Paviane, eine Radiostation und das Problem mit dem Strom
22. Okt 2009 | von Stefanie Frels | Kategorie: Aktuell, Reise, Stefanie Frels in Uganda 2009Wir fahren in die Stadt, damit ich erstens das Postamt, zweitens den Markt und drittens die Kathedrale sehe. Bischof Franzelli werde ich leider nicht treffen, da er zur afrikanischen Synode nach Rom gereist ist. Seinen Entwicklungskoordinator leider auch nicht, der ist in Pajule, so dass ich nur einen Brief hinterlasse.
Auf dem Markt erstehen wir für teures Geld Kochbananen, die einem im Süden hinterher geworfen würden.
Das Mittagessen wird heute vorgezogen, damit ich rechtzeitig abfahren kann. Die Hinfahrt hat Bosco fünf Stunden gekostet, zurück werden es mehr. Aber zunächst hat er noch schnell einen Hahn und eine Henne erstanden, damit er zu Hause in die Zucht einsteigen kann. Schwester Norma hat Mitleid mit meiner Reisetasche und spendiert einen Karton, indem die Hühner für die Dauer der Reise wohnen können. Ein leichter Regen begleitet uns die ersten Kilometer unserer Reise auf roter Piste. Paviane haben sich an einem strategischen Punkten aufgestellt, um eventuell abfallenden Bananenschalen etc. abzugreifen. Das Auftauchen einer Gazelle und einer Herde „red monkeys“ ist vielversprechend, und Bosco prophezeit Elefanten, Krokodile und Hippos.
Aber dann in Karuma, an der Kreuzung nach Kampala im Süden und Arua im Norden, als endlich die Teerstraße beginnt, schüttet es wie aus Eimern und hört auch bis 500 Meter vor Arua nicht mehr auf. Phasenweise sieht man keine zehn Meter weit und der zusätzlich einsetzende Hagel gepaart mit imposanten Blitzen verunsichert Bosco zusehends. Die Busfahrer, die uns bedrohlich schleudernd in Richtung Kongo und Sudan überholen, scheinen sich umso sicherer zu fühlen. Die Überquerung des Albert-Nil erleben wir nur in einem einheitlichen Rauschen. Zwischendurch gibt es immer wieder Lageransammlungen, die sich – wie schon auf dem Weg nach Lira – noch nicht völlig aufgelöst haben, bzw. eine derartig feste Struktur entwickelt haben, dass sie wohl eher bleiben werden. Sobald der Regen schwächer wird kann man in der Ferne eine Hügelkette erahnen, dahinter liegt der Kongo. Von Arua sind es nur noch zehn km bis zur Grenze.
In Arua warten schon Sheri, Fr. Tonino und Fr. Isaac. Sie laden mich zum Abendessen in das europäischste Lokal der Region ein. Es ist den diversen Lodgen in den Nationalparks nachempfunden und es vegetarisches indisches Essen! Hurra! Zum ersten Mal seit Wochen muss ich wieder Pullover und lange Hose tragen, angeblich ist aber nur mir so kalt. Habe den Temperatursturz von 35° Grad auf 25° Grad noch nicht geschafft.
Beim Essen erzählen die drei von Radio Pacis (www.radiopacis.org) und den Arbeitsumständen. Die gesamte Region West-Nile hat keinen Strom, da der Damm, der bereits vor zwei Jahren fertig gestellt werden sollte, immer noch nicht fertig ist. Deshalb hat man sich kurzfristig für einen gigantischen Generator entschieden, der zumindest 18 Stunden am Tag Strom für all die produzieren soll, die an das offizielle Stromnetz angebunden sind. Das funktioniert jedoch auch nicht.
Radio Pacis überlebt mit Solarstrom, eigenem Generator und vor allem großen Batterien, die zunächst allen Strom sammeln, damit er dann geregelt eingespeist werden kann. Das verhindert auch den Ruin der Geräte. Außerdem beschäftigt derzeit die Schließung einiger Radiostationen während der letzten Unruhen um den Kabaka alle Medienbeteiligten. Die Stationen hatten in ihrer Muttersprache zu Unruhen aufgerufen. Die einzige daran beteiligte katholische Radiostation ist inzwischen wieder on air, die anderen noch nicht. Die Meinungen hierzu sind sehr gespalten. Uganda tut sich mit der Pressefreiheit im Allgemeinen sehr schwer, auf der anderen Seite wird vielerorts mit der Macht der Medien auch nicht verantwortungsbewusst umgegangen.