Weihnachten, Silvester und Co.
1. Jan 2012 | von Sarah Patzelt | Kategorie: Freiwillige, Sarah Patzelt in SüdafrikaNun schreiben wir schon den 1.1.2012 und ich bin seit gut 4 Monaten in Südafrika. Die Zeit ist so schnell verflogen, dass ich mich manchmal wortwörtlich erschrecke, dass es jetzt „nur” noch 8 Monate sind, die mir hier bleiben.
Weihnachten und Silvester waren wirklich sehr schön, aber fangen wir von vorne an.
Einladungsmarathon oder auch Chicken und Braai ohne Ende
Die letzten 2 Wochen hatte ich sehr viele Einladungen zum Mittagessen oder zum Abendessen, da irgendwie jeder bedacht war, dass ich bloß nicht alleine zur Adventszeit bin. Das war wirklich sehr schön und ich habe mit Freude jede Einladung angenommen. (Und einen ganz klaren Vorteil hatte das Ganze nebenbei auch noch, ich musste nicht selber kochen :-D)
Nun ja, wie könnte es auch anders sein, wurde fast jedesmal gegrillt (südafrikanisch: Braai). Ich dachte wirklich, dass wir Deutschen schon verrückt mit dem Grillen sind, aber hier scheint es wirklich noch viel, viel verrückter zu sein. Nichts geht über einen Braai und wenn´s geht, so oft wie möglich und vor allem Fleisch, Fleisch und nochmals Fleisch, vorwiegend Chicken natürlich. Ehrlich gesagt, kann ich Chicken schon fast nicht mehr sehen, denn es gibt Chicken-Bratwurst, Chicken-Lasagne usw. Den einen Tag kam es soweit, dass ich zu einem Bekannten sagte, der mich fragte ,wohin ich denn heute gehen würde: „Zu einem Braai und wenn es dann wieder Chicken gibt, renne ich davon”. Natürlich gab es Chicken und natürlich bin ich nicht davon gerannt
Und so schlimm ist Chicken nun auch wieder nicht, so dass ich es wohl die nächsten 8 Monate mit Chicken aushalten werden
Südafrikanisches Weihnachten
So, nun aber zum Weihnachtsfest, was wahrscheinlich die meisten Leute interessieren wird. Wie wurde hier Weihnachten gefeiert?
Generell wird hier erst einmal nicht am Heiligabend gefeiert sondern erst am „Christmas Day” (=1. Weihnachtsfeiertag). Ich war trotzdem am Heiligabend bei meinem Chef und Familie zum Essen eingeladen (nein, es war kein Braai, sondern ein kaltes Buffet, aber ratet mal was es an Fleisch gab: Chicken :-D)
Nach dem Essen bin ich dann noch in die Mitternachtsmesse gegangen, die dann irgendwann gegen 1 Uhr nachts zu Ende war und anschließend haben wir noch einen Absacker getrunken. Es war wirklich ein sehr schöner heiliger Abend und nicht so viel anders als ein “deutscher Heiligabend” ![]()
Am nächsten Tag bin ich dann wieder bei meinem Chef und Familie zum Mittagessen eingeladen gewesen und mein Herz jauchzte als ich entdeckte, dass es kein Chicken gab, sondern Lamm und Kassler. Den Tag verbrachten wir dann, warum sollte es auch anders sein als im lieben Deutschland, mit Essen, Essen und nochmals Essen. Es gab zum Kaffee einen sogenannten „Christmas Pudding”, was sich als matschiger Schokokuchen mit Rosinen, Kirschen und allerlei weihnachtlichen Gewürzen heraustellte. (Sehr lecker!) Es war ein wirklich schön, entspannter Tag und glücklicherweise war uns das Wetter hold und es gab keinen Regen, sondern strahlenden Sonnenschein. (Ja, auch in Südafrika gibt es mal schlechtes Wetter und nachdem es Heiligabend ganze 14 Grad und bewölkt war, freuten wir uns alle über die Wärme :-))
Den 2. Weihnachtsfeiertag habe ich dann wieder mit einem Braai verbracht und anschließend bei der Suppenküche für Obdachlose, die hier in der Kirche montagabends geöffnet ist, geholfen.
Eine „Kuriosität” was Feiertage in Südafrika angeht, muss ich hier dann doch noch erwähnen und wahrscheinlich werden einige dann doch ein bissl neidisch werden. Denn sollte ein Feiertag auf einen Sonntag o.ä. fallen (was dieses Jahr für den Christmas Day und für New Years Day gilt) wird der freie Tag einfach auf den folgenden Tag verschoben. Das hatte zur Folge, dass letzte Woche sowohl der Montag (26. Dez) und auch der Dienstag (27.) frei war. Denn der 26. Dezember (Boxing Day = Die Leute strömen an diesem Tag in die Einkaufszentren, um ihre Weihnachtsgeschenke umzutauschen) war bereits ein Feiertag und so wurde der freie Tag vom 25. Dezember bis zum 27. Dezember verschoben. (Ich hoffe, das war verständlich ;-)) Wie ich dann allerdings entdeckte, bedeutet „Feiertag” nicht, dass die Einkaufszentren zu haben, sondern im Gegenteil wirklich wortwörtlich überlaufen sind.
Und nach wie vor fällt es mir schwer, mich an die Weihnachtsdekoration zu gewöhnen. Bzw. vor allem an die Dekoration des künstlichen Weihnachtsbaumes. Da in unserer Familie, es eher schlicht mit Strohsternen, Lichterkette und Kerzen gehalten wird, bin ich das ganze Geblinke, Geglitzer und Farbenfrohe nicht gewohnt. Es scheint hier die Aufgabe zu sein, soviel Grün vom Tannenbaum hinter blinkenden Weihnachtskugeln mit einem Rentier darauf, Lamette und bunter, blinkender Lichterkette zu verstecken, wie es nur möglich ist
Südafrikanisches Silvester
Im Grunde unterscheidet sich das “südafrikanische” Silvester nicht wirklich vom “deutschen” Silvester, außer vielleicht der Braai anstatt Fondue (wobei auch dieses hier an Silvester gemacht wird und ich einige wahnwitzige Personen kenne, die auch an Silvester in Deutschland grillen).
Interessant ist vielleicht zu erwähnen, dass man anscheinend eine Erlaubnis braucht, um ein Feuerwerk in der Wohnsiedlung abzufeuern. (Und ich muss sagen, nachdem was ich gestern direkt neben uns mitbekommen habe, brauchen einige Leute wohl auch einen Lehrgang in Sachen Feuerwerk) Und auch wenn man mir erzählte, dass viele Leute einen Haufen Geld für Feuerwerk ausgeben, können sie doch mit Deutschland (zumindest in dem Teil von Johannesburg, den ich vom Balkon aus sehen konnte) nicht mithalten. Was eigentlich auch nicht so schlimm ist, bedenkt man zum einen die wahnwitzige Idee, Millionen von Euro/Rand in die Luft zu feuern und zum anderen die Umweltverschmutzung, die damit einhergeht.
Und wieder fällt einem auf, dass wir Deutschen anscheinend bevorzugt nach Südafrika ausgewandert sind. Denn da sitzt man nichtsahnend am Tisch (ich wurde zum ersten Mal auch nicht mit: „Das ist meine Freundin Sarah. Sie ist aus Deutschland” vorgestellt) und auf einmal realisiert man, dass das ältere Ehepaar neben einem sich auf deutsch unterhält. Und natürlich: beim Nachfragen kommt heraus, dass der Ehemann als kleiner Junge mit seinen Eltern nach Südafrika ausgewandert ist. Mich würde echt interessieren, wie viele Deutschstämmige hier in Südafrika leben, denn egal wo ich auch hinkomme, irgendjemanden treffe ich dann doch, der deutsche Wurzeln hat und teilweise auch noch deutsch spricht
“Now” oder “now now”?
Ansonsten ist nicht wirklich viel passiert, ich habe frei und entspanne viel und sehe mir die Gegend an. Und dann ist eines Morgens nach meiner Joggingrunde mein Auto kaputt gegangen und ich stand 3 Stunden am Straßenrand und wartete auf jm., der mich abschleppen sollte. Er sagte mir nach 2 Stunden am Telefon, er wäre „now” (jetzt) auf dem Weg. Und als ich auflegte, dachte ich nur bei mir: „Mist, er hat nur „now” gesagt und nicht „now now”. Da kann ich mich wohl noch auf eine Weile Warterei einstellen. Und ich hatte Recht: 1 Stunde später traf er dann endlich ein. Das ist auch so eine Eigenart im südafrikanischen Wortschatz: „now” bedeutet keinesfalls, dass es sofort erledigt wird, sondern erst „nownow” ist gleichbedeutend mit unserem „jetzt”. Aber sobald man dieses für sich entdeckt hat, kann man damit sehr gut umgehen. Und obwohl ich Warterei hasse und ich schließlich 3 Stunden in stinkenden Joggingklamotten ohne Dusche und in praller Sonne (ich hatte meinen ersten Sonnenbrand :-)) warten musste, fand ich es komischerweise doch eher amüsierend
Abschließend bleibt mir noch zu sagen, dass ich allen ein frohes und gesegnetes neues Jahr wünsche ![]()