Südafrika und ich

Mein letzter Eintrag ist mal wieder eine Weile her (sorry), und daher ist es mal wieder Zeit für was ein paar neue Nachrichten.

Einige mögen es in der Zeitung gelesen haben oder es im Fernseher gesehenhaben, andere vielleicht auch nicht, aber im April wurde Südafrika von fremdenfeindlichen Ausschreitungen erschüttert. Da das Projekt ja eine Flüchtlingsschule ist, sind diese Ausschreitungen leider auch nicht einfach so an uns vorbei geflogen. Zu Beginn kamen nur einige Kinder aus Angst nicht zur Schule. Für uns war die zweite Woche der Ausschreitungen am schlimmsten. Irgendwoher haben wir erfahren, dass Ausschreitungen auch in den Stadtteilen geplant waren, in denen unsere Kinder wohnen. Da wir an dem Tag Elternsprechtag hatten und es der letzte Schultag des Terms war, konnten wir die Schule auch nicht einfach absagen. Das Sacred Heart College musste daher eine private Sicherheitsfirma anheuern, um die Bushaltestellen, wo wir die Kinder abholen, zu bewachen. Die Eltern durften mit im Bus fahren. Am Ende ist nichts passiert, und es gab keine wirklichen Ausschreitungen in den Vierteln, wahrscheinlich weil dort eigentlich nur Immigranten und Flüchtlinge leben und man sich nicht getraut hat. Erst jetzt wo ich diesen Bericht schreibe, merke ich, wie dramatisch das alles klingt. Auch die Sicherheitsvorkehrungen auf dem Schulgelände wurde verstärkt, und im äußerstem Notfall hätten wir die Sacred Heart College Turnhalle in ein kurzfristiges Camp umwandeln können, aber damit haben wir wirklich nicht gerechnet.

Ich persönlich finde diese Ausschreitungen einfach nur traurig und habe überhaupt kein Verständnis dafür. Ich finde es ehrlich gesagt auch einfach nur dumm. Jeder, der nur halbwegs vernünftig gebildet ist, realisiert, dass die Flüchtlinge eine essentielle Säule der südafrikanischen Wirtschaft bilden, und es ohne sie ganz schnell Berg ab gehen würde. Leider hat das Bildungssystem hier seine Schwächen und nicht alle erhalten das Privileg einer guten Bildung. Ich finde es ist auch sehr traurig für unsere Kinder, denn sie haben es auch schon ohne Xenophobia schwer genug.

Wir hatten dann Osterferien, sodass die Kinder zuhause bleiben konnten, bis sich die Lage wieder beruhigt hatte.

Angefangen hatten die Ausschreitungen, nachdem der Zulu-König (die Zulus sind eine der ethnischen Gruppen in Südafrika) einen fremdenfeindlichen Kommentar in einer öffentlichen Rede gebracht hatte. Immigranten wurden dazu aufgefordert, zurück in ihr Land zu gehen und es aufzubauen, anstatt Jobs im von Südafrikanern mit Blut und Schweiß geschaffenen Land zu stehlen.

Leider wurden während den Ausschreitungen einige Menschen umgebracht und die Politik hat erschreckend wenig Reaktion gezeigt. Auch international, besonders in Afrika, war die Empörung groß und einige der Länder, aus denen die Flüchtlinge stammten, drohten ähnliches mit Süadafrikanern in ihrem Land zu machen. Die Ausschreitungen ebbten dann ab, nach dem der Zulu-König seinen Kommentar revidierte und alle Zulus dazu aufforderte, Fremde zu beschützen.

Im April bekam ich dann auch Besuch von meiner Familie. Die durften dann das Projekt bewundern und wir sind zusammen nochmal nach Kapstadt und in den Krügerpark gefahren.

Während der Osterferien bin ich mit der anderen Freiwilligen, sowie der Tochter der Projektleiterin und einem der Maristen-Brüder nach Durban gefahren, um einige seiner Projekte in KwaZulu-Natal anzusehen. Durban an sich ist eine wunderschöne Stadt und nochmal ganz anders als Kapstadt und Johannesburg. Vor allem das Klima ist anders. Obwohl wir schon im Herbst dort waren, war es extrem warm und schön. Ich glaube nicht, dass ich den Sommer dort lange überleben könnte.

Zunächst haben wir eine Mission nicht allzu weit von Durban besichtigt. Ich muss sagen, selten war ich so beeindruckt. Die Mission finanziert sich komplett selber durch die Herstellung von eigenen Backwaren, Nudeln, Jogurt und Paprika, die an Supermärkte verkauft werden, Avocados und auch sonst eigentlich jedem anderen landwirtschaftlichen Produkt, das man sich vorstellen kann. Aber vor allem hat die Mission ihre eigene Getränke-Marke, die in ganz Südafrika verkauft wird. Auch ich hatte schon oft Getränke von der Marke getrunken, ohne zu wissen, wo sie herkommt. Außerdem baut die Mission ihre eigenen Häuser, hat eine eigene Schule und „Universität“ und wenn man dort lebt und arbeitet, bekommt man den Lebensunterhalt kostenlos. Des weiteren hat die Mission ihr eigenes Radio, welches jeden Tag eine Stunde auf deutsch für die deutschen Einwanderer in KwaZulu-Natal sendet. Und da wir schon da waren, wurden wir für’s Radio interviewet. Würde ich da leben wollen? Nein. Obwohl ich extrem beeindruckt bin, muss ich sagen, dass die Mission sehr konservativ ist und einen so behütetes Leben stelle ich mir auf Dauer langweilig vor.

Anschließend sind wir in den Norden von KwaZulu-Natal gefahren und haben südlich von der Grenze zu Mozambique das Projekt des Bruders angeschaut. Sein Projekt unterstützt Familien in den ländlichen Gebieten mit Essen, Baumaterialien & Hilfe beim Bauen von Häusern und Unterstützung mit Papieren, wie Ausweißen, Geburtsurkunden usw. Wir haben dann einige der Familien besucht und auch den größten See Südafrikas gesehen. Die Familien leben dort leider oft so, wie man es sich im Klischee über Afrika vorstellt. Es war noch einmal ganz anders als in Johannesburg. In einer Stadt hat man Zugang zu einer ausgebauten Infrastruktur, man hat also Wasser, Strom (mehr oder weniger) und einfacheren Zugang zu Schulen, Medizin und dem Arbeitsmarkt.

In unserem Büro ist während den Ferien eine Leitung geplatzt und hat ein schönes Loch in die Decke gerissen. Der Teppichboden ist anscheinend auch hinüber, genauso wie (zum Glück nur) ein Bildschirm. Das Dach wirkte auch nicht mehr endlos stabil, jetzt wird also das Büro renoviert. Wir mussten in der Zwischenzeit in den Büchereicontainer umziehen. Je nachdem, wen man fragt, dauern die Reparaturen eine Woche, drei Wochen, einen Monat oder den Rest des Terms. Fakt ist, dass es bis jetzt noch nicht fertig ist.

Seit Anfang Mai bin ich jetzt wieder der einzige Freiwillige im Projekt, da die andere Freiwillige zurück in Deutschland ist.

Inzwischen habe ich auch angefangen „wieder“ Ipad-Unterricht zugeben. Nach einigen Schwierigkeiten mit den Ipads sind wir endlich in der Lage, die Lernsoftware „Khan Academy“ zu benutzen. Die Software gibt den Kindern Matheaufgaben und analysiert dann, wo das Kind oder auch die ganze Klasse noch Schwierigkeiten hat. Dann gibt es dem Kind Übungen zu diesen Schwierigkeiten. Auch Erklärungen und Videos sind dabei. Am Ende können wir dann sehen, womit ein Kind oder auch die ganze Klasse Schwierigkeiten hat und können darauf einen Fokus legen. Leider habe ich nur 30 Minuten für jede Klasse pro Woche, und es hat erst einmal ein bisschen gedauert, bis die Kinder sich alle einloggen konnten und wussten wie die Aufgaben funktionieren. Die meisten Klassen sind inzwischen in der Lage, die Khan Academy zu benutzen, aber noch nicht alle.

Inzwischen ist es Winter in dem hochliegenden Johannesburg, und der Container ist nicht wirklich isoliert. Zunächst habe ich mich direkt wie in Deutschland gefühlt, aber dann musste ich doch feststellen, dass ich das kalte Wetter dort nicht wirklich vermisse.

Des weiteren habe ich noch mit der anderen Freiwilligen ein Video über das Projekt gedreht, welches wir für Crowdfunding benutzen wollten. Das Video ist fertig und die Crowdfunding-Website ist auch in ihren finalen Schritten und wird bald unter www.youcaring.com/three2six verfügbar sein.

Three2Six – Link zum Video

Hier noch ein paar mehr Bilder (die die ich oben verwendet habe & mehr) inkl. Braamfontein, Pretoria, Besuch einer Kinderkrippe in KZN und Platter Reifen