100 Tage Nicaragua

ungeordnete Eindrücke der vergangenen Wochen:

Mein Geburtstag: Was für ein unvergessliches Ereignis! Für mich wurde so eine unglaublich tolle Überraschungsparty organisiert, die wahrscheinlich so überraschend war, weil sie einen Tag vor meinem Geburtstag stattfand. Unter einem Vorwand musste ich am Freitagmorgen nicht arbeiten und wurde am Nachmittag erst mal von meiner Kollegin Maryurie auf meinem Arbeitsweg aufgegabelt, „um noch was für die Kinder zu besorgen“. Dieses „was“ war dann letzlich nur eine Cola für sie, worüber ich dann ziemlich genervt war und umso größer war dann die Freude beim Betreten des Centros: Alles war geschmückt, sogar die Kinder mit Partyhütchen und eine riesige Prinzessin – eine Piñata – wartete auf mich. Zuerst wurde ich natürlich mit Glückwünschen übersäht, die ich sofort abwies und meiner Kollegin erklärte, dass das in Deutschland Unglück bringt. Ihre trockene Antwort: „Wie kann es Unglück bringen das Leben zu feiern?“

Die Kinder haben für mich mehrere Tänze aufgeführt, Spiele gespielt und zu guter letzt vorm Ausblasen der Geburtstagskerzen für mich gesungen. Beim Schreiben muss ich schon wieder grinsen, da dieser Moment, in dem über 60 Kinder aus vollem Halse und mit einem Lachen im Gesicht Geburtstagslieder singen, einfach nur unglaublich war.

Dann die nächste Überraschung: Der Kuchen war ein SCHOKOLADENKUCHEN! Ich denke, dazu muss ich nichts hinzufügen.

Danach wurde die Piñata verklöppt und anschließend noch getanzt. Am nächsten Tag wurde dann ausgiebig mit den Lieben zu Hause geskypt und anschließend die örtliche Disko unsicher gemacht. Das beste Geschenk hab ich übrigens von einem kleinen Kind geschenkt bekommen… einen hellblauen, aus sehr wenig Stoff bestehenden Schlüpfer. 😀

Reisen: Die letzten Wochenenden wurden von Franzi und mir mehr als ausgenutzt. Wir haben Agüizote (sowas wie das nicaraguanische Halloween, das natürlich auf gar keinen Fal überhaupt nicht irgendwas mit den USA zu tun hat) besucht und dabei gute Bekannschaften geschlossen. Eine von diesen, Angél, wurde am nächsten Wochenende dann direkt besucht. Da es hier mit den Freundschaften doch mehr als schwierig ist, bin ich umso trauriger, dass Angél im Februar nach Deutschland geht, um einen Freiwilligendienst zu machen. Das nenne ich mal Schicksal!

Ich habe schon viele schöne Orte gesehen und keins meiner gemachten Bilder könnte im mindesten die Schönheit dieses Landes wiedergeben und wie es sich anfühlt solche umwerfende Aussichten zu genießen. Trotzdem will ich sie keinem vorenthalten 😀

Bald trudelt auch schon mein Papa für zweieinhalb Wochen ein und das wird auch nochmal eine ganz tolles Erlebnis. Ich freue mich sehr, ihn wiederzusehen und hoffe, dass wir so viel wie möglich sehen und machen können. Ich würde sogar die Wette abschließen, dass ich nach diesem Urlaub ca. 60 Prozent der vorhandenen Vulkane bestiegen habe.

Arbeit: Jetzt ist es offiziell, dass der Alltag eingetroffen ist. Woran ich das merke? Ich finde Montage blöd. Haha, trotzdem macht mir meine Arbeit unheimlich Spaß und es macht mich glücklich helfen zu können. Natürlich gibt es Tage, an denen nichts klappt und alle Störenfriede doppelt rumstören oder einfach keiner motiviert ist, aber die halten sich noch in Grenzen. Ich werde immer aktiver, bringe meine Ideen ein und versuche so viel wie möglich an dem vorgenommenen Programm durchzuziehen. Sei es die gesetzten schulischen Ziele oder geplante Aktivitäten. Die Kinder meiner Gruppe sind mir unheimlich ans Herz gewachsen, jedoch werde ich bald einmal die Woche in anderen Gruppen arbeiten, um endlich alle Kinder kennen zu lernen.

Ich hatte kürzlich ein langes Gespräch mit meiner Chefin über unsere Arbeit und die Schicksale mehrerer Kinder. Was bei manchen zu Hause passiert ist oder noch passiert ist einfach unglaublich. Das ganze bedrückt mich noch mehr, weil ich die Kinder kenne und mag. Das hier ist kein anonymer Dokumentarfilm, das ist die Realität und umso mehr geht das ganze mir unter die Haut. Um damit fertig zu werden, gibt es für mich eine sehr einfache Lösung: Die Arbeit im Centro gut machen, die Kinder zu fördern und ihnen die oft verwehrte Aufmerksamkeit schenken.