Kinderradio auf Afrikanisch

23. Okt 2009 | von Stefanie Frels | Kategorie: Aktuell, Reise, Stefanie Frels in Uganda 2009

Der Tag fängt früh an, damit ich die Radiostation besichtigen kann, bevor das wöchentliche Treffen aller Mitarbeiter um 9.30 Uhr stattfindet. Nach dem Vergleich verschiedener Krankenhäuser und –stationen bin ich so manche Qualitätsunterschiede gewöhnt, aber so eine angenehme Überraschung hatte ich nun doch nicht erwartet. Während andere Radiostationen hier sowohl mit gravierenden technischen als auch inhaltlichen Mängeln zu kämpfen haben, hat sich hier das große Engagement verschiedener Geber wirklich ausgezahlt. Die Mischung aus gutem technischem Equipment und entsprechend ausgebildetem Personal ist gelungen. Darüber hinaus fühlt man hier einen wirklich überzeugenden Teamgeist gepaart mit sehr viel Stolz auf das, was bisher geleistet wurde.

An Radio Pacis angeschlossen ist in ein Medienzentrum, das Einkommen durch Internetservice und Druckservice erwirtschaftet. Das von Radio Pacis direkt erwirtschaftete Einkommen rekrutiert sich aus verkaufter Sendezeit. Wobei sehr sorgfältig ausgewählt wird, wer denn hier senden darf. Häufig sind es Regierung oder NGO’s mit Aufklärungs- und Entwicklungsprogrammen. Bedingt durch die strikte Auswahl der Fremdbeiträge bleibt immer wieder eine Finanzierungslücke, die u.a. durch unseren Beitrag für die Kinderprogramme geschlossen wird. Langfristig soll Radio Pacis aber auf eigenen Füßen stehen. Alle sind begeistert von der Idee der Rundfunkgebühren, die hier aber nicht umsetzbar ist.

Im Rahmen des wöchentlichen zweistündigen Meetings wird - neben anderen Dingen - auch immer ein Programm evaluiert. Anlässlich meines Besuchs werden heute „Bible for Kids“ und „Amazing Life“ besprochen. Beide Programme werden von Kindern im Alter von sechs bis 14 Jahren mitgestaltet bzw. richten sich auch an diese Zielgruppe. Wobei besonders „Amazing Life“ sich je nach Thema der Diskussion (diesen Samstag „Polygamie“) eher an die älteren richtet, da sie in Englisch ist.

Im Gegensatz dazu ist „Bible for the Kids“ ein einstündiges Programm, in dem die Lesung des jeweiligen Sonntags ausgewählt, vorgetragen und dann besprochen wird, und das in einer der Muttersprachen. Überwiegend aber in Lugbara, der in Arua überwiegenden Sprache. Die Kollegen finden das Programm zu stark gelenkt, die Kinder sollten mehr frei sprechen können. Außerdem regen sie an, wieder andere Sprachen anzubieten. Da die Radiostation über zwei Kanäle verfügt, könnte man zumindest zwei Sprachen parallel anbieten, das ist aber in Ermangelung von entsprechenden Muttersprachlern derzeit nicht möglich.

Außerdem haben die beiden jungen Frauen, die neben diesen beiden Programmen auch noch als Sprecher für anderes fungieren, schon alle Hände voll zu tun mit den wahlweise sehr wuseligen oder völlig verschüchterten Kindern. Sie bitten die anderen Kollegen um mehr Unterstützung. „Bible for Kids“ wird immer im vorhinein aufgezeichnet, da ist man bereits im Advent.

Kinder machen Radio

Diese beiden Kinder machen mit bei der Radiosendung "Amazing Life".

Zwei dieser Kindergruppen darf ich am Nachmittag treffen, die eine bei der Aufnahme, die andere beim Proben. Sie werden begleitet jeweils vom Katecheten der Gemeinde, der sie angehören. Sehr schnell stellt sich heraus, dass die Art des Katecheten einen großen Einfluss auf das Gebaren der Kinder hat. Die beiden Moderatorinnen Kevin und Thaibo sind sehr darum bemüht, sowohl Kinder als auch Katecheten entsprechend einzunorden: Grüße bitte erst am Ende, langsam, laut und deutlich ins Mikrophon sprechen, möglichst keine Nebengeräusche erzeugen…

Und wenn man überlegt, wie fremd solche Dinge für die Kinder hier sind und unter welchen Bedingungen sie leben, ist es beeindruckend, wie gut die Kinder sich auf das Ganze einlassen können. Manche Kinder sind auch müde nach einem langen Schultag, einem langen Fußweg von oft drei bis vier Kilometern, und gegessen haben sie auch nicht viel.  „Amazing Life“ wird samstags morgens live übertragen. Kann ich also morgen sehen.

Nach dem Mittagessen fahren wir in die Stadt, damit ich eine Kleinstadt mit 18 Moscheen sehen kann. Aufgrund des Kriegs im Südsudan sind viele Flüchtlinge hier angelandet und auch geblieben. Heute am Freitag sind die Straßen voll mit Männern und kleinen Jungen in Kanzus. Auf dem Markt haben alle große Freude an unserer Kleingruppe bestehend aus einer weißen „Schwester“, einem weißen „Bruder“ und Mary aus dem Print Department. Als sie feststellen, dass sie hier den Chef von Radio Pacis vor sich haben, gibt es viele Geschichten und noch mehr Gelächter. Der Geschäftsführer von Eagle Air verspricht uns morgen früh anzurufen, wenn der Flieger wirklich kommt. Da er aus Yei (Südsudan) kommt, ist er nicht immer pünktlich und ich habe so die Chance, ein bisschen bei der Livesendung „Amazing Life“ dabei zu sein.

Sheri hat zum Abendessen Fr. Tonino, Kevin, Thaibo, Sam (Programmchef) und mich eingeladen. Kevin und Thaibo gucken sich alles genau an, besonders Kevin hat sich geschworen, viel von Sheri’s Kochkunst zu kopieren. Außerdem hat Sheri ein Strategiespiel, was uns in Gruppen neu zusammenwürfelt und den Respekt vor allem vor meiner Person ein wenig schwinden lässt. Dafür bin ich ihr sehr dankbar. Den Rest des Abends packe ich wieder meine Tasche, sortiere und verstaue vor allem mein Straußenei und die Adungu – passt sicher gut zum Balafon – flugsicher.

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