Zwischen Trauer und Fröhlichkeit - Beerdigung und Weihnachten

29. Dez 2011 | von Jakob Bauer | Kategorie: Freiwillige, Jakob Bauer in Nicaragua

Hallo ihr Lieben,

am 24. Dezember war es nun soweit. Das erste mal, dass ich ohne meine Familie und in einem fremden Land Weihnachten gefeiert habe.

Beginnen möchte ich dennoch mit der Geschichte von meinem letzten Arbeitstag. Dieser war am Freitag den 16. Dezember und es fand noch einmal eine “Purisima” statt. Am Tag zuvor hatten wir aus vielen kleinen Tüten, gefüllt mit Kaugummi, Reis, Schokolade, Keksen und weiteren Dingen, viele große Päckchen gezaubert. Diese überreichten wir dann nach der “Purisima” den Kindern. Zum Abschluss gab es dann noch ein Gruppenfoto mit allen Beteiligten. Ich war etwas traurig, da ich die Kinder nun für eine doch etwas längere Zeit nicht wiedersehen werde. Doch ich freue mich schon wahnsinnig darauf, im neuen Jahr wieder mit ihnen zusammen zu sein.

Komme ich nun zu einer etwas traurigeren Nachricht. Am Samstagmorgen, eine Woche vor Heiligabend, verstarb der Bruder meiner Gastmutter. Diese Nachricht hat mich sehr getroffen und mein ganzes Mitgefühl war in diesem Moment bei meiner Gastmutter. Dennoch war ich auch etwas verwirrt, da ich erstens den Verstorbenen nicht kennen gelernt habe und zweitens noch nie zuvor einen Todesfall eines Menschen in meinem weiteren Umfeld miterlebt hatte.

Es hat mich sehr betroffen gemacht, als ich meine Gastmutter so traurig gesehen habe und die Familie des Verstorbenen. Das nahm mich auch sehr mit, aber trotzdem hatte ich nicht diese Verbindung zu dieser Person und deshalb fiel es mir dann doch wahrscheinlich etwas leichter, auf die Situation zu reagieren. Das soll jetzt nicht bedeuten, dass ich nicht betroffen gewesen war, denn so eine Beerdigung und die ganze Prozedur die damit einherging, muss ich nicht unbedingt so schnell wiedererleben. Es war ein sehr schweres, ruhiges und betretenes Wochenende für mich. Auch war es eine sehr anstrengende Zeit, da viel organisiert werden musste, was für die Angehörigen sicherlich nicht die einfachsten Dinge waren. Ich nahm an allen Zeremonien teil und zeigte mein Mitgefühl. Dennoch hielt ich es auch für richtig, mich doch etwas außen vor zu lassen, da ich einfach nur wenige Verbindungen mit dem Bruder meiner Gastmutter hatte und wie gesagt, das auch ein wenig neu, seltsam und traurig für mich war.

Ich kann natürlich jetzt die Leute verstehen, die denken, wie kann man in einem Blog nur über so etwas privates aus seiner Gastfamilie erzählen, aber ich brauche das einfach. Es tut mir gut, wenn ich so etwas hier niederschreiben kann und dabei versuche zu erklären, wie ich es erlebt und verarbeitet habe.

Nach diesem Wochenende hatte ich das Gefühl, dass das Alltagsleben die Menschen doch sehr schnell wieder eingeholt hatte, denn am Montag ging es für alle wieder an die Arbeit.

Dadurch kam bei mir natürlich auch noch nicht wirkliche Weihnachtsstimmung auf und somit schlug ich oftmals die Zeit tot und hoffte inständig, dass mein Paket von meiner Familie aus Deutschland noch rechtzeitig hier angekommen würde. Es kam nicht rechtzeitig an und es ist auch heute immer noch nicht da.

Weitere Faktoren, die mich irgendwie nicht richtig in Weihnachtsstimmung kommen ließen, waren das warme Wetter hier, was ich zu so einem Jahreszeitpunkt natürlich überhaupt nicht kenne und überhaupt alle diese Dinge die für mich zuhause in Deutschland Tradition hatten. Es fehlte mir im Haus an Beleuchtungen, an weihnachtlicher Musik und am Geruch von frisch gebackenen Plätzchen. Letzteres habe ich durch meine Eigeninitiative und die Hilfe meiner Mutter noch etwas ändern können. Das Ergebnis war ein voller Erfolg und somit habe ich das Rezept schon auf spanisch übersetzt und weitergegeben.

Insgesamt also, war es dieses Jahr eine eher komische Vorweihnachtszeit, welche auch sehr schnell vorüberzog.

Am 22. Dezember konnte ich mich dann wieder einmal nützlich machen im Haus, indem ich half, über 100 Pakete mit zu verpacken. Dies war eine Aktion meiner Gastmutter, die für alle Mitarbeiter ihrer Tankstelle ein Weihnachtspaket zusammengestellt hatte. Darin befand sich z.B. Zucker, Reis, Bohnen, Cola, Kaffee, Kekse, Öl und andere weitere nützliche Dinge. Des Weiteren spendete mein Gastmutter auch noch Pakete für eine Kirche, die dort an Familien aus den jeweiligen Dörfern verteilt wurden.

Am Morgen darauf bin ich um 4 Uhr aufgestanden um an der Messe für Kinder um halb 6 Uhr in der Früh teilzunehmen. Hier heißt diese Messe “la misa de los ninos” und diese finden täglich eine Woche vor Weihnachten immer um halb 6 Uhr morgens in der Kirche statt. Dabei handelte es sich um die Kirche, von der ich den Pfarrer kannte, da dieser gut mit meiner Gastmutter befreundet ist. Wie es sich gehörte, ließ er mich in dieser Messe vor allen Leuten aufstehen und stellte mich allen vor. Dies war mir etwas peinlich und ich war leicht verlegen. Dennoch sah ich mit Freude, wie positiv die meisten Menschen dort auf mich reagierten und ich habe mich sehr darüber gefreut, als beim “der Friede sei mit dir” viele Kinder zu mir kamen und mich umarmten. Diese Nähe zu den Kinder gefällt mir sehr und ich fühle mich in ihrer Gegenwart sehr wohl.

Nun komme ich also zu Heiligabend.

Wie es sich natürlich gehörte regnete es an Weihnachten den ganzen Tag lang. Ich verbrachte den Tag damit, mein Geschenk für meine Gastmutter zu verpacken. Ich habe ihr ein Foto von uns geschenkt in einem Fotorahmen, etwas Weihnachtsmusik zum anhören und habe mit Freunden aus Deutschland geschrieben, um diesen frohe Weihnachten zu wünschen.

Gegen Abend trudelte dann nach und nach die Familie ein und die ganzen Geschenke wurden unter den Tannenbaum gelegt. Um 9 Uhr ging es dann zur Weihnachtsmesse. Die Messe enthielt ein sehr schönes Krippenspiel und hat mir sehr gut gefallen. Die Messen hier unterscheiden sich doch etwas von denen in Deutschland. Es ist meistens nicht ganz so still in den Messen wie bei uns, die Mikrofone sind eindeutig zu laut eingestellt! :D und vereinzelt gibt es Lieder, bei denen euphorisch mitgeklatscht wird und es dadurch für mich etwas abwechslungsreicher und lockerer wirkt. Die restlich Prozedur ist jedoch hier genauso wie in Deutschland.

Nach dem Gottesdienst ging es dann wieder nach Hause. Dort gab es für alles etwas zu essen, jedoch aßen wir nicht alle zusammen, was ich etwas schade fand. Währenddessen begann zeitgleich im Nebenraum schon die Bescherung und draußen wurde kräftig geböllert. Ja ihr habt richtig gelesen: geböllert! Der Gebrauch von Böllern, sowie die Tatsache, dass sich alle um Mitternacht frohe Weihnachten wünschten, erinnerten mich komischer Weise auch ein kleines bisschen an Silvester. Es war schon ein wenig anders dieses Weihnachten, da mir die vertrauten Personen fehlten. Aber es war auch spannend mitzuerleben, wie die Menschen hier Weihnachten feiern. Meine Gastmutter hatte sogar für mich ein Geschenk besorgt. Ich bekam ein schickes grünes T-Shirt und Parfüm. Eine weitere kleine Einzelheit, die ich euch nicht vorenthalten möchte ist, dass am Ende Perücken und Partyhüte verteilt wurden und dann noch viele Erinnerungsfotos geschossen wurden.

Alles in allem ging Weihnachten dieses Jahr doch recht zügig vorbei, ich habe die Zeit jedoch sehr genossen und bin froh einmal ein etwas “anderes” Weihnachten miterlebt zu haben.

Morgen, am 29. Dezember, werde ich mich auf den Weg nach Masaya zu meinem Freund Max machen und am Tag darauf werden wir uns dann gemeinsam auf den Weg nach San Juan del Sur machen um dort am Meer Silvester zu feiern und gut ins neue Jahr reinzurutschen.

Das war dann wohl der letzte Bericht in diesem Jahr…

Ich wünsche euch allen noch schöne letzte Tage im Jahr 2011 und hoffe das ihr alle gut ins neue Jahr 2012 rutscht, gesund bleibt und weiterhin mit viel Freude durch das Leben geht!

Ich werde mich dann im neuen Jahr wieder bei euch melden!

Viele Grüße aus Juigalpa,

euer Jakob

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