100 Kinderärzte im ganzen Land

14. Okt 2010 | von Stefanie Frels | Kategorie: Vorbereitungsreise nach Tansania 2010

Heute ist Nyrere Day, ein großer staatlicher Feiertag. Im Krankenhaus arbeitet nur eine kleine Feiertagsbesetzung. Wir beginnen den Rundgang in der Neu- und Frühgeborenen-Intensivstation. Aufgrund der schlechten Versorgung mit Sauerstoffflaschen kommt es hier immer wieder zu Engpässen und Todesfällen. Außerdem gibt es keine Wärmebettchen, was durch eine extrem hohe Raumtemperatur ausgeglichen werden soll. Es fehlt jedoch noch an vielem mehr.

Das Krankenhaus ist deutlich in die Jahre gekommen und müsste dringend renoviert werden. Durch häufige Rohrbrüche blüht besonders in den unteren Etagen – hier auch die Neu- und Frühgeborenen-Intensivstation und die Entbindungsstation – der Schimmel an den Wänden. Bisher wird notdürftig überstrichen, für eine Komplettsanierung fehlt das Geld. Die Kinderstation weiter oben sieht deutlich besser aus, Licht und Luft machen die Räume gleich viel ansprechender. Wie überall in Tansania sind vor allem die Angehörigen mit der Pflege der Kinder betraut. Die meisten Mütter schlafen bei ihren Kindern im Bett. Wäsche wird gewaschen und über dem Balkongeländer getrocknet und auch die Toiletten müssen die Eltern selber reinigen.

Das Bugando-Krankenhaus hat eine große Ausbildungsabteilung, in der u.a. dringend benötigte Kinderärzte ausgebildet werden. So gab es vor zwei Jahren nur 100 registrierte Kinderärzte im ganzen Land. Die Mehrheit erreicht entweder den Qualifizierungsstand nicht, oder verlässt nach der Ausbildung das Land, um in Europa und den USA mehr Geld zu verdienen oder kommt von einem Überseestudium erst gar nicht zurück.

Ein besonders großes Problem im Bereich der Kindermedizin stellt die Kardiologie dar. Bisher müssen Kinder für die kleinsten Herzoperationen ausgeflogen werden. Das geht nur mit ausländischer Unterstützung und ist langfristig nicht haltbar, zumal eine Operation in Übersee bereits im Vorfeld mit viel Aufwand verbunden ist: Mutter und Kind benötigen einen Reisepass, der nur mit Geburtsurkunde erhältlich ist, beide benötigen ein Visum, die Restfamilie muss entsprechend versorgt sein und der zum Teil lange Aufenthalt im Ausland muss finanziell abgesichert werden.

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