Eine wunderschöne Reise geht zu Ende

28. Sep 2009 | von Lisa Braun | Kategorie: Aktuell, Lisa Braun in Mexiko 2009, Reise

Hola ihr Lieben,

so langsam aber sicher muss ich mit dem Kofferpacken anfangen, denn in vier Tagen geht es schon wieder zurück nach Deutschland. In den letzten Wochen habe ich so viel erlebt, dass ich im Moment gar nicht weiß, womit ich anfangen soll.

Vielleicht erinnert ihr euch ja noch an meinen letzten Besuch in dem Kinderheim. Damals musste ich der Leiterin und den Kindern versprechen, dass ich sie noch einmal besuchen komme. Dieses Versprechen habe ich natürlich mit großer Freude eingelöst. Alle haben mich so lieb begrüßt, dass man meinen könnte, wir würden uns schon lange kennen. Doch ich bin nicht mit leeren Händen ins Kinderheim gegangen: Ich war überglücklich und auch sehr stolz, dass ich der Leiterin einen Scheck über rund 5.000 Euro für eine Krankenstation überreichen durfte. Die Leiterin hat nicht damit gerechnet und ist vor Freude in Tränen ausgebrochen.

Anschließend habe ich den ganzen Tag mit den Kindern verbracht. Zunächst habe ich mit den etwas älteren auf dem Hof herumgetollt. Es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht! Endlich konnte ich mich auch mit ihnen verständigen, da ich in den vergangenen Wochen etwas Spanisch gelernt habe. Die Jungen und Mädchen wollten mich gar nicht mehr gehen lassen.

Die Zeit verflog in Windeseile, und da ich ja möglichst mit allen Kindern etwas Zeit verbringen wollte, bin ich dann zu den Kleinkindern gegangen. Maria  – „mein“ Baby – stand in ihrem Bettchen und wartete auf mich. Als ich sie sah, fing sie an zu lachen, was mich sehr berührt hat. Gemeinsam mit den Kindern habe ich lange auf dem Boden gesessen und mit ihnen gespielt. Anschließend durfte ich dann auch noch einem zwei Monate altem Säugling die Flasche geben und in den Schlaf wiegen.

Es waren unglaublich schöne Stunden in dem Kinderheim, die ich so schnell nicht mehr vergessen werde. Meiner Meinung nach konnte ich zwar nicht viel für die Kinder tun, doch für sie war es das Schönste auf der Welt, einfach mal in Arm genommen zu werden. Natürlich erfahren alle Kinder in der Einrichtung sehr viel Liebe von Betreuerinnen, die Funktion eines Elternteils können diese jedoch nicht erfüllen. Wir sollten alle dankbar dafür sein, wie gut es uns geht. Es beschränkt sich nicht immer alles auf materialistische Dinge, sondern auch auf liebende Eltern, die einem ein behütetes Zuhause schenken.

Nach einem wunderschönen Tag musste ich mich von allen verabschieden, mit dem Wissen, dass ich die Kinder, die Betreuerinnen und vor allem „mein“ Baby in den nächsten Monaten nicht mehr wiedersehen werde. Es war ein tränenreicher Abschied, doch ich weiß auch ganz genau, dass ich spätestens in einem Jahr wieder da sein werde. Maria wird einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen einnehmen und ich werde immer an sie denken! Ich wünsche mir nichts mehr, als dass ich alle nächstes Jahr wieder gesund und wohlbehalten wiedersehen werde.

Einige Tage später hieß es dann: Lisa kocht für ihre mexikanische Gastfamilie Leano ein deutsches Essen. Ähm ja… da hatte ich was versprochen: denn ich musste für insgesamt 20 Personen kochen! Für so viele Leute hatte ich noch nie gekocht und ich wusste zunächst auch nicht so ganz genau was ich kochen sollte. ALSO: Erstmal Mami fragen! :) Sie hat mir dann einen super Tipp gegeben:
- Vorspeise: Tomatensuppe
- Hauptgericht: Rotkohl, Möhren und Würstchen
- Dessert: Vanillepudding mit Erdbeeren

Nach insgesamt zweieinhalb Stunden Vorbereitungen und Kochen war es dann endlich vollbracht! Allen hat es gut geschmeckt und vor allem die Männer waren von den Würstchen begeistert, die ich in einem deutschen Spezialgeschäft gekauft hatte. Plötzlich erhob sich Opa Leano von seinem Stuhl, um eine Rede zu halten. Seine Frau, seine Kinder mitsamt ihren Frauen und Männern, die ältesten Enkel Arturo, Oscar, Jorge und ich waren sehr gespannt, was nun kommen würde. Er begann darüber zu sprechen, dass sie alle sehr glücklich seien, mich bei sich zu haben und ich inzwischen zu einem Familienmitglied geworden wäre… Ich sei nun sein etwas verspätetes elftes Kind und egal wann: sein Haus sei auch mein Haus. Ich war sehr ergriffen und musste dann einfach anfangen zu weinen, doch auch einige der Töchter hatten Tränen in den Augen.

Die letzten drei Tage durfte ich in einem Ort am Pazifik verbringen. Doch nun ist meine Zeit in Mexiko fast vorüber und in vier Tagen werde ich zurück nach Deutschland fliegen! Ich freue mich schon sehr auf zuhause, auf meine Familie und meine Freunde, doch mittlerweile sind die Familie Leano und all die Kinder im Kinderheim auch zu einer Art Familie für mich geworden! Vom ersten Moment an habe ich mich hier sehr wohl gefühlt und mir graust es jetzt schon vor dem bevorstehenden Abschied.

Ich weiß noch genau, wie ich vor knapp zwei Monaten am Flughafen in Mexico-City gesessen und meinen ersten Blogeintrag verfasst hatte, wie aufgeregt ich damals gewesen war… :) Und nun ist die Zeit einfach viel zu schnell verflogen. Aber ich werde mich noch ein letztes Mal melden, wenn ich im Flieger sitze. Also: noch nicht aufhören zu lesen.
Liebste Grüße

Eure Lisa

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