Wieder alleine

13. Okt 2009 | von Stefanie Frels | Kategorie: Aktuell, Reise, Stefanie Frels in Uganda 2009

Gerade ist eine Kakerlake auf mein Moskitonetz gefallen. Na, besser als direkt in mein Bett.
Heute war Barbaras Abreisetag. Vor unserer Abfahrt nach Kabango waren wir noch in der Stadt auf der Suche nach Postkarten. Und an so kleinen Dingen merkt man dann, dass hier eigentlich nur Europäer von Hilfswerken Station machen und auch meist nicht lange bleiben. Gekauft haben wir nach längerer Suche Wasser und einige andere Dinge. Aber es tat gut, endlich mal wieder ohne Eskorte durch eine afrikanische Kleinstadt zu schlendern. Nach so viel Erholung haben wir voller Elan Barbaras Gepäck eingepackt und sind mit den Farmunterstützern nach Kabango zur Modellfarm gefahren. Am Stadtausgang hört leider der Teerbelag der Straße nach Norden auf und die rote Piste hat uns wieder. Nach gut 45 Minuten Dauerschaukeln sind wir angekommen.

Father Gerald erwartet uns schon mit seiner ganzen Mannschaft. Die Fahrt vorbei an großen Erdnuss- und Maispflanzungen ist beeindruckend. Die Bananenplantage sieht schon sehr vielversprechend aus und die Bohnen sind bereits geerntet. Father Gerald hat die Farm ins Leben gerufen, um Haushalte mit Aidswaisen zu unterstützen. Zum einen arbeiten die Mütter und Pflegemütter in den Pflanzungen und verdienen so etwas Geld, zum anderen soll der Ertrag den betroffenen Haushalten zugute kommen. Ein Teil muss auch möglichst gewinnbringend verkauft werden, um die Farm langfristig führen zu können.

Dank der Initiative von Herrn Hövelmann gibt es demnächst auch einen Traktor, der bei der großen Fläche dringend benötigt wird. Da auf der Farm auch viele Menschen aus den umliegenden Dörfern Arbeit finden, wird das Projekt von der Bevölkerung gut mitgetragen. Fr. Gerald kann hier seine agrarwirtschaftliche Vorbildung in die Praxis umsetzen und zugleich sowohl Arbeit als auch Absicherung in die Gegend bringen.

Herr Hövelmann planzt auf der Farm einen Mangobaum.

Herr Hövelmann planzt auf der Farm einen Mangobaum.

Nach den üblichen Grußworten besichtigen wir die Farm und sind froh, als wir uns wieder in den Schatten flüchten können. Neben der Landwirtschaft betreibt Fr. Gerald auch Viehwirtschaft mit Kühen, Ziegen und Hühnern. Schwierig ist allerdings die Wasserversorgung, denn zur Zeit wird das Wasser aus dem Bohrloch mit einer generatorbetriebenen Pumpe in einen 20.000 Liter Tank gepumpt. Wir schlagen eine Mischversorgung aus Windpumpe und Solarstrom vor, da die Dieselpreise in den letzten Monaten stetig gestiegen sind und die Farm in ihrer Funktion als Modellfarm auch ökologisch ein Vorzeigemodell sein soll.

Nach unserem Rundgang muss Barbara sich verabschieden, damit sie rechtzeitig zum Flughafen nach Entebbe kommt. Ich fahre in die Pfarrei von Fr. Gerald und bekomme eines dieser reichhaltigen Mittagessen. Dann geht es weiter zur Gesundheitsstation der Pfarrei, die mit unserem Geld gebaut wird. Es sieht schon sehr gut aus, im November soll Einweihung sein. Dann werden hier vor allem Kinder und Schwangere behandelt. Unser Rundgang wir mit dem Besuch der Grundschule für insgesamt 1.800 Schüler beendet. Für all das, und noch vieles mehr, ist Fr. Gerald allein verantwortlich. Wir werden uns darum bemühen, dass er nicht sobald in eine andere Pfarrei versetzt wird, da seine speziellen Fähigkeiten hier dringend gebraucht werden.

In ugandischen Pfarreien ist der Gemeindepfarrer Wasser- und Stromversorger, Krankenschwester, Sozialarbeiter, Bauherr, Landwirt, Entwicklungskoordinator, Taxifahrer und Seelsorger in einer Person, häufig für 60.000 – 80.000 Katholiken. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die meisten Priester alle zwei bis drei Jahre versetzt werden, so dass viele Projekte halbfertig an den Nachfolger übergeben werden müssen. Je nach Neigung und Fähigkeit führt dieser dann das Projekt weiter oder eben auch nicht. Diese Praxis sollte zumindest dahingehend geändert werden, dass ein Priester die von ihm begonnenen Projekte auf sichere Füße stellen kann, um den Fortbestand langfristig zu sichern. Nach der Rückfahrt durch die größte Zuckerrohrplantage im östlichen Afrika beende ich den Tag auf der Terrasse mit einem kalten Bell und meinem Rechner.

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