„Unsere Tür steht allen Kindern offen!“

Gerade sitze ich im Flugzeug, auf dem Weg nach Chiapas. Das ist eine der ärmsten Regionen Mexikos und hier lebt ein großer Teil der indigenen Bevölkerung. Da die Fahrt von Mexico-City aus zwei ganze Tage gedauert hätte, mussten wir das Flugzeug nehmen. Beim Start konnte ich zum ersten Mal die Smog-Glocke über Mexico-City sehen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie gut der Smog zu erkennen war – wie ein grauer Nebelschleier.

Der 14-jährige Julio hat im Straßenkinderprojekt in Pueblo ein neues Zuhause gefunden
Der 14-jährige Julio hat im Straßenkinderprojekt in Pueblo ein neues Zuhause gefunden

Gestern haben wir ein Straßenkinderprojekt in Puebla besucht. Insgesamt 35 Kinder zwischen vier und 17 Jahren werden hier in drei Häusern betreut. Für mich war es ein sehr schönes Erlebnis, obwohl ich von den Lebensgeschichten der einzelnen Kinder sehr betroffen war. Es war wirklich beeindruckend, wie aufgeschlossen und freundlich alle Kinder uns gegenüber waren. Aber man hat auch gemerkt, dass sie auf der Straße gelebt haben. Die Kinder passen sehr aufeinander auf, bleiben immer beieinander und geben sich gegenseitig die Liebe, die sie in ihren Familien wahrscheinlich nie erlebt haben.

Rosalio, der Leiter des Kinderheims in Puebla, führt die Einrichtung ganz nach dem Vorbild des Gründers Chinchachoma („Glatzkopf“ – so nannten ihn übrigens auch die Kinder). Seine Philosophie baut darauf auf, dass die Kinder als vollwertige Personen anerkannt werden, die man nicht in ein Haus „einsperren“ darf. Sie sollen das Gefühl von Freiheit nicht verlieren. Deshalb ist die Haustüre des Heims auch nie abgesperrt. „Unsere Türe steht immer für alle Kinder offen“, erklärte mir Rosalio. Die Jungen und Mädchen gehen zur Schule. Einige der älteren Kinder arbeiten sogar schon in benachbarten Firmen und verdienen somit etwas Geld für sich.

Aufregung vor dem gemeinsamen Essen mit den deutschen Gästen
Aufregung vor dem gemeinsamen Essen mit den deutschen Gästen

Nach dem wundervollen und leckeren Essen sind alle Kinder und Betreuer zusammen mit uns eine Runde in unserem Reisebus gefahren (dass der Bus durch diese extreme Belastung überhaupt noch vorwärts kam, war ein Wunder Lächeln). Die Kinder haben sich zu dritt oder viert auf einen der Doppelsitze gequetscht und waren total begeistert.

Der Abschied ist uns allen wirklich schwer gefallen. Keiner wollte sich wirklich trennen und so hat die Verabschiedung ewig gedauert. Ingesamt war es wirklich ein super schöner Tag und abends bin ich mit dem Gefühl nach Hause gefahren, dass ich ein wunderbares Projekt besucht und mich bei „fremden“ Menschen sofort zu Hause gefühlt habe.

Übrigens: Aus dem Fenster kann ich gerade den immer noch aktiven, schneebedeckten Vulkan Popocatépetl erkennen, der über 5000 Meter hoch ist.

Morgen wird unser letzter Tag hier in Mexiko sein, aber keine Angst, ich werde auf jeden Fall noch von unserem letzten Besuch bei den Indios berichten, die im Moment mit starken Regenfällen und Überschwemmungen zu kämpfen haben. Aber dazu morgen mehr…