Die wirklich wichtigen Dinge

21. Jun 2010 | von Susanne Dietmann | Kategorie: Reise, Susanne Dietmann in Südafrika

Fotos: Susanne Dietmann/Kindermissionswerk

Mitten in der Johannesburger Neustadt liegt der Market Photo Workshop, eine Werkstatt für junge Nachwuchsfotografen. Riesige, eingerahmte Bilder schmücken die Wände – Fußballszenen, Landschaften, Aufnahmen aus einem Township. Während in einem Computerraum mehrere Studenten ihre Fotos auf großen Computerbildschirmen sortieren und bearbeiten, wird nebenan noch ganz altmodisch entwickelt, in der Dunkelkammer mit Entwickler und Fixierer.

Seit dem WM-Start am 11. Juni sind 15 junge Fotografen im ganzen Land unterwegs, in den großen WM-Städten Johannesburg, Durban, Kapstadt oder Port Elisabeth, aber auch in unscheinbaren ländlichen Siedlungen wie Emoyeni am Ostcap oder Sebokeng in der Provinz Gauteng. Mit ihren Kameras fangen sie das ein, was viele WM-Besucher nicht zu Gesicht bekommen werden. „Trolly pusher” – Obdachlose in den großen Metropolen, die all ihr Hab und Gut in Einkaufswagen oder auf einem Rollbrett transportieren, oder arbeitslose Jugendliche, die in einem Millieu der Gewalt und Drogen aufwachsen. Auch am Tag des WM-Eröffnungsspiels haben die Fotografen ganz unterschiedliche Szenen festgehalten: Kinder in den Straßen von Soweto, Obdachlose, die sich bei Sonnenuntergang in Johannesburg einen Ball zuspielen.

„Das war wirklich unglaublich”, berichtet Matthias, der eben von einer Fotoreise aus einem verschlafenen Dorf in der Provinz Mpumalanga zurückgekehrt ist. Auf seinen Bildern hat er Momente eines großen Fußballfestes eingefangen – mit traditionellen Tänzen in Fußballtrikots, Theater und einem riesigen Bettrost, der als Grill dient. Das Fußballspiel auf dem kleinen, batteriebetriebenen Fernseher scheint eher nebensächlich zu sein.

„Unsere Schüler beschäftigen sich mit den wirklich wichtigen Dingen in ihrem Leben, im Leben der Gemeinschaft, in der sie fotografieren und letzendlich im Leben unserer Gesellschaft”, sagte David Goldblatt, Gründer der Fotowerkstatt, anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Fotoschule im vergangenen Jahr. World Cup Rural & Urban Photo Diary haben die Schüler ihr WM-Fotoprojekt genannt, in dem sie während der Weltmeisterschaft einen ganz besonderen Einblick ermöglichen.  –>

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