Ein italienisches Urgestein in Ostafrika
18. Okt 2009 | von Stefanie Frels | Kategorie: Aktuell, Reise, Stefanie Frels in Uganda 2009Um acht Uhr gibt es eine Messe mit einem sehr engagierten Chor plus anschließendem Kaffee und Aachener Printen. Dann nimmt Roberto Dr. Bruno und mich mit in die Baumschule und in die angrenzenden Plantagen. Es ist so schön zu sehen, was man mit ein wenig Bewässerung ausrichten kann. In den Ferien können die Schüler hierher kommen und etwas Geld verdienen.
Pro Jahr werden bis zu 1.000 neue Bäume gepflanzt. Leider hat eine bestimmte Sorte die lang anhaltende Dürre nicht überstanden, daher sollen beim nächsten Regen andere, weniger wasserbedürftige Bäume gepflanzt werden. Roberto kommt aus der Emilia Romana und ist mit Leib und Seele Gärtner. Gleichzeit betreut er aber auch die verschiedenen Werkstätten. Ohne ihn müsste das Krankenhaus viel mehr Dinge in Kampala fertig kaufen und viele Schüler könnten sich in den Ferien nichts verdienen.
Wir sehen auch die Wasseraufbereitung, die die Hälfte der 50.000 Kubikmeter Wasser, die das Krankenhaus täglich verbraucht, wieder aufbereitet. Dieses Wasser dient dann zum Gießen der Obstbäume. Die einfache Filteranlage besteht aus mehreren Schichten Elefantengras, Sand und Steinen. In den letzten zehn Jahren mussten lediglich die zuleitenden Plastikrohre gereinigt werden, der Filter noch nie.
Am Nachmittag hat Bruder Marco, hiesiger Gemeindepfarrer, Zeit, über die Zukunft zu sprechen. Seit 29 Jahren lebt das italienische Urgestein im nördlichen Ostafrika und ist so stark mit dem Land und den Menschen verwurzelt, dass ich mir zunächst einen Abriss über all diese Jahre anhören muss. Wir einigen uns schließlich darauf, dass an zwei Schulen Schulfarmen sowohl zu Lehrzwecken als auch zur direkten Nahrungsmittelproduktion eingerichtet werden sollen. Die Bohrlöcher sind bereits da und sehen sehr vielversprechend aus.
Auf der anschließenden Fahrt durch die Gemeinde und das Umland erlebe ich seine Liebe zu den Menschen und dem Land hier. Viele grüßen ihn herzlich, wir halten immer wieder an, damit er Dinge besprechen und klären kann. Die Menschen hier verlassen sich auf ihn, denn die meisten NGOs, die ihr Glück versucht haben, kamen mit hochtrabenden Ideen und Plänen, verließen das Land aber genauso schnell wieder, als sie sahen, dass nichts davon schnell umgesetzt wurde. Er und seine Gemeinschaft sind jedoch über all die Jahre der kriegerischen Auseinandersetzungen und politischen Unruhe geblieben. Das lässt die Menschen hoffen.
Er spricht von den Zeiten, als sich die Ältesten nachts in seinem Haus versammelten um zu planen, wie die Nacht und der nächste Tag zu überstehen sind. Damals hatte er das Gefühl, sinnvoll helfen zu können. Heute fühlt er sich dagegen oft ohnmächtig und hilflos, da keine der schlauen Ideen von außen Abhilfe geschaffen hat. Zwar gibt es nicht mehr jede Nacht Kämpfe und Tote, aber die Sicherheitslage hat sich noch nicht signifikant verändert und kümmern will sich der Staat um diesen Landstrich auch nicht. Obwohl neulich sogar die First Lady zu Besuch war.
Zum Abendessen gibt es süßen Wein aus Moroto und Spaghetti mit viel Gemüse aus dem eigenen Garten. Wenn das kein Hoffnungsschimmer ist.
Schöner Bericht
Aber was ist denn Moroto? Grüße