Lach- und Sachgeschichten aus Johannesburg

20. Okt 2014 | von | Kategorie: Freiwillige 2014/15, Jonas Casper in Südafrika

So lange ist es noch gar nicht her, dass ich zum ersten Mal Fuß auf afrikanischen Boden gesetzt habe, dennoch fühlt es sich so an, als sei ich schon eine ganze Weile hier.

Da ich mir gar nicht so sicher bin, womit ich anfangen soll, versuche ich es einfach mal chronologisch.

Am 24.09 war Heritage Day, ein Nationalfeiertag in Südafrika. Das Sacred Heart College hat diesen mit dem “One Heart Music Festival” gefeiert. Dafür wurde auf einem der Sportplätze eine Bühne und mehrere Essenstände, plus ein Bierzelt aufgebaut. Die meisten Gäste waren Eltern der Kinder, die auf das Sacred Heart College gehen. Gleichzeitig wurde auch Geld für Stipendien gesammelt. Zunächst haben die Schüler diverse Sachen vorgeführt, wie z.b. Gesang und Tanz, aber auch eine Karate Vorführung hat stattgefunden. Anschließend haben einige, in Südafrika nicht ganz unbekannte, Jazz Künstler gespielt, und gegen Abend hatte auch die hier sehr populäre Band “Mi Casa” einen Auftritt. Die Three2Six Kinder waren leider nicht eingeladen, es hätte aber auch nicht genügend Aufsichtskräfte gegeben. Aus dem Ganzen ist eine Menge Spaß und fast zwei Stipendien für das Sacred Heart College hervorgegangen.

Da ich direkt neben der Universität von Johannesburg wohne, hab ich auch schon einen kleinen Einblick in die Musikfakultät bekommen. Die tolle Gerätschaften und Instrumenten der Fakultät machen Lust auf ein Musikstudium. Zumindest bis ich einer Theorievorlesung beigewohnt habe.

Im Projekt geht es auch munter zu, denn die Registrationsphase fürs nächste Jahr hat angefangen. (Hier fängt das Schuljahr nämlich im Januar an.) Es ist nicht immer leicht, den Eltern zu erklären, dass bei ca. 250 Kindern auf der Warteliste für ihr Kind wahrscheinlich kein Platzt im Projekt sein wird. Zumindest nicht in diesem Jahr, denn generell werden die Kinder, die für ihre Klasse fast schon zu alt sind, aufgenommen. Damit wird verhindert, dass sie zu alt für die Klasse sind, in die sie müssen, und damit gar nicht zur Schule gehen können. Man muss aber vorsichtig seien, denn die Eltern versuchen gerne mal den ein oder anderen Trick, wie z.B. falsche Geburtsdaten oder doppelte Bewerbungen mit unterschiedlichen Namen. Aber um die Registrationen kümmert sich vor allem die Projektleiterin der Three2Six Schule, und da sie selbst ein Flüchtling war, kennt sie alle Tricks.

Mein typischer Tag fängt damit an, dass ich etwa um viertel vor Zehn zum Projekt fahre. Inzwischen ist das Fahren hier kein Problem mehr, wobei es manchmal etwas hektisch werden kann, insbesondere wenn man die Straße mit den zahlreichen Minibus-Taxis teilen muss. Die haben nämlich eingebaute Vorfahrt und können mit Warnblinker und Hupe alles legitimieren. Um zehn fängt die Arbeit im Projekt dann an. Zwischen zehn und zwei gehe ich verschiedenen Tätigkeiten nach, dort, wo ich grade gebraucht werde. Z.B. haben wir vor kurzem unser Datensystem digitalisiert. Zwischen zwei und drei Uhr kommen dann die Kinder zur Schule. In der Zeit bin ich also mit den Kindern zusammen, bis der Unterricht losgeht. Dann schließe ich die Klassenräume auf und helfe hier und da wieder aus. Gegen halb sieben geht’s dann wieder nach Hause. Im September musste ich eigentlich jede Woche mit einem Kind zum Arzt fahren, von allergischen Reaktionen bis zu einer Verletzung, die genäht werden musste, gab es so einiges. Mittwochs ist immer Büchereitag, die 4. bis 6. Klasse können dann immer Bücher ausleihen.

Am Donnerstag kam der neue Bücherei-Container, den eine Südafrikanische Bank gespendet hat. Ein LKW hat diesen am Rande eines der Sportfelder des Sacred Heart Colleges abgesetzt. Die Kinder haben den ganzen Prozess mit Gesang begleitet. 12m lang, 2,5m breit und voll ausgestattet mit regalen und allem, was man so braucht. Außer Büchern, denn die werden von der alten Bücherei im Büro am Montag in den Container verlagert. Die werden dort zwar etwas untergehen, aber wenn die Übergabezeremonie mit der Bank stattfindet, wird vielleicht bewusst, wie wenige Bücher wir haben und es werden noch welche gespendet.

Hier zum Video –>      Bücherei


Gegen Abend zogen dann dunkle, fast braune Wolken auf, und ein Sandsturm fegte über Johannesburg her. Richtig schlimm war es nicht, aber trotzdem unangenehm, wenn man grade draußen ist. Sonst ist das Wetter echt angenehm, kurze Hose 24/7. Abgesehen von den Hagelstürmen, die ab und an aus heiterem Himmel über uns her brechen.

Außerdem haben wir von der Organisation, die das Camp im August organisiert hatte, ein Angebot für ein zweites Camp bekommen, bereits finanziert. Das Problem ist leider nur, dass wir von unserer Seite dann wieder um Kleidungsspenden bitten müssen, und da das letzte Camp grade erst war, ist das problematisch. Zusätzlich dazu sollte dieses Camp bereits im Dezember stattfinden, was viel zu wenig Zeit ist.

Da ich in einer Flüchtlingsschule arbeite,  lernt man Kinder aus vielen Ländern Afrikas kennen, was eine beeindruckende Erfahrung ist. Die meisten Kinder kommen zwar aus der Demokratischen Republik Kongo, aber viele sind auch aus Simbabwe und anderen zentralafrikanischen Staaten.

Leider bin ich auch Opfer eines Trickdiebstahles geworden, in dem man mir meine Kreditkarte an einem Geldautomaten geklaut hat. Die Diebe haben dabei auch ein nettes Sümmchen von meinem Konto ergaunert. Irgendwie bin ich auch der erste Freiwillige hier, dem sowas passiert, aber immerhin lerne ich daraus für die Zukunft. Zum Glück hat mir aber die Schule und ein Freund von mir der beim Diebstahl dabei war geholfen, so dass das alles kein großes Problem war. Für meine Bank hab ich dann auch einen Bericht von der Polizei gebraucht. Die konnten mir aber leider nicht helfen, da mir ein Dokument von der Bank fehlte. Es tat ihnen aber so leid, dass sie mir nicht helfen konnten, dass sie mir drei Blocks von der Polizeistation entfernt ein kleines „Geschenk“ mitgegeben haben. Einen Strafzettel, da ich in einer Busspur gefahren bin. Zu meiner Verteidigung muss ich aber sagen, dass es die einzige Spur war, drei Autos vor mir da auch lang gefahren sind (die aber auch alle von der Polizei angehalten wurden).

Dienstags ist auf dem Parkplatz des Studentenwohnheims, in dem ich wohne, immer eine Suppenküche für Obdachlose, bei der ich mithelfe. Ich bin zwar immer etwas spät, da es anfängt, wenn ich noch im Projekt bin, aber das ist kein Problem. Außerdem mach ich seit einer Woche beim Underwaterhockey der Universität mit. Eine sehr komische Sportart, bei der man, wie der Name es bereits suggeriert, Hockey spielt. Nur halt unterm Wasser. Das ist am Anfang ziemlich schwer, weil man viele Sachen auf einmal koordinieren muss. Ich vergesse z.B. irgendwie immer Luft zu holen bevor ich tauche, aber das wird wohl schnell besser. Inzwischen hat sich auch mein Koch-Repertoire erweitert und ich bin von meiner Nudeln-mit-Soße-Diät losgekommen. Freitag hatten wir ein formales Abendessen mit allen Leuten aus dem Studentenwohnheim in einem Haus der Jesuiten mit beeindruckendem Ausblick. Ich hab meinen Anzug zwar in Deutschland gelassen, aber mit einem weißen Hemd ging es grade noch so.

Gestern (Samstag) hatten wir abends dann Stromausfall bis heute Morgen. Also wollten wir irgendwo etwas zu essen holen, das Problem war nur, dass das Wohnheim abgezäunt ist und das Tor elektronisch funktioniert. Daher haben wir getan, was jeder vernünftige Mensch in unserer Stelle auch getan hätte, wir sind über den Zaun geklettert. Als wir es dann über die Stacheln des Zauns geschafft haben, mussten wir leider feststellen, dass alle Läden wegen des Stromausfalls zu hatten. Also sind wir wieder zurückgeklettert, mein Knie trägt noch einen kleinen Beweis davon, und haben bei mir in der Wohnung bei Kerzenlicht auf einem Gasherd indisches Essen gekocht. Hatte auf jeden Fall mehr Atmosphäre als KFC.

Grade eben ist  der Feueralarm losgegangen weil jemand was in der Küche verbrannt hat. Jetzt riecht es nach verbranntem Essen im Haus. Da bekomm ich gleich Hunger.

Und da jeder Bilder mag:

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Ein Kommentar
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  1. „Minibus-Taxis mit eingebauter Vorfahrt“ 😀 Dein Blog ist wirklich total lustig und interessant!! 😀 (Y) Freu mich schon auf den nächsten Eintrag! Grüße ausm fernen Deutschland 🙂

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