Halbzeit

24. Mrz 2015 | von | Kategorie: Freiwillige 2014/15, Jonas Casper in Südafrika

Mal wieder gibt es nur leicht verspätet Neues aus dem Süden Afrikas, inklusive, aber nicht limitiert zu Neuigkeiten aus dem Süden Südafrikas, womit ich Kapstadt meine.

Da es einfach zu viele Bilder waren, habe ich nur wenige in den Text eingefügt. Der Rest befindet sich unten. Außerdem kann ich aus Sicherheitsgründen keine Gesichter der Kinder veröffentlichen, weshalb ich teilweise Bilder bearbeitet habe.

Mehr als die Hälfte meines Jahres ist inzwischen (leider) schon um, aber ich hab die andere Hälfte ja noch vor mir. Wegen des vergangenen Urlaubs könnte der inflationäre Gebrauch von Fotos in diesem Eintrag vorkommen. Denn seit meinem letzten Eintrag war ich im Krüger National Park und in Kapstadt.

Krüger National Park:

Bevor wir in den National Park selber gefahren sind, waren wir zunächst in Graskop und haben, bzw. wollten den Blyde River Canyon angucken. Leider begannen sich gerade an dem Tag, an dem wir kamen, die Wolken auszugießen und ein doch recht dichter Nebel zog auf. Wir haben trotzdem ein paar der Wasserfälle sehen können.
Als wir dann in den Krüger Park gefahren sind, hatten wir das Glück, direkt in der ersten Stunde im Park Löwen zusehen. Das wäre zumindest so gewesen, hätte nicht ein riesiger Auflauf von Autos die Chance, eine gute Sicht zu bekommen versperrt. Und hätten die Löwen sich nicht hinter ein paar Büschen versteckt, hätte es wahrscheinlich auch geholfen. Aber ab und zu konnten wir mal einen Kopf raus ragen sehen. Bevor wir das erste Camp erreicht hatten, haben wir außerdem auch noch Impalas, Elefanten und Büffel gesehen. Insgesamt haben wir fast alle der „Großen Fünf“ (Elefant, Löwe, Nashorn, Büffel und Leopard) gesehen, nur Nashörner konnten wir nirgendswo auffinden. Besonders mit den Leoparden haben wir extrem viel Glück gehabt, da die extrem selten sind. Leider waren die zu weit weg, um ein gutes Bild zu bekommen. Neben den großen 5 haben wir aber auch Impalas, Kudus, Giraffen, Nilpferde, Krokodile, Affen und Baby Elefanten gesehen. Mein persönliches Highlight war, als eine Hyäne einfach neben unserem Auto herlief. Auch sonst waren den Tieren die Autos eigentlich komplett egal, weshalb man manchmal ziemlich nah rankam.

Kapstadt:

Kapstadt ist im Verhältnis zu Johannesburg ziemlich anders. Um einiges „westlicher“, und wie ich fand, Stadt der Hipster. Übernachtet haben wir in so einigen Hostels, immer die, die zu dem Zeitpunkt nicht ausgebucht waren. Das tolle an den Hostels waren aber die Gäste. So viele Leute von so vielen Orten auf der Welt. So kam es auch, dass wir ein eher unorthodoxes Weihnachten mit ein paar Südamerikanern gefeiert haben, die wir noch am selben Tag getroffen hatten. Oder Silvester mit zwei Norwegern. (Tatsächlich kamen wir auf die Idee, nach 12 den Rest der Nacht an einem Strand zu verbringen. Nach kurzen Verhandlungen mit drei Taxifahrern und ein bisschen Stau haben wir es dann auch an den Strand geschafft, nur um zu sehen, dass alle Bars geschlossen hatten. Also sind wir für kleine Königstiger gegangen und mit dem Taxi zurück gefahren. Teuerster Toilettengang meines Lebens.) Sonst haben wir so ziemlich all die klassischen Touristenaktivitäten gemacht und ein bisschen entspannt. Auch ein paar unangenehmere Zwischenfälle mit den örtlichen Obdachlosen und ein Schießerei mit einer Toten neben unserem Hostel ereigneten sich neben einem doch sehr entspannten Urlaub. Tatsächlich war ich an dem Abend am Fernsehen und habe die Schussgeräusche für Teil des Films missinterpretiert. Ein paar wenige Tage hatten wir dann schönerweise keinen Zugriff auf unsere Kreditkarten mehr und mussten mit dem übrigen Bargeld ein wenig sparen. Bis jetzt kann ich nicht die „Deutsche Effizienz“ bei gewissen Deutschen Banken bezeugen.

Arbeit:

Jetzt wo ich endlich die nötige Zeit und Motivation gefunden habe, diesen Blogeintrag zu Ende zu bringen, ist es bereits März, und im Projekt ist so einiges passiert.

Zunächst hatten wir Registrationsphase. Wir haben also eine komplette neue erste Klasse bekommen, und auch in den anderen Klassen wurde ein wenig durchgewechselt. Inzwischen muss ich sagen, dass die neuen Erstklässler zwar super lieb sind, aber auch um einiges anstrengender als die alten.

Anstrengend war auch die Registrationsphase an sich. Oftmals konnten die Eltern nicht oder nur wenig Englisch, und auch Lesen und Schreiben war leider nicht immer gelernt. Doch der anstrengendere Part bestand darin, dass wir falsche Namen und Geburtsdaten bekommen hatte. Manchmal, um sich mit Doppelbewerbungen einen Platz im Projekt zu sichern, manchmal einfach nur, weil die Eltern es nicht besser wussten. Wenn es denn die Eltern waren, und nicht Tante, Oma oder Schwester. Das Problem ist am Ende nur, wenn wir auf den Zeugnissen andere Namen stehen haben, als auf den Geburtsurkunden und andere Schulen diese dann nicht anerkennen.

Alle Klassen wieder aufzufüllen, hat fast einen Monat gebraucht. Nicht weil es nicht genügend Bewerber gab, die Warteliste ist nach wie vor ziemlich voll, sondern weil wir oftmals auf Kinder gewartet haben, die entweder neu angenommen wurden, aber nie kamen oder seit dem letzten Jahr einfach nicht mehr zurück in die Schule gekommen sind. Hinterher haben wir meistens erfahren, dass entweder eine andere Schule gefunden wurde, was uns natürlich sehr freute, oder ein Umzug stattgefunden hat.

Dann ging der normale Schulalltag wieder los, nur das wir uns zum neuen Jahr von einem Lehrer, unserem Sportlehrer, und unserer Nachhilfelehrerin trennen mussten. Einen richtigen neuen Sport- und/oder Nachhilfelehrer haben wir bis heute noch nicht gefunden.

Sonst verlief eigentlich alles ganz normal, am Anfang des Jahres hatten wir Academic Mass zusammen mit den Schülern des Sacred Heart Colleges und erst kürzlich kamen die 3 bis 6 Klasse zu dem Vergnügen, eine Theateraufführung von „Heidi“ zu sehen.

Auch ein paar Zwischenfälle gab es bis jetzt. Ein Kind ist an einem Abend einfach „verloren“ gegangen. Eine der Erstklässlerinnen ist nämlich einfach mit ihrer Freundin nach Hause gegangen, ohne dass es jemand wusste. Die Eltern besagter Freundin haben natürlich auch nicht Bescheid gegeben. Der Vater des Kindes war aber auch nicht an der Bushaltestelle, um das Kind abzuholen, so kam erst um zehn Uhr abends heraus, dass ein Kind fehlte. Der Vater ging dann zur Polizei und schwärzte das Projekt ein bisschen an. Am nächsten Morgen haben wir dann das Kind gefunden und alles wieder in Ordnung gebracht.
Sonst hatten wir noch einen Jungen, der angefahren wurde. Die Polizei hatte ihn wohl in eines der Krankenhäuser gefahren, doch in welches wusste man auf der Polizeistation nicht. Also haben wir ein paar Krankenhäuser besucht, bis wir den Jungen dann gefunden hatten. Am Ende war es zum Glück nur halb so wild und der Junge konnte am nächsten Tag wieder zur Schule kommen. Bei Ansicht eines der Krankenhäuser muss ich sagen, dass ich echt froh bin, Krankenhausbesuche bis jetzt erfolgreich vermieden zu haben.

Sonst haben die andere Freiwillige und ich im Projekt auch noch unser eigenes kleines Projekt gestartet. Es ist nämlich leider um die finanzielle Zukunft des Projektes momentan leider nicht so rosig bestellt. Daher versuchen wir durch „Crowdfunding“ etwas Spenden zu sammeln. (Crowdfunding ist eine auf dem Internet basierende Art Spenden zu sammeln. Man stellt auf einer Crowdfunding Plattform sein Projekt vor, setzt sich ein Ziel, wie viel man sammeln muss und versucht das Projekt möglichst bekannt zu machen. Die Idee ist, dass dann viele Menschen wenig Geld spenden, und man so viel zusammen bekommt.) Dafür drehen wir momentan ein Video. Das macht ziemlich Spaß, ist aber auch mehr Arbeit als erwartet.
Sonst sind wir im Projekt generell doch immer sehr beschäftigt, es vergeht kaum ein Tag, an dem eine gewisse Hektik ganz zuhause geblieben wäre.
Alles in allem kann ich aber nur sagen, dass es mir super viel Spaß macht und mir bei den Gedanken, wieder zurückzugehen, doch etwas mulmig wird. Leider kommt der jetzt doch öfters hoch, da ich mich so langsam um einen Studienplatz kümmern muss.

Es wäre kein vollwertiger Blogeintrag, wenn ich nicht zumindest eine kriminelle Geschichte dabei wäre. Vor ein paar Wochen wurden wir nämlich fast im Auto ausgeraubt. Eines Abends, es war schon dunkel, standen wir an einer Ampel in einen der nicht so sicheren Teile Johannesburgs. Klug wie wir sind, hatten wir natürlich das Fenster einen Spalt offen und das Handy in der Hand. Also kam ein Typ angerannt, steckte seine Hand durchs Fenster und sagte „Give the phone or I shoot you“ (ohne wirklich eine Waffe zu haben). Doch bekommen hat er das Handy nicht, und seine Kumpanen, die versuchten Türen und Kofferraum zu öffnen, waren eben sowenig erfolgreich, da alles verriegelt war. Also haben die sich auf ihren Weg gemacht und wir auf unseren, und die Sache war erledigt.

Zwischendrin war auch Zwischenseminar in Hermanus. Das Seminar an sich war ganz okay, besonders die Leute und der Ort waren ziemlich nett. Leider war ich aber auf dem Seminar ein bisschen krank und konnte es deshalb nicht wirklich in vollen Zügen genießen. Aber das Essen war gut.

Zuletzt muss ich mich dann doch noch mal für die arge Verspätung entschuldigen. Man könnte fast sagen, ich habe mich zu sehr an die südafrikanische Pünktlichkeit angepasst (die eigentlich gar nicht so Schlimm ist. Obwohl, manchmal schon.), aber am Ende war es eher ein Mix aus schlechtem bis keinem Internet, einem kaputtem Laptop und wenig Zeit und Motivation. Aber ab jetzt wieder pünktlich.

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