Endlich Arbeit!

9. Dez 2014 | von | Kategorie: Freiwillige 2014/15, Niklas Borchert in Uganda

[Vorweg will ich einmal anmerken, dass dieser Eintrag mal wieder etwas verspätet kommt, was in diesem Fall etwas länger als beim letzten Mal ist – gut ein Monat ist. Grund dafür ist, dass ich Probleme mit meiner MasterCard hatte und folglich kein Geld, folglich kein Internet. Genauer werde ich über diese recht ungewöhnliche Zeit allerdings zu einem anderen Zeitpunkt nochmal eingehend berichten und jetzt viel Spaß beim Lesen!]

Das, wie zuerst von mir angezweifelt, die Aussage das wir selten dazu kommen werden in unseren Blog zu schreiben, doch ein weeeenig Wahrheit beinhaltet, wird mir jetzt, wo ich seit über einem Monat keinen neuen Eintrag veröffentlicht habe, langsam bewusst [Was ein verzwickter Satz!].
Der Grund dafür ist ganz einfach – Arbeit. Denn vor einem Monat [genauer gesagt, 32 Tagen 9 Stunden 45 Minuten] ging es für mich, hier in Uganda, richtig los.
Mein Job ist es hier in der Grundschule, die hier auf dem Grundstück der Kirche steht, mit zu helfen. Das heißt ich unterrichte, korrigiere, scheuche Kinder durch die Gegend, oder unterstütze die Lehrer auf andere Art und Weise. Momentan bin ich nur in der 6 Klasse (die Grundschule geht hier bis zur 7ten Klasse) beschäftigt und unterrichte auch nur [„nur“] Englisch, über die Zeit wird sich dies aber vermutlich auf weitere Aufgabenbereiche weiterverteilen. Doch das reicht mir fürs erste auch, denn weder bin ich sonderlich erfahren im Unterrichten noch bin ich die Unterrichtssituation gewohnt.
Denn wie man sich vorstellen kann läuft hier einiges anders als in Deutschland.
Angefangen bei der Klassengröße, diese liegt nämlich ein wenig [aber auch nur ein ganz klein wenig] über dem normalen Schnitt deutscher Schulen. „Meine“ Klasse umfasst dabei die beschauliche Zahl von 127 Schülern, von denen zwar nie alle da sind, aber im Normalfall immerhin 80 bis 90. Es ist klar, dass so eine Größe schnell zu Chaos führt und in einigen Problemen mündet.
Z.B. mit dem versuch die Klasse zur Ruhe zu bringen. Dafür zu sorgen, dass die Klasse still ist, ist dabei gar nicht das Problem, sondern sie in diesem Zustand zu halten. Woran zum größten Teil das Problem sich zu konzentrieren Schuld ist. Das die Schüler, sich nur schwer auf den Unterricht konzentrieren können liegt wiederrum an verschiedenen Faktoren. Zum einen ist da die Armut. Die wenigsten Schüler sind in der Lage sich Schulbücher zu kaufen und bei einigen geht es sogar soweit das sie weder Schuluniform noch Geld für Essen in den Pausen haben. Nichts zu essen in den Pausen, bedeutet hier nicht nur den Vormittag nichts zu essen, sondern nur einmal am Tag was zu essen zu haben. Denn ein Schultag fängt hier um 6.30 an und geht meistens bis 20.00 Uhr Abends. [Grund] Der Großteil der Klasse hat also schon aufgrund der langen Unterrichtszeit Probleme sich auf den Unterricht zu konzentrieren. Dazu kommen dann noch die erwähnten Schüler, die außerdem denn ganzen Tag noch nichts gegessen haben, sich also so gut wie gar nicht mehr konzentrieren können und meistens der Anstoß für Unruhen sind.
Dieses Problems der Unruhe Herr zu werden, ist verständlicherweise relativ schwer und führt mich zu einem relativ schwierigen Thema – Schläge. Tatsächlich ist es hier üblich, dass die Lehrer die Kinder schlagen wenn sie nicht hören. Das ist natürlich erstmal relativ verstörend und unverständlich für jemanden der aus unserer Kultur stammt, hier allerdings ist es ein ganz normaler Bestandteil jener und man ist daran gewöhnt. Dazu kommt noch, dass es oft kaum eine andere Möglichkeit gibt die Kinder zu bestrafen. Die Schüler drinnen zu lassen und irgendwas ab zu schreiben, während die anderen draußen spielen, ist für die wenigsten eine Bestrafung, als viel mehr normal und stört niemanden. Auch für ein paar Tage oder länger die Ungehorsamen zu suspendieren ist keine Möglichkeit. Die Schüler interessiert dies wenig und wenn die Eltern damit ein Problem haben, schlagen sie wiederrum die Kinder(was also auf dasselbe hinaus läuft). Denn Strafen wie Handy wegnehmen, Fernsehverbot, oder eine Woche kein Internet ziehen hier nicht, da kaum jemand sowas besitzt. Man sieht also, dass es relativ schwer ist um die Prügelstrafe herum zu kommen, besonders weil es halt einfach Bestandteil der Kultur ist. Das heißt allerdings auch nicht, dass ich das gut reden will, beim besten Willen nicht. Ich will nur verständlich machen was der Grund dafür ist, dass es hier immer noch Normal ist, dass Kinder geschlagen werden. Dennoch wird hier auch von verschiedenen Organisationen und auch der Regierung stark daran gearbeitet dies ab zu schaffen. Das kostet selbstverständlich einige Zeit, hat aber auch schon erste und vielversprechende Erfolge zeigt.
Ein weiteres Problem ist es den Unterricht vor zu bereiten. Zum einen ist da das bereits erwähnte Problem mit der Armut und den daraus resultierend fehlenden Schulbücher. Dies führt dazu, dass man alles aus den Büchern auf die Tafel schreiben muss. Zum anderen ist es so gut wie unmöglich denn Unterricht auf die jeweiligen Probleme jedes einzelnen an zu passen, da die Schülerzahl dafür schlicht zu groß ist. So bleibt einem also nur die Möglichkeit auf Probleme ein zu gehen die einen größeren Teil der Schüler betrifft. Diese kollektiv-Probleme raus zu finden ist allerdings auch nicht sonderlich leicht. Heißt also, dass man  den Schülern regelmäßig Aufgaben zu geben hat und sie eigenhändig zu überprüfen, was, verständlicher Weise, sehr viel Zeit in Anspruch nimmt [und wenn ich noch einmal höre, wie sich ein Lehrer darüber beschwert, dass es ja soooooo Zeit beanspruchend und soooooo anstrengend ist die Arbeiten für eine Klasse zu berichtigen, dann…(Es tut uns leid, aber aus Jugendschutzgründen musste dieser Bereich leider entfernt werden.)…!]. Das sorgt natürlich dafür, dass einige der Schüler, schlichtweg auf der Strecke liegen bleiben und das zu ändern ist auch wieder so ein Thema. Es fehlt zum einen einfach an Lehrerkräften und zum anderen die Mittel für z.B. mehr Räume.
Aber trotz der Probleme macht es mir unglaublich viel Spaß die Schüler zu unterrichten. Es ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl zu sehen wie sich die Schüler weiter entwickeln und Spaß am Lernen mit mir haben. Tatsächlich freut man sich so sehr auf  meine Stunde, dass ich fast ständig gefragt werde wann ich wieder Unterricht habe. Denn Besuch von einem weißen, der auch noch fast ein Jahr bleibt und sie dann auch noch unterrichtet ist schon etwas ziemlich besonderes, was man hier nicht jeden Tag sieht.

Das war’s dann auch schon wieder von mir und so hoffe ich das ich euch ein wenig zum [Krass, ich habe gerade zwei Mücken mit einem Schlag erledigt!] nachdenken gebracht habe wie gut wir es in Deutschland eigentlich mit der Schule haben. Das wir uns nicht ständig darüber beschweren sollten zur Schule zu gehen, sondern vielmehr dankbar für unser gutes Schulsystem [Und ja Kiki, ich weiß genau an was du an dieser Stelle denkst, aber lassen wir das einfach mal so stehen.] und die Ausstattung der Schulen sind.
Damit, schöne Grüße nach Deutschland (oder wo auch immer du das hier gerade liest) aus der Perle Afrikas und bis bald!

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