Erste Reise in Mexiko

3. Nov 2011 | von | Kategorie: Freiwillige 2011/12, Ricardo Rehfeld in Mexiko

Am Freitag, 21. Oktober, habe ich mich auf meine erste kleinere Reise durch Mexiko begeben. Ich bin früh morgens los nach Mexico City, um dort das andere Heim der Hogares Calasanz zu besuchen. In Mexico City gibt es zwei weitere Häuser für Jungs im Alter von sechs bis 20 Jahren, ähnlich wie in Puebla. In Mexico City sind es jedoch nur 20 Jungs, das Projekt ist also weitaus überschaulicher.

Als ich am Busbahnhof von Mexico City ankam, war ich erst einmal von der Stadt, dem Verkehr und der Menschenmenge überwältig. Die Stadt hat knapp 22 Millionen Einwohner und das sieht man überall. Von da aus ging es dann mit dem Taxi zu den Häusern von Hogares Calasanz. Beide Häuser liegen nicht weit auseinander auf einem Berg am Rande von Mexico City. Abends hat man einen beeindruckenden Blick über die Stadt. Im Heim angekommen, empfing mich Pater Reyes (der Chef von Hogares Calasanz in Mexico City und Puebla) und eine Horde fröhlicher Kinder. Nach einer kleinen Vorstellungsrunde mussten die Jungs zum Nachmittagsunterricht und ich hatte Zeit für ein Gespräch mit dem Pater über Hogares Calasanz in Mexico City, die Unterschiede zu Puebla…

Anders als in Puebla leben in Mexico City auch zwei benachteiligte Jungs. Lalo ist mittlerweile 17 Jahre alt. Er wohnt schon seit elf Jahren in Hogares Calasanz. Mit zwölf Jahren wurde bei ihm die Krankheit Multiple Sklerose festgestellt. Von Jahr zu Jahr wird seine körperliche Situation schlechter. Mittlerweile sitzt er im Rollstuhl. Die Ärzte haben ihm eine Lebenserwartung von 23 Jahren gegeben. Trotzdem ist er ein fröhlicher Junge und versucht das bestmögliche aus seiner Situation zu machen. Es war schön zu sehen, wie die anderen Jungs versuchen Lalo zu integrieren und auch ich hatte die Möglichkeit ein ausfürliches und interessantes Gespräch mit ihm zu führen. Er weiß nämlich so gut wie alles über den mexikanischen Fußball und ist immer auf dem neusten Stand, da er stolzer Besitzer des einzigen Radios im Hause ist 🙂

Der zweite Junge heißt Alfonso. Er ist 15 Jahre alt und wohnt auch schon acht Jahre im Heim. Vor vier Jahren hatte Alfonso einen tragischen Unfall. Er war auf seinem Fahrrad unterwegs und wurde von einem Auto angefahren. Seitdem ist er am ganzen Körper gelähmt und kann weder sprechen noch hören. Da er aber rund um die Uhr gute Hilfe bekommt, wird seine Situation immer besser und es gab schon erste Erfolge beim Sprechen und Gehen. Durch die neuen Situationen der beiden Jungs kamen natürlich enorme Kosten auf das Heim zu. Beide Jungs haben ihr eigenes Zimmer, Badezimmer, spezielle Arzttermine, rund um die Uhr Betreuung… Es war aber toll zu sehen, dass die Jungs und die Betreuer alle ihr bestmögliches für die beiden Jungs machen.

Am Abend war ich dann mit dem Pater und zwei Jungs bei einem Freund des Heimes eingeladen. Es war ein älteres Ehepaar aus Luxemburg, das seit 30 Jahren in Mexiko lebt. Ich konnte mich also munter auf Deutsch mit Ihnen unterhalten und der Herr hatte eine beeindruckende Lebensgeschichte zu erzählen, weshalb sich das Essen dann auch was in die Länge zog.

Am nächsten Tag war ich dann mit einem Leiter in Mexico City unterwegs. Die Stadt ist echt überwältigend. Da es aber so viele alte Autos und Busse dort gibt, hat man das Gefühl die ganze Zeit in einer Fabrikhalle rumzulaufen und fast zu ersticken… 🙂 Aber es gibt auch viele unglaublich schöne Dinge zu sehen. Es war sicher nicht das letzte Mal in Mexico City.

In der Nacht ging es dann nach Guadalajara, um Tamesh, den anderen Freiwilligen in Mexiko zu besuchen. Nach einer sechsstündigen Fahrt mit einem super Reisebus kam ich dann in Guadalajara an. In Mexiko gibt es keine Züge. Es geht alles nur mit Bussen, die aber sehr komfortabel sind.

Die folgenden Tage waren Tamesh und ich bei den Panamericanos, bei seinem Projekt, zwei Tage in Puerta Vallarta, einer sehr schönen Stadt am Pazifik, im Zentrum von Guadalajara und vieles mehr.

Ganz Guadalajara war für zwei Wochen im Ausnahmezustand, da dort dieses Jahr die Olympischen Spiele von Südamerika stattfanden. Es war echt toll, das am eigenen Leibe mitzuerleben. Und auch sich mit Tamesh über seine Erfahrungen im Heim und außerhalb seiner Arbeit auszutauschen war sehr gut. Alles in allem war es eine super interessante und auch erholsame Woche. Aber ich war auch sehr froh, diese Woche wieder mit den Jungs im Heim zu arbeiten.

Am Mittwoch wird hier der „Tag der Toten“ gefeiert. Mal schauen, was da so auf mich zukommt, aber es soll wohl mit Weihnachten, der wichtigste Tag im Jahr sein.

Tags: , , , , , , , , , ,

Kommentieren