Back to school :-D
24. Jan 2012 | von Sarah Patzelt | Kategorie: Freiwillige, Sarah Patzelt in Südafrika„Sorry I can’t help you”
Dies ist wahrscheinlich der Satz, den ich in den letzten 2 Wochen am häufigsten gebrauchen musste und der einem dann immer wieder die Grenzen der eigenen Möglichkeiten aufzeigt. „Entschuldige, aber ich kann dir nicht helfen.” Sag das einmal zu einem 8-jährigen Kind, dessen Wunsch es einfach ist in die Schule zu gehen, mit Kindern in seinem Alter zusammen zu sein und eben nicht den ganzen Tag in der Wohnung zu sitzen. Es guckt dich mit großen, traurigen Augen an und du kannst nix tun…
„Ich kann den Namen auf die Warteliste schreiben”
Three2Six hat vor 2 Wochen endlich wieder angefangen. Nun ja, die Kinder sind vor 2 Wochen wieder gekommen. Meine Kollegin und ich sind schon wieder ein bisschen eher zurück, um alles vorzubereiten. Und seit 2 Wochen muss ich ständig den Eltern und den Kindern erklären, dass unsere Klassenlisten voll sind. 150 Kinder! Das Projekt ist voll, mehr Kinder können wir nicht aufnehmen. Und trotzdem reist der Strom der Eltern nicht ab, jeden Tag kommen neue Eltern, um nach einem Platz für den Sohn oder die Tochter zu fragen. Und das Einzige, was wir machen können, ist die Namen auf eine Warteliste zu schreiben. Aber für die 2. Klasse haben wir mittlerweile 19 Kinder auf der Warteliste. Das ist fast eine neue Klasse! Wie hoch mag also die Wahrscheinlichkeit sein, dass Kind Nr. 19 wohl einen Platz bekommt…
Mehr als 50 Kinder sind insgesamt auf der Warteliste. Auf der einen Seite ist es wirklich schrecklich, da wir hier an die Grenzen des Projektes stoßen, auf der anderen Seite ist es ganz klar ein Zeichen, dass Projekte wie dieses gebraucht werden und dass man hier noch Ausbauarbeit leisten muss.
„Wir waren auf der Warteliste der öffentlichen Schule ganz vorne”
Auch dies ist einer der Sätze, der in den letzten 2 Wochen häufig gefallen ist. Viele Eltern haben sich letztes Jahr im Juni/Juli um einen Platz auf einer öffentlichen Schule gekümmert. Sie wurden dort auf die Warteliste gesetzt und laut Aussagen der Eltern, waren sich auch einer der Ersten. Und dann werden sie hingehalten. „Komm am ersten Schultag wieder und dann schauen wir mal…” Und sie kommen am ersten Schultag und es heißt nur: „Es gibt keinen Platz für dein Kind”
Die öffentlichen Schulen haben erst letzte Woche angefangen, daher erhöhte sich auch nochmal der Zustrom an Eltern, die gehofft hatten, einen Platz auf einer öffentlichen Schule zu bekommen und nun vor dem Nix stehen.
Aber wie überall haben wir auch Eltern, bei denen man einfach nicht versteht, warum sie erst jetzt kommen. (Offiziell haben wir die Registrierung im November geschlossen!)
So gibt es Eltern, die seit Jahren in Südafrika sind und die Kinder manchmal bis zu einem Jahr bereits hier sind. Die Eltern haben sich bisher aber nicht um eine Schule gekümmert. Manchmal liegt es einfach daran, dass sie von unserem Projekt noch nichts gehört haben (wobei wir in der Flüchtlingsgemeinschaft schon ziemlich bekannt sind) oder einfach, weil sie mit dem südafrikanischen Schulsystem nicht vertraut sind und glauben, dass man mitten im Schuljahr nicht mehr anfangen kann. Daher warten sie lieber bis zum Schuljahresanfang.
Und immer wieder hört man dann: „Ah Sissi, hilf uns.” Und man kann ihnen dann nur erklären, dass man keine Kinder aus den Klassen herausnehmen kann, um andere Kinder wieder hineinzubringen…
Manchen schaffen aber auch den Sprung zur öffentlichen Schule
Aber es gibt natürlich auch Positives zu berichten. So haben wir um die 30 Kinder, die es geschafft haben sich an öffentlichen Schulen registrieren zu lassen. Einige davon konnten wir auch etwas finanziell unterstützen, sodass die Eltern Schuluniformen und Schreibmaterialien für das Kind kaufen konnten.
Und letzten Mittwoch hatten wir dann Besuch von 2 ehemaligen Three2Six-Schülern in ihren neuen, schicken Schuluniformen. Sie sahen wirklich „smart” aus
Sie waren den ersten Tag in der Schule gewesen und wollten am Nachmittag mal schauen, was ihre Freunde in Three2Six machen. Es war schon schön zu sehen, dass es einige Kinder schaffen:-)
„She can play soccer”
Im Moment haben wir die Extraklasse noch nicht wieder in Angriff genommen, sodass ich um 14 Uhr noch nix zu tun habe und zu den Kinder auf’s Feld gehen kann. Die Jungen der 5. und der 6. Klasse spielen immer Fußball. Und ich habe mich letzte Woche ab und zu angeschlossen. Sie waren ganz erstaunt, dass ein Mädchen doch tatsächlich Fußball spielen kann ![]()
Lange halte ich aber bei der Mittagshitze nicht durch und bin immer froh, wenn die kleinen Erst- und Zweitklässler-Mädchen mich in Beschlag nehmen und ich eine Entschuldigung habe, das Fußballfeld zu verlassen
„I love Sarah.” „Yebo, me too”
Den Satz habe ich dann gestern gehört, nachdem ich wieder einmal Vertretungsunterricht in der 3. Klasse machen durfte.
Die Klasse ist dadurch gekennzeichnet, dass sie keine 2 Minuten still sitzen kann und jeder Kommentar von einem Schüler von 5 weiteren kommentiert wird:-)
Und da ihre Klassenlehrerin mit strenger Hand regiert, im Gegenteil zu mir, nutzen sie die Gelegenheit ein bissel „trouble” zu machen ![]()
Gestern war ich also in der 3. Klasse und unterrichtete. Oh Mann, gestern haben sie mich echt fertig gemacht, sodass ich dann irgendwann den Spaß beiseite lassen musste und meine strenge Seite herauskehren musste … (Ja, ich habe ein strenge Seite… manchmal… selten…). Ich war dann echt böse mit den Kindern und plötzlich sagt ein kleiner Junge mehr zu sich selbst: „I love Sarah” und die ganze Klasse stimmt ein. Na toll, da war die strenge Sarah wieder verschwunden und wir haben zum Abschluss dann doch noch’n kleines Spielchen gemacht
Zwischenseminar Tanzania
Morgen geht’s für mich dann zum Zwischenseminar nach Bagamoyo in Tansania. Ich freu mich auf der einen Seite schon riesig. Auch weil ich dort eine Freundin wiedertreffe, die ihren Freiwilligendienst in Sambia leistet. Aber auch, weil ich schon ganz gespannt bin, was die anderen Freiwilligen für Projekte haben und was sie so zu berichten haben. Vor allem, da es bei mir ja immer heißt, dass Südafrika nicht das „richtige Afrika” sei…:-)
Auf der anderen Seite ist im Moment einfach so viel Arbeit hier in Three2Six zu tun, dass ich eigentlich nicht weg will und meine Kollegin die Tage zählt, bis ich endlich wieder zurück bin ![]()
Nun ja, es ist wie es ist und ändern kann man es eh nicht. Oder um es mit den Worten meiner Kollegin zu sagen: „What can we do…” ![]()