Hitze in Kitgum
20. Okt 2009 | von Stefanie Frels | Kategorie: Aktuell, Reise, Stefanie Frels in Uganda 2009Wir haben das Programm geändert und fahren heute schon nach Kitgum. Unter einer wilden Mischung aus Costa Ricanischer Musik, Erzählungen aus Kriegszeiten und viel Weltwissen schaukeln wir auf der frisch planierten Piste entlang an Kreuzen für im Krieg gestorbene Missionare, durch Camps an der Straße, die sich beinah aufgelöst haben. Überall werden Programme inszeniert, die den Rückkehrern soziale Sicherheit geben und ihre Rücksiedelung nachhaltig sichern sollen. Auf dem Weg sieht man viele Frauen mit einer halben Kalebasse auf dem Rücken. Darunter verbirgt sich der Kopf des Babys, das sie tragen. Hier oben im Norden ist es extrem sonnig und heiß. Trotzdem hat es bis vor drei Tagen ausgiebig geregnet, so dass überall große Pfützen stehen. Hätte es heute Nacht geregnet, würden wir jetzt im Schlamm stecken. Kitgum scheint das Zentrum aller Hilfsorganisationen zu sein, vor allem auch derer, die im Südsudan arbeiten. Wir werden heute bei den Comboni Missionaren übernachten, Comboni Schwestern gibt es hier nicht mehr.
Ich treffe Dr. Lawrence Ojom. Er ist seit sechs Jahren der Leiter des St. Joseph Hospitals in Kitgum. 1947 wurde das Krankenhaus von Comboni Missionaren gegründet. Über all die Jahre hinweg wurde das Krankenhaus durch katholische Hilfsorganisationen unterstützt, zwischendurch hat auch die Regierung eine tragende Rolle gespielt. Heute kommen 61 % der Gelder von ausländischen Gebern, 27 % vom ugandischen Staat in Form von Medikamenten und 12 % von den Patienten in Form von Gebühren.
So kostet etwa die Behandlung eines Kindes 5.000 Uganda-Schilling (rund 2 Euro), egal wie lange sie dauert. Dasselbe gilt für eine Entbindung. Alle anderen Patienten bezahlen für die Gesamtdauer ihrer Behandlung 22.000 Uganda-Schilling (rund 8 Euro). Medikamente zur TB-Behandlung und ARV-Medikamente werden kostenlos ausgegeben. Das Krankenhaus hat insgesamt 350 Betten, die derzeit 100 Betten auf der Kinderstation reichen immer noch nicht aus. Deshalb wird ein weiterer Ausbau geplant, der Rest der Kinderstation muss dringend renoviert werden. Im Einzugsgebiet leben rund 95.000 Menschen, wobei diese Zahl genauso abnimmt, wie die Zahl derer, die noch in den umliegenden Camps leben.
Derzeit sind 216 Menschen vom Krankenhaus angestellt, die Personallage ist allerdings sehr instabil, da niemand, der nicht von hier kommt, gerne länger bleibt. Nun wird das St. Joseph zum Lehrkrankenhaus gemacht, d.h. eine größere Gruppe von Studenten wird regelmäßig drei Monaten hier verbringen. Hoffentlich entscheidet sich der ein oder andere, nach seinem Abschluss wiederzukommen. Täglich kommen 300-400 Patienten, von denen 50-60 stationär aufgenommen werden. Viele Kinder, die mit Malaria, Durchfallerkrankungen oder Lungenentzündung eingeliefert werden, sind unterernährt. Darüber hinaus kommen viele Kinder aufgrund massiver Unter- bzw. Fehlernährung ins Krankenhaus. Auf der Ernährungsstation werden speziell angereicherte Breis etc. kostenlos ausgegeben. Für alle anderen müssen die Verwandten kochen, nur in absoluten Notfällen kann das Essen durch das Krankenhaus ausgegeben werden.
Das Community Health Department führt ein „Outreach-Programm“ durch, d.h. die Betreuung der Patienten in ihren Dörfern und Lebensgemeinschaften, Fortbildung der Mütter in Bezug auf Ernährung, Hygiene und Gesundheit ihres Kindes, größere Impfkampagnen, HIV-Tests und -behandlung. Werden stark unterernährte Kinder angetroffen, so werden sie ins Krankenhaus eingewiesen. Zu den technischen Errungenschaften gehört eine durch Generator und Sparbatterien gesicherte Stromversorgung. Stromschwankungen müssen durch einen Equalizer aufgefangen werden, da in der Vergangenheit viele Geräte durch die Schwankungen kaputt gingen. In Zeiten von normaler Stromversorgung wird auch ausreichend Strom in den Sparbatterien gespeichert, der dann bei Bedarf abgerufen werden kann. Noch eine Zahl für die Statistik: Im St. Joseph’s liegt die Sterberate bei nur 2%, das ist sehr niedrig.