Eintauchen in eine vollkommen andere Welt
8. Sep 2009 | von Lisa Braun | Kategorie: Lisa Braun in Mexiko 2009, ReiseHola!
Gerade eben habe ich Rudolpho besucht. Im Emblem der Egidius-Braun-Stiftung ist ein Bild von ihm als kleinem Jungen mit meinem Großvater abgebildet. Rudolpho ist körperlich und geistig behindert. Er lebt zusammen mit seinen Eltern, seinen fünf Geschwistern und seinen zwei Neffen in einem kleinen Haus - oder besser gesagt, einer Hütte. Es war mein allererster Besuch bei ihm und ich muss sagen, dass ich ziemlich beeindruckt bin.
Der Weg zur Hütte war sehr matschig und übersät mit Müll. Als ich ankam, spielte Rudolpho zusammen mit einigen anderen, jüngeren Kindern und ich hatte das Gefühl, dass er sich sehr über meinen Besuch gefreut hat. Leider schränkt seine Behinderung ihn sehr ein. Doch dank verschiedener Therapien, die von der Stiftung und dem Kindermissionswerk bezahlt werden, ist er nun imstande zu laufen und auch ein paar Wörter verständlich auszusprechen.
Bis vor zwei Monaten lebte Rudolphos Familie unter einem Wellblechdach. Die Stiftung und das Kindermissionswerk bezahlten der Familie alle Materialien für ein stabiles Dach und so war es ihnen möglich, sich selbst eins zu bauen. Sie waren sehr stolz auf ihre vollbrachte Arbeit und sind nun auch gegen Wind und Regen geschützt.
Von den Lebensumständen der Familie war ich einfach nur berührt — es kam mir so vor, als wäre ich in einer vollkommen anderen Welt! Wenn man sieht, wie die Familie lebt und wie dankbar und glücklich sie trotz ihrer bescheidenen Lebensverhältnisse ist, dann frage ich mich: Wieso beklagen wir uns in Deutschland? Wir sollten glücklich sein, dass wir gesund sind, ein festes Dach über dem Kopf haben und es uns eigentlich an nichts fehlt! Man sollte nichts als selbstverständlich hinnehmen und dankbar dafür sein, dass es einem gut geht.
Ohne die Hilfe der Stiftung und des Kindermissionswerks müsste sich Rudolphos Familie auch jeden Tag Gedanken um die täglichen Mahlzeiten machen, denn sie hat nicht das nötige Geld, sich Lebensmittel zu kaufen. Ich habe mich mit Rudolphos Vater lange unterhalten und er hat mir berichtet, dass sein Arbeitgeber ihm vor Kurzem gekündigt hat, da die Firma nicht mehr genügend Aufträge erhalten hat, um alle Arbeitnehmer weiterhin zu beschäftigen. Im Moment ist er auf der Suche nach einem neuen Job, bisher jedoch noch ohne Erfolg. So muss die Mutter fast doppelt so viel arbeiten, um die Familie ernähren zu können. Sie arbeitet als Reinigungskraft, doch auch ihr Arbeitsplatz ist nicht sicher und sie erhält für ihre anstrengende Arbeit nur einen Hungerlohn. Doch trotz der alltäglichen Probleme scheinen die Eltern sehr glücklich zu sein und genießen die Zeit, die sie mit ihren Kindern verbringen können.
Was an mir nagt, ist der Gedanke, dass ich in ein Auto einsteige und wieder nach Hause in meine heile Welt fahre, doch die Familie von Rudolpho hier ihr gesamtes Leben verbringen wird, mit all ihren Problemen. Ich habe den höchsten Respekt gegenüber dieser Familie und bewundere sie für ihre Lebenseinstellung.


