Sommer im Dezember!

Nachdem schon wieder viel Zeit ins Land gegangen ist und ich wieder viel neues erleben durfte, hier wieder ein paar Zeilen aus Bolivien!

Auch auf der Südhalbkugel der Welt ist nächste Woche Weihnachten. Doch auch wenn es in Deutschland bis jetzt auch noch nicht bitterkalt ist, ist es hier mit ca. 25° noch schwieriger in Weihnachtsstimmung zu kommen, wenn man im Schwimmbad die Sonne genießen kann. Trotz allem sieht man in den Straßen die Läden voll mit größtenteils kitschiger Weihnachtsdeko und es ist schon ein wenig paradox, wenn neben den Lichterketten und Weihnachtskugeln Bikinis hängen.

Viele Plätze sind mit grellen Lichterketten und (Plastik-)Weihnachtsbäumen geschmückt und in den Straßen gibt es neben Krippen(figuren) das hier sehr viel vertretende Weihnachtsgebäck Panetone oder auch Plätzchen zu kaufen, die denen in Deutschland geschmacklich leider kaum ähnlich sind.

Und da die Kinder seit Ende November hier ihre großen Sommerferien haben und keine öden Hausaufgaben mehr machen müssen, habe ich auf dem Markt Streusel, Nüsse, Kokos, Rosinen und Schokolade gekauft (alles andere hatte unsere Bäckerei) und nach deutschem Rezept mit den Kindern Plätzchen gebacken. Alle haben fleißig ausgestochen, verziert, genascht und so für ein bisschen mehr Weihnachtsstimmung gesorgt. 🙂

Danach ging es für mich schon das 2. Mal ins noch wärmere Monteagudo. Mit dem Auto ca. 7 Stunden von Sucre entfernt, liegt dieser Ort auf nur noch 1144m, inmitten üppiger Vegetation, mit Temperaturen meistens über 30° und vielen Mücken, wie ich sie aus Sucre nicht gewöhnt bin.

Der größte Teil der Strecke nach Monteagudo ist nicht asphaltiert und daher größtenteils eine teils schmale Erd – und Schotterpiste. Doch die beeindruckende Landschaft ist einmalig und entschädigt für die Holperfahrt.

Ab und an versperren Esel, Kühe, Pferde oder Schweine den Weg, welche dann aber meistens nach lautem Hupen an den Wegrand traben, oder ein Fluss kreuzt den Weg, der dann ohne Probleme mit dem Pick-up durchquert wird.

In Monteagudo hat das ETI ein Partnerprojekt, was sich zur Aufgabe gemacht, die Leute mit Behinderungen in ihren Familien zu besuchen, u.a. physiotherapeutisch zu betreuen oder ihnen Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Viele leben nämlich in weit abgelegenden Gebieten um Monteagudo, oder in sogenannten ‚comunidades‘, wo keine Infrastruktur vorhanden ist und sie auf sich allein gestellt sind.

Da das ETI jetzt bis Ende Januar geschlossen ist, stand jetzt Anfang Dezember die ‚Operación retorno‘ im Mittelpunkt. Das bedeutet, dass alle Personen, die das Jahr über in der Residenz der Einrichtung wohnen, über die Ferien bei ihren Familien oder nahen Verwandten sind.

Vor der Rückkehr musste jedoch die Situation in den Familien geklärt werden, die oftmals sehr schwierig ist, da viele mit der Verantwortung überfordert sind, kaum Platz haben, sehr arm sind und nicht selten Alkoholiker. Zudem sind die hygienischen Umstände und das unebene Gelände vor allem für Rollstuhlfahrer sehr schwierig.
Hier wohnt ein Mädchen mit ihrer Mutter und ihren 3 Brüdern
Hier wohnt ein Mädchen mit ihrer Mutter und ihren 3 Brüdern

So bin ich jedenfalls mit zwei Arbeitskollegen und fünf Bewohnern der Residenz, die teilweise im Rollstuhl sitzen, mit dem Bus nach Monteagudo gefahren und durfte drei von ihnen in ihre Familien begleiten, die 30min-2h entfernt von Monteagudo auf dem Land leben. Und zwar wirklich auf dem Land! Ringsherum sieht man nur grün und das nächste Haus ist meist längst nicht in Sichtweite. Die Leute leben oft in sehr ärmlichen Verhältnissen. Manche leben in einem verputzen Haus, andere dagegen mit sechs Leuten in einer kleinen Lehmhütte. Mich machten diese Eindrücke und Erfahrungen besonders am Anfang sehr nachdenklich. Wie widersprüchlich; diese unglaublich idyllische und friedliche Natur und mittendrin leben die Menschen in einfachen Lehmhütten, wo ich sonst dachte, „ja, so lebten die Menschen früher“.

Doch auch wenn die Menschen selbst nicht viel haben, bekommt man immer ein Lächeln und häufig sogar etwas zu Essen oder zu Trinken angeboten.

Die meisten Höfe sind schwierig für Rollstuhlfahrer

Anfangs fand ich die Residenz im ETI, in der die Leute sonst wohnen, sehr spartanisch und schlicht eingerichtet, doch im Gegensatz zu ihrem eigentlichen Zuhause ein Riesenunterschied. Sie haben ihr eigenes Bett, können sich auf barrierefreien Grundstück bewegen, bekommen regelmäßig zu Essen, können zur Schule gehen und haben immer eine Krankenschwester in der Nähe.

Jetzt habe ich frei, die letzte Arbeitswoche, verlief eher ruhig, da keine Kinder und keine Bewohner mehr da waren. So habe ich mit meinen Kollegen Unmengen von Personenakten neu sortiert und habe beim Namensschilder schreiben, für uns unübliche Vornamen wie ‚Dolores‘ (Schmerzen), ‚Concepción‘ (Empfängnis) und ‚Primitiva‘ (primitiv) kennengelernt, die jedoch alle christlichen Ursprungs sind. Aber auch schöne Vornamen wie ‚Esperanza‘ (Hoffnung) oder Ángeles (die Engel) sind hier geläufig.

Heute werde ich noch zu meiner Freundin nach El Alto/La Paz fahren, was mit 4.100 m noch deutlich höher liegt als Sucre. Dort darf ich dann mit ihrer achtköpfigen Gastfamilie ein bolivianisches Weihnachten feiern. Silvester soll uns dann der Weg nach Peru, Lima geführt haben und Mitte Januar habe ich dann schon mein Zwischenseminar wieder in Bolivien, Santa Cruz. Die Zeit rennt!

Euch allen Zuhause wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest (Feliz Navidad!) und kommt gut ins neue Jahr!

Hasta pronto,

Eure Theresi

Lecki
Lecki
Trotz hohen Temperaturen ist immer noch Regen bzw. auch Hagelzeit
Trotz hohen Temperaturen ist immer noch Regen bzw. auch Hagelzeit
Mit den Kindern auf dem Spielplatz
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Dieses Schwein gabs im Projekt dann zur Weihnachtsfeier
Dieses Schwein gabs im Projekt dann zur Weihnachtsfeier

Am 12.Oktober fanden in Bolivien die Wahlen statt. Evo Morales gewann mit deutlicher Mehrheit und darf nun seine dritte Amtszeit antreten. Am Tag der Wahlen durfte kein einziges Fahrzeug fahren und viele Geschäfte hatten geschlossen.
Am 12.Oktober fanden in Bolivien die Wahlen statt. Evo Morales gewann mit deutlicher Mehrheit und darf nun seine dritte Amtszeit antreten. Am Tag der Wahlen durfte kein einziges Fahrzeug fahren und viele Geschäfte hatten geschlossen.