“Ich möchte meine Familie unterstützen”
15. Dez 2008 | von Julia Schappert | Kategorie: Julia Schappert in Ruanda 2008, ReiseJulia in Ruanda, 13. Eintrag
Überall in Ruanda trifft man auf Armut aber auch auf engagierte Menschen. Ein solcher Mensch ist Schwester Assumbta vom Orden der Carmélite de l’Enfant Jésus. In ihrer Gemeinde Rugango bietet sie jungen Erwachsenen eine Handwerksausbildung. Das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ unterstützt sie dabei.
Hilfe zur Selbsthilfe: Schwester Assumbta mit Jungendlichen in RugangoEs brummt und surrt. Hier rattert eine Nähmaschine, dort wird Holz gehobelt und ein Stück weiter gibt es sogar einen Friseur. Schwester Assumbta bietet mit ihrem Ausbildungsprojekt vielen jungen Menschen eine Chance für den Weg aus der Armut. „Viele können nach der Grundschule die weiterführende Schule nicht besuchen, weil sie zu arm sind“, sagt Schwester Assumbta, „trotzdem haben viele dieser jungen Leute einen großen Wissensdurst.“

Chantal lernt im Ausbildungszentrum der Gemeinde Nähen

Holzbearbeitung ist ein wichtiges Handwerk in Ruanda

Die Jugendlichen hoffen durch eine Ausbildung bald für sich selbst sorgen zu können
Erkannt hat das Problem der örtliche Pfarrer: Während der Bibelstunden erzählten ihm die jungen Leute von ihren Problemen und der hohen Arbeitslosigkeit. In Schwester Assumbta fand der Pfarrer eine Verbündete. Diese wandte sich an das Kindermissionswerk. 2005 startete das Ausbildungsprojekt in den Bereichen Nähen, Schreinern, Metallverarbeitung und Haare schneiden.
Chantal ist eine der zur Zeit 66 Auszubildenden. Sie ist Halbwaise und lebt mit ihrer Mutter und ihren neun Geschwistern zusammen. Die Familie lebt hauptsächlich von der Landwirtschaft. Im Januar 2009 wird sie ihre Ausbildung zur Schneiderin beendet haben. „Ich möchte mein eigenes Geld verdienen und meine Familie unterstützten“, sagt die 23-Jährige. „Schon jetzt hat mir das Ausbildungsprojekt viel geholfen. Ich habe viele neue Freunde kennen gelernt. Vorher war ich eher schüchtern.“
Neben der Handwerksausbildung leistet Schwester Assumbta auch geistlichen Beistand und hilft den Jugendlichen etwa sich auf die Sakramente vorzubereiten. Außerdem organisiert sie regelmäßig Besuche bei den Familien. Unter den Auszubildenen hat sich eine großes Gemeinschaftsgefühl entwickelt und die Jugendlichen helfen sich auch gegenseitig auf ihren Feldern.
Für Chantal und die anderen hört die Unterstützung auch nach der Ausbildung nicht auf. Viele haben nicht die Materialien ihren Beruf auch ausüben zu können. Deshalb können die Absolventen weiterhin die Maschinen des Ausbildungszentrum nutzen. Die Maschinen und Werkzeuge hat das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ finanziert. „Ich möchte sparen und mir irgendwann eine eigene Nähmaschine kaufen“, sagt Chantal, „und dann kann ich vielleicht eine eigene Familie gründen“.
