber mir musste ich letzte Woche denken, als wir Michael Jacksons „We are the World, we are the Children“ zur Vorbereitung angehört haben. Die Friedhofskinder sind ein perfektes Beispiel dafür, dass es nicht materielle Dinge sind, die unsere Tage versüßen und unsere Welt um uns herum ein bisschen besser macht, sonder vor allem Nächstenliebe und Respekt voreinander. Denn wir alle, egal welche Nation, welches Alter oder welches Geschlecht, wir sind Kinder dieser Erde und selbst dafür verantwortlich, wie „bright“, wie schön, wir unsere Tage gestalten.
In diesem Sinne, habt einen schönen Tag!
Johanna
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