Besser als nichts

Michael im kleinen Gemeindegarten. Fotos: Susanne Dietmann/Kindermissionswerk

Vorsichtig streicht Michael mit seinen Fingern über den jungen Spinat. „Der wächst wirklich gut“, sagt er stolz. „Hier drunter wachsen Zwiebeln, das ist Kohl und dort drüben Karotten“, erklärt der Gärtner. Ich bin zu Besuch in einer informellen Siedlung nahe der Stadt Bronkhorststpruit, nordöstlich von Johannesburg. Eine Wellblechhütte reiht sich an die nächste. Dennoch haben viele der Bewohner liebevoll einen kleinen Garten angelegt. Die Menschen kommen von überallher: aus den angrenzenden Nachbarstaaten oder vom Land – auf der Suche nach einer gut bezahlten Arbeitsstelle in der Stadt. Die Menschen sind sehr arm, viele von ihnen haben gar nichts. „Durch den Anbau und Verkauf von Gemüse und Pflanzen können sie Geld verdienen und sich selbst versorgen, zumindest teilweise“, erklärt Schwester Elisabeth Schilling, Projektpartnerin des Kindermissionswerks.

Die Siedlung ist eines von drei Programmen, das die Ordensschwester ins Leben gerufen hat, mit täglichen Speisungen für die Kinder, medizinischer Versorgung und einem Freizeitprogramm. „Hier haben wir mit einer Handvoll Kindern angefangen, doch die Siedlungen wachsen rasend schnell“, sagt sie. „Inzwischen sind es rund 50 Jungen und Mädchen.“ Würstchen mit Kohl und Kartoffeln stehen heute auf dem Speiseplan. Drei Köchinnen rühren abwechselnd das Essen in den riesigen Kochtöpfen um. Strom gibt es in der Siedlung nicht. Für die Wasserversorgung gibt es zwei Wassertanks mit einem Volumen von je 500 Litern. Die müssen ganze zwei Wochen lang für rund 300 Familien reichen. Auch Michael muss daher im Gemeindegarten sehr sparsam mit dem Wasser umgehen. Zeitungsschnipsel, Mulch und Stroh hat er in den tieferen Erdschichten vergraben. Einige Pflanzen sind auch mit Stroh bedeckt. Maßnahmen, die das spärliche Wasser möglichst lange in der Erde speichern sollen. „Noch können die Bewohner nur einen kleinen Teil zur Ernährung beitragen“, sagt Schwester Elisabeth Schilling. „Aber das ist besser als nichts.“

In Zithabeni wird schon mit Schläuchen und Bewässerungsanlagen gearbeitet.

Während die Siedlung hier noch in den Kinderschuhen steckt, ist Zithabeni – nur einige Kilometer entfernt – schon einen großen Schritt weiter. Statt einer Wellblechhütte als Gemeindehaus und Speisesaal, steht hier bereits ein Steinhaus. Hier erhalten die Kinder täglich eine warme Mahlzeit und werden nachmittags betreut. Die Mütter treffen sich in dem Gebäude und arbeiten an kunstvollem Perlenschmuck, den sie später verkaufen. Eine Aktion, die den Frauen ein kleines Einkommen sichert. Auch der Gemeindegarten ist um ein Vielfaches größer, mit einem ausgeklügelten Bewässerungssystem, groß gewachsenen Kohlköpfen und vielen anderen Gemüsesorten. Bis zu 600 Rand – umgerechnet rund 60 Euro – nehmen die Frauen hier mit dem Verkauf des selbstgezüchteten Gemüses ein. „Das ist nicht viel, aber es reicht ihnen zum Leben“, sagt Schwester Elisabeth Schilling.