Neues aus Joburg

Inzwischen habe ich die Vier-Monats-Marke geknackt und seit meinem letzten Eintrag ist der ein oder andere Tag vergangen. Es ist auch das ein oder andere passiert, aber wegen einem exzessiven Prokrastinations-Verhalten wurde nichts niedergeschrieben. Daher sehe ich das jetzt mehr oder weniger als Gedächtnisübung und gucke mal, was ich alles zusammentragen kann.

Anfang November hatten wir eine Übergabezeremonie für den gespendeten Bücherei-Container. Da der Container von der südafrikanischen Bank „Standard Bank“ kam, waren auch ein paar hohe Tiere besagter Bank anwesend, einschließlich Mr. Sim Tschabalala, Joint Chief Executive. Wer hätte gedacht, dass man beim Freiwilligendienst die mächtigen Männer trifft. Also wirklich getroffen kann man nicht behaupten, kurz Hände geschüttelt trifft es eher.

Der Weg zur Übergabe war aber doch etwas steinig. Es war nie ganz klar, wer denn genau für den Container zuständig ist: Wir (das Projekt), das Sacred Heart College oder die Frau, die im Projekt die Bücherei organisiert hat. Und dann wollten die Leute von Standard Bank auch noch mitmischen. Die ersten Probleme begannen damit, dass die falschen Stühle geliefert wurden und die Regale für eine Bücherei eher suboptimal angefertigt waren. Aber einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul, außerdem haben wir die richtigen Stühle letztendlich bekommen und die Regale werden bestimmt auch bald noch korrigiert (hoffentlich). Das schwerwiegendere Problem bestand darin, wie der Container aufgebaut worden war. Man hatte ihn nämlich auf jeweils einen Betonblock in der Ecke gestellt. Wenn es also regnet, wäre die Erde unter besagten Blöcken weggespült worden. Dann wurde Beton so drum gepackt, dass der Boden unter den Blöcken immer noch weggespült werden konnte. Außerdem fehlte Elektrizität im Container. Nach einigen hitzigen Treffen mit der Schulleitung des Sacred Heart Colleges wurden dann alle Probleme gelöst, genau zwei Tage vor der Übergabe. Aber dafür sieht es jetzt doch ziemlich gut aus.

Am Tag der Übergabe regnete es natürlich, aber sonst lief alles sehr gut. Die Kinder haben gesungen und Bücherei-Zitate vorgelesen und jeder, der wichtig genug war, hat eine Rede gehalten. Anschließend wurde das Band durchgeschnitten, der Container bewundert und es gab Essen für die Gäste.

Zwischendurch haben wir noch Verstärkung aus Deutschland bekommen, jetzt haben wir noch eine andere Freiwillige für ein halbes Jahr im Projekt.

An Halloween war ich dann mit den Leuten vom Underwater Hockey in einer Pizzeria/Bar, und eigentlich waren Kostüme angesagt worden. Da wir gerade vom Training kamen sind wir einfach in Badehose mit Handtuch und Maske gegangen. Aber irgendwie waren wir die Einzigen mit „Kostümen“ und man hat uns doch den ein oder anderen komischen Blick oder Kommentar gegeben, da wir halb nackt am Pizza essen waren.

Auch hätte ich beinahe den deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier getroffen. Dieser war nämlich in Südafrika und hat sich mit dem Studienrat der Wits Universität über Bildung unterhalten. Ein Freund von mir, der rein zufällig in diesem Rat sitzt, wollte mich eigentlich mitnehmen, musste dann aber feststellen, dass ich nicht zuhause war und auch mein Handy aus war. Weitere Pläne für diesen Freiwilligendienst: Obama treffen und an einer UN-Konferenz teilnehmen.

Als sich dann das Schuljahr langsam seinem Ende neigte (hier fängt man im Januar an und hört im Dezember auf) mussten wir uns auf die Zeugnisverleihung vorbereiten. Dazu gehörten nicht nur die finalen Prüfungen sondern auch ein kleines Weihnachtsgeschenk für jedes Kind. Also fingen wir an, in großen Warenhäusern Süßigkeiten und für die 6. Klasse auch Bücher zu kaufen. Den Rest haben wir dann aus den Camp-Spenden zusammengestellt. Am Ende gab es Süßigkeiten, Stifte, T-Shirts, eine Tasche, Schlüsselanhänger und Fußbälle. Alles für 150 Kinder einzupacken ist gar nicht so leicht wie es klingt und hat auch eine ganze Weile gedauert.

In der Woche vor der Zeugnisübergabe am 29.11 war dann Hektik pur im Büro angesagt. Die Zeugnisse mussten fertig sein und alles musste organisiert und vorbereitet werden. Dieses Jahr haben die Lehrer zum ersten Mal die Zeugnisse selber geschrieben und nicht das Büro – wie in den Jahren zuvor. Daher bin ich kurzfristig zum IT-Berater der Lehrer geworden, wobei ich meistens auch nur probiert habe, bis es geklappt hat. Leider waren die Zeugnisse am Ende doch nicht zu 100% so, wie sie seien sollten, bzw. gar nicht da. Ich und die andere Freiwillige durften also alle Zeugnisse durchgehen und korrigieren. An einem Tag war ich bis 8 Uhr abends noch im Projekt, nur um fertig zu werden, doch das half alles nichts, denn die Zeugnisse einer Klasse bekamen wir erst am 29.11, dem Tag der Zeugnisübergabe. Und selbst dafür musste noch ein Fahrer beim Haus des Lehrers vorbeifahren, um die Zeugnisse einzusammeln. Leider waren die in einem so chaotischen Zustand, dass die besagte Klasse ohne Zeugnisse entlassen werden musste. Am Ende stellte sich herraus, dass die Noten auf den Zeugnissen falsch waren. Nur gut, dass wir nicht versuchten haben, alles schnell zu korrigieren, um noch am 29. November fertig zu werden. Zwischendurch haben wir noch eine Menge „Toms Schuhe“ gespendet bekommen, die wir dann an die Kinder verteilen durften. Ich setzte das Ganze mit einer Ausbildung zum professionellen Schuhverkäufer gleich.

Die Zeugnisvergabe begann mit einem kleinen Weihnachtsgottesdienst, anschließend gab es für die Kinder was zu essen und dann ging die Verleihung im klassischen Sinne los. Erst wurden Auszeichnungen für die beste Leistung in den verschiedenen Fächern, aber auch für andere Sachen verliehen. Ich durfte die Auszeichnung für die artigsten Kinder verliehen. Und zu guter Letzt gab es dann noch ein paar Reden und die Geschenke. In den Geschenktüten waren auch die Zeugnisse enthalten, ob sich da alle Kinder so drüber gefreut haben, bleibt offen. Leider mussten wir uns dann auch von der 6. Klasse verabschieden, da das Projekt nur eine Grundschule ist. Aber auch einige Kinder aus der 4. und 5. Klasse, die besonders gut waren, werden nächstes Jahr auf eine andere Schule gehen. Das ist schon ein wenig traurig, aber dafür bekommen wir nächstes Jahr 25 neue Schüler, die die 1. Klasse des Three2Six Projekts besuchen werden.

Am Freitag vor der Verleihung sind wir dann nochmal mit der 5. und 6. Klasse ins Theater gegangen, organisiert worden war das von dem selben Verein, der auch das Camp im August veranstaltet hatte (Just Footprints). Angeschaut wurde eine exzellente Aufführung von Peter Pan, in die moderne Lieder eingeflochten worden waren. Den Kindern hatte es so gut gefallen, dass sie eigentlich gar nicht gehen wollten. In der ersten „Ferien“-Woche haben wir dann neben einigen anderen Aktivitäten vor allem die Zeugnisse der besagten 5. Klasse korrigiert, so dass die Eltern diesen Freitag die Zeugnisse abholen konnten. Letztes Wochenende war dann noch ein Buchstabier-Wettbewerb, an dem einige der Three2Six Kinder teilnehmen konnten. Wir haben es bis zum 4. Platz geschafft, was ziemlich beeindruckend für Kinder ist, die Englisch nur als zweite oder dritte Sprache gelernt haben.

Auch jenseits der Schule gibt es so das eine oder andere zu berichten: Vor einigen Wochen ist ein Turm eines Kohlekraftwerkes in der Nähe von Kapstadt eingestürzt und jetzt kämpft das ganze Land mit Stromausfällen. Daher haben die Stadtviertel abwechselnd für bis zu acht Stunden kein Strom. Irgendwie werden auch ständig Ampeln abgestellt, was den Verkehr nicht gerade sicherer macht.

Dieses Wochenende waren wir dann noch eine Freundin in Soweto besuchen. So gefährlich, wie man es überall zu hören bekommt, ist es gar nicht. Meinem Gefühl nach, ist es in den Vierteln, wo die Three2Six Kinder leben, gefährlicher, und da fahr ich ständig mit dem Auto durch… Es war sehr interessant, mal ein richtiges Township zu sehen. Erst haben wir ein paar Museen besucht, inklusive Nelson Mandelas altes Hauses, sodann hat uns unsere Freundin durch die Nachbarschaft geführt.

In den Ferien, die jetzt richtig anfangen werden, wir den Krüger-Nationalpark und Kapstadt bereisen, aber davon dann mehr in meinem nächsten Eintrag.

Leider kann ich aus Gründen der Sicherheit keine Frontal-Bilder bzw. deutliche Bilder der Kinder posten.

Hier ein paar extra Bilder:

Die Gegend in der viele der Kinder Leben

Random Picture of Joburg.