Mein Auslandsjahr geht zu Ende …

29. Jul 2015 | von | Kategorie: Freiwillige 2014/15, Julia Höschle in Nicaragua

Man glaubt es kaum, wie schnell die Zeit vergeht. Vor fast einem Jahr kam ich in Nicaragua an. Am Anfang hatte ich Schwierigkeiten, mit der Sprache und der Kultur zurechtzukommen, doch ich habe mich schnell an alles gewöhnt und Land und Leute lieb gewonnen. Nun heißt es, Koffer packen und Abschied nehmen. Das geschieht mit einem lachenden und einem weinenden Auge 😉

Das Jahr in Granada /Nicaragua hat mir sehr gut gefallen. Ich konnte viele Erfahrungen sammeln, die mir in meinem Leben hilfreich sein werden. Der Abschied fällt mir sehr schwer, denn ich habe hier eine zweite Familie und Freunde gefunden. Meine Gastfamilie hat mich wie ihr eigenes Kind aufgenommen und behandelt. Ich konnte mich mit allen Sorgen und Nöten an sie wenden, und sie haben mir immer geholfen. Auch die Mädels aus dem Mädchenheim habe ich sehr ins Herz geschlossen. Ich werde sie alle wahnsinnig vermissen. Ich werde auf jeden Fall zurückkommen, um sie zu besuchen.

Leider hat nun meine Gastfamilie ein schwerer Schicksalsschlag getroffen. Vor wenigen Tagen erfuhr meine Gastmama, dass sie an einem Lebertumor erkrankt ist und sich einer Chemotherapie unterziehen muss. Dies bedeutet, dass hohe Behandlungskosten auf sie zukommen werden, denn in Nicaragua gibt es leider keine Krankenversicherung. Sie müssen die Kosten für die Chemotherapie selbst tragen, ansonsten wird die Behandlung nicht durchgeführt. Allein die erste Untersuchung meiner Gastmama hat schon über 5.000 Cordoba gekostet (das sind ungefähr 180 € und entspricht fast einem durchschnittlichem Monatseinkommen). Die Erkrankung bringt meine Gastfamilie in große finanzielle Schwierigkeiten, zumal auch noch die Kosten für das Studium und das Schulgeld für die beiden Töchter aufzubringen sind. Die Chemotherapie wird 7000 $ kosten, so viel Geld haben sie nicht.

Doch trotz all dem Abschiedsschmerz freue ich mich auch auf Deutschland. Endlich sehe ich meine Familie und Freunde wieder. Noch nie war ich so lange von Zuhause weg. Es ist ein komisches Gefühl, nach so einer langen Zeit wieder heimzukehren. Was sich wohl alles verändert hat? Auf das deutsche Essen freue ich mich jedenfalls schon sehr: ein Rumpsteak oder die Dampfnudeln von meiner Oma, das habe ich hier doch vermisst.  😀

In den letzten Wochen hier gab es nochmals viel zu tun, aber ich habe die Zeit trotz allem genießen können: Ende Juni fand im Mädchenheim noch einmal „Bingo“ statt. Bei dem Fest werden Essen und Trinken zum Verkauf angeboten. Hierfür mussten wir vorher viel Obst und Gemüse schnippeln. Außerdem musste alles vorbereitet werden: Es wurde aufgeräumt, geputzt und Stühle und Tische aufgestellt. Meine Aufgabe war es wieder, zusammen mit einem Mädchen aus dem Heim Softdrinks und Wasser zu verkaufen. Für das Mädchenheim ist diese Veranstaltung eine wichtige Einnahmequelle. In diesem Jahr konnten wir einen Erlös von etwa 1400 € erzielen, das ist sehr viel Geld.

Bingo-Vorbereitungen

Bingo-Vorbereitungen

Anfang Juli hatte ich dann noch einmal eine Woche Urlaub, denn die Kids hatten Halbjahresferien und durften heim zu ihren Familien. Ich reiste mit einer anderen Freiwilligen aus Deutschland an der Pazifikküste entlang. Wir waren in Chinandega, Léon und San Juan del Sur. Ich wollte noch einmal den tollen Strand hier genießen, bevor ich nach Deutschland fliege.

Im letzten Monat gab es Tage, an denen es richtig geschüttet hat. Dann sieht man fast niemanden auf der Straße. Auch die Mädels gehen dann nicht zur Schule, denn meistens kommen die Lehrer sowieso nicht. Für deutsche Vorstellungen einfach unglaublich! Leider fällt hier (in den öffentlichen Schulen) sehr oft Unterricht aus, z.B. an jedem letzten Freitag im Monat, weil dann eine Lehrerbesprechung stattfindet.

An einem schulfreien Tag fuhren wir mit den Mädels an einen Pool, worüber sie sich sehr freuten. Eine solche Gelegenheit haben sie nur ganz selten. Einigen von ihnen brachte ich die Grundzüge des Schwimmens bei. Es war ein sehr lustiger Tag 🙂

In jüngster Zeit fällt es mir schwer ins Mädchenheim zu gehen, da alle (die Mädels, Mitarbeiterinnen und meine Chefin) mehrmals am Tag sagen, dass ich hierbleiben soll. Andererseits freut es mich auch, dass ich eine Hilfe sein konnte.

Nun kann ich schon die Stunden zählen.

So, das war`s vorerst mit meinem Blog. Ich hoffe, dass ich Ihnen einen Eindruck von meinen Erlebnissen hier und dem Land Nicaragua geben konnte.

Viele Grüße (letztmals aus Nicaragua)

Julia

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