“Erschreckend, was sie diesen Menschen angetan haben“

16. Jun 2010 | von Susanne Dietmann | Kategorie: Reise, Susanne Dietmann in Südafrika

Heute ist Nationalfeiertag in Südafrika. Landesweit wird der Tag der Jugend gefeiert, im Gedenken an rund 20.000 Schüler und Studenten, die am 16. Juni 1976 in Soweto (South Western Townships, südliche Wohngebiete) auf die Straße gingen, um gegen die Rassentrennung in Südafrika zu protestieren. 23 Demonstranten wurden damals getötet, als die Polizei das Feuer auf die Menge eröffnete. Die Unruhen breiteten sich aus und am Ende waren insgesamt fast 200 Tote zu beklagen.

Schwarz und Weiß getrennt – Eingang des Apartheidsmuseums.

Demokratie – Versöhnung – Vielfalt. Fotos: Susanne Dietmann/Kindermissionswerk

34 Jahre später: Die Fanparks füllen sich langsam und ganz Johannesburg fiebert gespannt dem zweiten Spiel der südafrikanischen Nationalelf entgegen. Ich bin sehr erstaunt über die Menschenmassen, die sich noch spätnachmittags durch die Gänge des Apartheidmuseums drängen. Fußballfans aus aller Welt nutzen die Zeit zwischen den Spielen, um einen Blick in die Geschichtsbücher Südafrikas zu werfen. Ein kolumbianisches Kamerateam dreht einen Fernsehbeitrag.

„Das gehört dazu, schließlich will auch noch etwas anderes sehen als nur die Stadien“, erklärt mir Theo aus Griechenland. „Es ist erschreckend, was sie diesen Menschen angetan haben.“ Unterschiedliche Eintrittskarten teilen die Besucher in “Schwarz” und “Weiß”. Die separaten Eingänge lassen jedoch nur erahnen, wie es für die Menschen während der Apartheid gewesen sein muss, unterschiedliche Verkehrsmittel zu nutzen, in getrennten Wohnsiedlungen zu leben und vom Wahlrecht ausgeschlossen zu sein – diskriminiert zu werden. Ein großer Teil der Ausstellung ist auch den Soweto-Aufständen von 1976 gewidmet.

16. Juni 2010, 22:37 Uhr, Jolly Cool Bar, Johannesburg, Stadtteil Parkhurst: Menschen aus aller Herren Länder – Europäer, Asiaten, Afrikaner – betrauern gemeinsam die 0:3 Niederlage der Bafana Bafana, „ihrer Jungs“. „Beim Fußball ist es egal, welche Hautfarbe du hast“, stellt Laura (29) aus Dublin treffend fest, „Hauptsache der Ball geht ins Netz.“ Leider hat das bei der südafrikanischen Nationalmannschaft heute nicht funktioniert.

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