Schulbesuch einmal anders
29. Sep 2009 | von Stefanie Frels | Kategorie: Aktuell, Reise, Stefanie Frels in Uganda 2009Die 7.00 Uhr Messe in der angrenzenden Sekundarschule ist erstaunlich gut besucht dafür, dass der Messbesuch freiwillig ist. Schwester Mona, inzwischen mehr ugandisch als irisch, erzählt noch einmal eindrücklich von dem vorherrschenden Schulmangel im Westen Ugandas. Nach der Abschaffung der Schulgebühren für Grundschulen strömten auf einmal so viele Kinder in die Schulen, dass Schulen und Lehrer völlig überfordert waren. Klassenstärken von 70-100 Kindern sind keine Seltenheit.
Um 9.00 Uhr soll ich eigentlich mit Father Emmanuel und Frank (Stellvertretender Direktor des St. Francis Family Helper Programme) zu einigen Haushalten fahren, aus denen die Kinder kommen, die im Rahmen des Programms unterstützt werden, aber der Fahrer ist zunächst mit einem Wassertransport beschäftigt. Eigentlich hat diese Region ausreichend Wasser, aber oft versagt die Technik aufgrund von Altersschwäche oder von erheblichen baulichen Mängeln. Mary und ich nutzen die Zeit, um das bisherige Büro und die Arbeitsräume des Programms zu besichtigen und Marguerite Tibuyungwa, die Direktorin, kennen zu lernen.
Nachdem der Wassertransport erfolgreich abgeschlossen ist, fahren wir los. Fr. Emmanuel hat einige Familien ausgesucht, die mir besonders nachdrücklich einen Eindruck davon verschaffen sollen, mit welchen Problemen die Kinder zu kämpfen haben. Die Besuche führen mir erschreckend vor Augen, wie arm und zugleich auch hilflos viele Menschen sind.
Im Anschluss besuchen wir noch zwei Grundschulen, eine im Dorf, die andere direkt am Sitz der Diözese. Größer könnte der Unterschied kaum sein, obwohl gerade mal vier Kilometer dazwischen liegen. Es hängt auch hier sehr viel vom finanziellen Engagement der Eltern ab. Eine Vielzahl der katholischen Schule erhält zwar Gehälter für eine entsprechende Lehrerzahl, den Rest müssen Eltern und Kirche tragen.
Am Nachmittag gibt es ein Treffen mit allen Verantwortlichen des Programms. Es ist ein sehr interessantes Gespräch, das schließlich durch einen heftigen Schauer beendet wird, da der Regen auf dem Wellblechdach alles übertönt. Um 16.00 Uhr geht es mit Father Darius weiter nach Rugazi, die Gemeinde, die für eine ihrer Grundschulen dringend neue und vor allem auch mehr sanitäre Anlagen benötigt.
Die Gegend um Bushenyi ist auffallend hügelig und grün. Wir fahren durch die Dämmerung und können bei unserer Ankunft die „one million dollar view“ ins Tal und damit in den Nationalpark leider nicht mehr genießen. Dafür treffen wir die beiden deutschen Freiwilligen , die hier seit drei Wochen an der Schule unterrichten. Die beiden erzählen von dem Kulturschock, den sie erlebt haben, als sie die Armut und das Elend und die vielen Dinge sahen, die nicht funktionierten. Inzwischen haben sie sich aber eingelebt und sind die Stars der Schule und der Pfarrei.
