Mai, Juni und Juli

22. Jul 2014 | von | Kategorie: Freiwillige 2013/14, Johanna Reichelt in Südafrika

Hier nun ein paar Erzählungen aus meinen letzten Monaten Mai, Juni und Juli hier in Südafrika.

Durch das Zwischenseminar habe ich viele andere Freiwillige in meiner Umgebung kennengelernt, mit denen ich in den letzten Monaten einige Zeit zusammen verbracht habe. Unter anderem habe ich Max aus Soweto in seinem Schulprojekt in einem Township besucht und habe dazu noch eine kleine Tour durch sein Stadtviertel bekommen. Mit ein paar Freunden aus meinem Wohnheim war ich unter der Woche bei einer Musikshow „The Orbit“, die super viel Stimmung gebracht hat.

Ende Mai war ich beim Mentor der Freiwilligengruppe unseres Zwischenseminars zum Braai eingeladen. Es war ein sehr lustiger Abend und ich konnte mal wieder Deutsch von Auge zu Auge reden. Am nächsten Morgen sind wir alle zu „Arts on Main“, einem Afrikamarkt mit einer Vielzahl internationaler Gerichte und Johannesburgs Kunst- und Design-Neuheiten, gegangen. Dieser Markt hat so viele unterschiedliche kulinarische Sachen zu bieten und es tummeln sich jeden Sonntag aufs Neue die verschiedensten Menschen, um einfach nur eine entspannte Atmosphäre zu genießen.

Letztes Wochenende habe ich voll und ganz mit all meinen Freunden genossen und bin unter anderem mit einigen ins Stadion gegangen, um ein Rugby-Spiel zu gucken. Die WM habe ich natürlich auch vom anderen Ende der Welt eifrig mitverfolgt und habe so ziemlich jeden in einen Deutschland-Fan verwandelt. Wie man sieht, hat es sich ja am Ende auch gelohnt … Weltmeister ole, ole, ole!

Wie ihr lesen könnt, habe ich in den letzten Wochen jede freie Minute mit meinen Freunden verbracht und war dadurch immer sehr gut beschäftigt.

The Orbit - Musikshow

The Orbit - Musikshow

Arts on Main

Arts on Main

Rugby Spiel

Rugby Spiel

auch die Kinder waren super motivierte Deutschlandfans

auch die Kinder waren super motivierte Deutschlandfans

Das beste Finale mit den besten Freunden!

Das beste Finale mit den besten Freunden!

Im Projekt ist in der ganzen Zeit natürlich auch so einiges passiert, wodurch ich zahlreiche Aufgaben zu erledigen hatte. Durch einen Notfall musste eine Lehrerin für einen Monat zurück in ihre Heimat (Demokratische Republik Kongo) fliegen, wodurch wir im Projekt einen Lehrermangel hatten und ich jeden Tag für eine Stunde die „Remedial Class“ übernommen habe. Dadurch hatte ich auch mal wieder ein bisschen Abwechslung in meinem Tagesablauf und zudem mehr Zeit mit den Kindern. Allerdings war ich erleichtert, meine Lehrerrolle nach einem Monat wieder abgeben zu können, denn zu unterrichten ist wirklich kein Kinderspiel.

In dem gleichen Zeitraum musste die Leiterin des Projekts und gleichzeitig meine direkte Ansprechpartnerin für zwei Wochen in den Kongo, um formelle Dinge zu klären. Dies bedeutete viel Stress und Verantwortung für mich, da ich alleine die Stellung im Projekt übernehmen musste. Es war allerdings auch eine sehr besondere Ehre, dass sie mir dies zugetraut haben und mir die Verantwortung überlassen haben. Im Endeffekt hat auch alles super geklappt und ich habe die Erfahrung machen dürfen, wie es ist, alleine Entscheidungen zu fällen und alles selbst organisieren und regeln zu müssen.

An zwei verschiedenen Tagen hatten wir Personen vom Fernsehen von BBC und SABC zu Besuch, die kleine Reportagen über das Projekt gedreht haben. Für die Kinder war dies natürlich Aufregung pur und für uns hieß es jede Menge Organisation und Planung. Anfang Juli hatte ich nebenbei die Aufgabe ein Ferienprogramm für 50 Kinder zu gestalten. So habe ich mit den Kindern einen Ausflug ins Theater, einen Besuch in ein kinderfreundliches Museum der Naturwissenschaften und einen Sporttag veranstaltet. Diese Ausflüge waren einfach nur mit viel Freude verbunden, weil die Kinder aus dem normalen Schulalltag rauskommen konnten und zahlreiche neue Dinge erlebt haben.

Leider muss ich an dieser Stelle auch noch eine sehr erschreckende Geschichte loswerden. Eines unserer Kinder wurde im letzten Monat beim Einkaufen von drei Jugendlichen zusammengeschlagen, verprügelt und letztendlich ausgeraubt. Der Junge ist elf Jahre alt, hatte schlimme Verletzungen am ganzen Körper und lag für ca. zwei Stunden bewusstlos auf der Straße. Glücklicherweise wurde er dann von einem Passanten entdeckt und nach Hause gebracht. Doch als ob dies nicht schon genug wäre! Die Eltern sind mit ihrem Jungen sofort in die Klinik, da sein komplettes Gesicht entstellt war und er eine sehr besorgniserregende Schwellung am Kopf hatte. Die Klinik hat sie in das Johannesburger Krankenhaus weiter verwiesen, welches alle benötigten Instrumente zur Untersuchung hat. Man mag es kaum glauben, doch aufgrund ihres Flüchtlingsstatuses wollte man den Jungen nur gegen 350 Euro behandeln. Frechheit? Nein, das ist in meinen Augen einfach nur eine Verletzung der menschlichen Würde. Wie kann man als Arzt einen Patienten, der sichtlich Hilfe benötigt, aus Geldgründen nicht helfen wollen. Werden Ärzte nicht gerade deshalb als Engel in der Not beschrieben? Oder soll dies der Beweis dafür sein, dass Geld die Welt regiert und Menschlichkeit keine Wichtigkeit zugeschrieben wird?

Letztendlich bin ich mit dem Jungen zusammen in ein öffentliches Krankenhaus gegangen, in welchem ich den Jungen gegen eine kleine Gebühr registriert habe. Wahrscheinlich wäre dies ohne mich als weiße Person nicht möglich gewesen, weil der Junge sonst wieder abgewiesen worden wäre. Schlussendlich ist alles gut ausgegangen, der Junge hatte keine schlimmeren Verletzungen und ist nun wieder fit und munter. Zusammen mit der Schulärztin haben wir im Johannesburger Krankenhaus per Telefon nachgefragt, warum der Junge nicht behandelt wurde, haben regelrecht gestritten und versucht klar zu machen, dass dies ganz klar eine Handlung gegen die Würde ist. Alles jedoch ohne Erfolg. Letztendlich hätte der Junge wohl vor ihren Augen sterben können und sie hätten nichts unternommen. Ich muss schon zugeben, dass es einige Tage gebraucht hat, um diese Unmenschlichkeit und Verständnislosigkeit zu verarbeiten und es zerreißt mir immer noch das Herz. Zudem habe ich nun ein Horror vor öffentlichen Krankenhäusern in Südafrika. Um nicht zu sehr ins Detail zu gehen kann ich nur sagen, dass nicht jedes Zimmer Türen hat, man öfters mal Schreie hört und das ein oder andere Mal ungewollt Blut entdeckt.

Und nun noch zwei sehr schöne Nachrichten. Im August werden alle Kinder aus der 5. und 6. Klasse das erste Mal auf ein Schulcamp gehen können. Schon jetzt sind alle super aufgeregt und voll auf begeistert, nur ich werde leider nicht mehr dabei sein können. 🙁

Nach langer Planung, einigen Meetings und viel Engagement wird das Projekt am Ende des Jahres endlich um einen „library container“ – einen Bibliothekscontainer – reicher sein. Somit wird das Projekt eine richtige Bibliothek haben und im Büro wird mehr Platz geschaffen. Das Ganze wird von Standard Bank aus Südafrika gesponsert. Aber leider werde ich dies auch nicht mehr miterleben können. 🙁

Die Feier vom 125 Jährigen Bestehen der drei Maristen Schulen in Johannesburg

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Johannesburg von oben

Johannesburg von oben

Ja auch hier in Südafrika kann es ganz schön kalt werden!

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Hier nun endlich eine Karte mit all den Ländern aus denen unsere Kinder kommen.

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