Eine Arche in Not

4. Okt 2009 | von Stefanie Frels | Kategorie: Aktuell, Reise, Stefanie Frels in Uganda 2009

7.30 Uhr, eine große Kapelle voller weißgewandeter Seminaristen… und wir.
Das große Seminar leistet sich einen eigenen, hoch motivierten Chor mit ebenso hoch motivierten Musikern, besonders der Blockflötist und der Geiger verdienen es an dieser Stelle erwähnt zu werden. Welcher deutsche Mann würde sich schon im Alter von Mitte 20 mit minimaler Instrumentenbeherrschung in die Öffentlichkeit trauen?Nach dem Frühstück kommt mich Marcel Kinene abholen, um mit mir nach Katikamu zu fahren. Katikamu liegt in der Diözese Kasana-Luwero, ganz in der Nähe des Bischofssitzes. Hier unterstützen wir die Children’s Ark mit Kinderpatenschaften. Die Kinderarche ist mit den Jahren zu einer Bleibe für 78 Kinder angewachsen, die entweder Waisen sind oder Eltern haben, die sich nicht dauerhaft um sie kümmern können oder wollen. Neben den Gebäuden für Schlafräume, Küche, Speiseraum, Duschen und Toiletten steht auf dem Gelände auch ein Wohnhaus für Marcels Familie. Außerdem schließen sich Ställe für Kühe und Schweine an, sowie eine große landwirtschaftlich genutzte Fläche.  Etwas weiter entfernt gibt eine weitere größere Anbaufläche. Hier arbeiten die Kinder am Wochenende, um einen Teil der benötigten Nahrungsmittel zu erwirtschaften. Die Kinder gehen auf verschiedene Schulen in der Umgebung und machen im Anschluss eine Ausbildung, z.T. in Kampala. Inzwischen arbeiten zwei Mädchen als Krankenschwestern und zwei Jungen als Mechaniker.

Das Hauptproblem der Einrichtung sind die extrem gestiegenen Nahrungsmittelpreise. Um die Löcher im Budget zu stopfen hat Marcel Geld eingesetzt, das eigentlich für Schulgebühren bestimmt war. Das führte dazu, dass die Kinder nicht mehr zur Schule konnten. Irgendwann reichte dann auch das Geld für das Essen nicht mehr und Marcel musste die Kinder, die noch Eltern haben, nach Hause schicken. Einige waren nach ein paar Tagen wieder zurück, weil die Situation zu Hause noch schlechter war als in der Kinderarche.

Wir kommen überein, dass die Arche ihr Augenmerk mehr auf ihre finanzielle Unabhängigkeit legen muss. Marcel plant wahlweise die Anschaffung eines Lastwagens, den er vermieten könnte, oder den Kauf einer  Mühle, die dann von den Dorfbewohnern benutzt und bezahlt würde. Es sollen auch keine neuen Kinder mehr aufgenommen werden, sodass sich die Gruppe verkleinern wird. Mit 50 Kindern sind Marcel und seine Angestellten völlig ausgelastet. Wir werden überlegen, wer als zusätzliche Hilfe eingesetzt werden kann.

Nach dem Mittagessen bei Marcel und seiner Frau gibt es einige sehr liebevoll von den Kindern vorbereitete Darbietungen, vor allem die Drummer sind sehr eindrucksvoll. Danach kann ich eine Pause einlegen um an meinen Berichten zu schreien und eine Runde zu schlafen. Abends holt mich Marcel im Emmaus Center wieder ab und wir essen gemeinsam mit den Kindern im neuen Speisesaal. Die Kinder gehen sehr liebevoll miteinander um, was es umso schwieriger macht, die Situation des Projekts unvoreingenommen zu beurteilen.

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