Unterwegs nach Norden
19. Okt 2009 | von Stefanie Frels | Kategorie: Aktuell, Reise, Stefanie Frels in Uganda 2009Der Flieger kommt erst gegen 9.40 Uhr, das gibt Zeit für einen letzten Rundgang über das mir sehr lieb gewordene Krankenhausgelände. Noch ein Besuch bei den Drillingen, die schon zunehmen, ein letzter – fehlgeschlagener – Versuch, eine E-Mail zu verschicken und dann muss ich los.
Die Start- und Landebahn ist direkt hinter dem Krankenhausgelände. Der Pilot heißt Sam und kümmert sich sehr engagiert um seine Passagiere. Maximal zwölf dürfen es sein, wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass die kleine Maschine dann noch abhebt. Jedenfalls darf ich hinter ihm sitzen und im Notfall den Feuerlöscher bedienen.
Die Reise entpuppt sich als eine Rundreise über den gesamten Nordosten des Landes. Von Matany über Moroto nach Kotido, weiter bis zu einem Flecken, der wohl nicht erwähnenswert ist, nach Pader und endlich Lira. Das Ganze dauert drei Stunden, innerhalb derer die Landschaft und auch die Bebauung sich von absoluter Dürre und extrem wehrhaften Dörfern in vereinzelte Hütten, eingebettet in grüne Felder, verwandelt.
Im zentralen Norden sind die Menschen zu beständigen Ackerbauern geworden. Nach den langen Kriegsjahren gibt es hier keine großen Herden mehr, die vor Überfällen geschützt werden müssen. Das friedliche Ackerbauerdasein täuscht darüber hinweg, dass die Mehrheit der Menschen erst vor kurzem aus den Lagern zurückgekehrt ist.
Schwester Norma Allan Braun holt mich am Airstrip ab und ist schon völlig geschafft, weil der Flieger zehn Minuten früher als geplant gelandet ist. Lira ist eine kleine, lebendige Stadt, in der viele Hilfsorganisationen ihren Sitz haben. Der Konvent der Comboni Schwestern liegt etwas außerhalb an der Kathedrale von Lira. Unterwegs halten wir am neuen Zentrum von COSBEL (Community Seeking for Better Living). Von hier aus finden verschiedene Aktivitäten für HIV-positive Menschen statt, wobei ein besonderes Augenmerk auf die Kinder gerichtet wird.
Der hiesige Konvent beherbergt vor allem ältere italienische Schwestern. Schwester Norma ist die einzige Afrikanerin hier, kommt aber aus Costa Rica. Mit ihren 52 Jahren ist sie die weitaus jüngste und agilste. Sie ist derzeit auch für die Aussätzigen-Hilfe in Kitgum und Gulu verantwortlich. Ein Teil der mit Lepra infizierten Kinder wird bereits medikamentös behandelt und sollen natürlich weiterhin die Schule besuchen. Da ihre Eltern häufig selber nicht nur infiziert, sondern durch die Krankheit körperlich behindert sind, können sie nur selten selber für die anfallenden Kosten aufkommen. Diese Kosten könnten weiterhin durch Spenden gedeckt werden.
Schwester Norma wird im März nächsten Jahres, nachdem sie ihre Nachfolgerin eingearbeitet hat, das Land verlassen und nach Costa Rica zurückgehen. Vorstellen kann sie sich das aber eigentlich nicht, hat sie doch die letzten Jahre in Uganda zugebracht. Sie hat hier wie viele andere auch, unter dem Krieg und seinen Auswirkungen gelitten, eine Landebahn in Morulem gebaut und nicht zuletzt das große Programm zu Leprabekämpfung im Norden des Landes geleitet. Sie liebt ihre Arbeit mit den Menschen und fordert zugleich sehr viel Eigeneinsatz.
Ganz anders Schwester Joe Martin, Little Sisters of Mary Immaculate of Gulu. Sie hat die Verantwortung für ein Kinderpatenschaftsprogramm notgedrungen übernehmen müssen, weil im Jahreswechsel ihre Vorgängerinnen versetzt wurden. Um dieses müht sie sich jetzt zwar, aber wir werden hier nur noch die Kinder, die aktuell davon profitieren, fördern und dann je nach Ausbildungsabschluss das Programm verkleinern bis alle Kinder eine Ausbildung haben. Neue Kinder sollen nicht mehr aufgenommen werden.
Der Tag endet im Kreis der Schwestern, die hoch begeistert sind von den mitgebrachten Printen. Und wieder mal fällt der Strom aus.
