„Afrika ist eure Familie”

18. Jun 2010 | von Susanne Dietmann | Kategorie: Reise, Susanne Dietmann in Südafrika

Ein Fußballfeld aus Papier.

Es ist kalt an diesem Freitagmorgen – bitterkalt. Eingepackt in warme Jacken, Schals, Mützen und Handschuhe sitzen die Jungen und Mädchen in den Schulbänken. Einige der Lehrer haben den Unterricht auch nach draußen verlegt, in die wärmende Sonne. 

Während die Schüler des Sacred-Heart-College im Johannesburger Stadtteil Observatory ihre verlängerten Schulferien genießen, sind die rund 200 Jungen und Mädchen des „Three2Six“-Programms auch in der Ferienzeit hier. Ganz freiwillig pauken sie Englisch und Mathe.

Matheunterricht bei den Jüngsten.

Sie alle sind als Flüchtlinge nach Südafrika gekommen – aus Ruanda, Simbabwe und Sudan, aus dem Kongo oder Äthiopien. „Viele von ihnen haben keine Papiere, sprechen die englische Sprache nicht oder ihre Eltern können sich die Schulgebühren nicht leisten”, erklärt Elinor Kern, die Fundraiserin der Schule. Vom staatlichen Schulsystem sind die Kinder daher ausgeschlossen. In den Nachmittagsstunden (von 15 bis 18 Uhr, daher auch der Name des Programms) werden die Kinder am Sacred-Heart-College kostenlos unterrichtet - auch in den Ferien. Ziel ist es, die Jungen und Mädchen auf die staatlichen Schulen vorzubereiten. „Im vergangenen Jahr haben es leider nur sechs Kinder geschafft”, erzählt Elinor Kern. „Es ist sehr schwer, die nötigen Papiere zu bekommen, und der Staat scheint sich nicht für diese Kinder zu interessieren.” Neben dem Unterricht werden die Kinder auch psychologisch betreut, denn viele von ihnen haben Schlimmes erlebt, bevor sie nach Südafrika gekommen sind.

Doch auch hier werden sie oft mit einer großen Fremdenfeindlichkeit konfrontiert. Im Mai 2009 gab es in Johannesburg letztmals Übergriffe auf Flüchtlinge - seitdem werden die Kinder mit dem Bus zur Schule gebracht. In einem Comic-Workshop beschäftigen sich die älteren Schüler während des Ferienprogramms mit dem Thema und erzählen, warum sie selbst nach Südafrika gekommen sind. Am Ende soll ein Comicheft gedruckt werden, das auch an anderen Schulen verteilt wird. „Für die Integration der Kinder wird wenig getan, wir wollen wenigstens einen kleinen Teil dazu beitragen”, sagt Elinor Kern.

Gedicht: "Afrikanisches Kind". Fotos: Susanne Dietmann/Kindermissionswerk

Während die Jüngsten auf dem Sportgelände herumtoben und die Zweitklässer im Matheunterricht den Zahlenraum bis 20 erkunden, schreiben die Viertklässer im Englischunterricht ihre Fußballerlebnisse vom Vortag auf und zeichnen dazu. Die älteren Schüler verfassen frei Texte. Während einige Mädchen die Liedzeilen eines bekannten Popstars wiedergeben, hat Leratho (Name geändert) ihr eigenes Gedicht geschrieben: „Afrikanisches Kind”. „Ich bin stolz, ein afrikanisches Kind zu sein, und als afrikanisches Kind habe ich eine Verantwortung…”, heißt es darin. Und am Ende: „Deswegen, meine afrikanischen Mitbrüder, sage ich euch: liebt eure Familie. Afrika ist eure Familie.”

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Ein Kommentar
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  1. Hallo!
    Ich bin zufällig über den kleinen Artikel gestolpert und freue mich, dass das Three2Six Projekt so publik gemacht wird! Ich selbst bin seit ca. 2 Monaten hier am Sacred Heart College um beim Three2Six Projekt mitzuhelfen. Das ganze mache ich als Ersatzzivildienst. Letzte Woche wurde das Comicheft vondem du schreibst veröffentlicht, bzw. den Kindern gezeigt. Wie bist du auf das Projekt gekommen?
    Viele Grüße aus Johannesburg
    Martin

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