Ein Zuhause für traumatisierte Kinder

26. Jun 2007 | von | Kategorie: Reise, Stefanie Frels in Südafrika 2007

Heute fahre ich nach Sydenham, einem der „coloured areas“ der Stadt in Zeiten der Apartheid. In dieser Zeit musste das Projekt, ein Kinderheim für farbige Kinder, geleitet von Augustinerinnen, dorthin umziehen, nach dem der ursprüngliche Standort in ein „white area“ verwandelt wurde.

Das St. Philomena’s Community Care Centre arbeitet für die Reintegration von HIV-positiven und von HIV/Aids betroffenen Kindern in ihre eigenen Grossfamilien oder in Pflegefamilien. Wir unterstützen das Projekt im Rahmen des KinderAidsFonds.

Hinzu kommt, dass im Rahmen der angestrebten Selbständigkeit ein Conference Centre mit Übernachtungsmöglichkeiten entstanden ist, das erfreulich viel Gewinn einbringt. Die Computerkurse mit anerkanntem Diplom hingegen werden zwar rege von den Kindern im Projekt und von Jugendlichen und Erwachsenen von ausserhalb besucht, werfen aber keinen Gewinn ab.

Zur Zeit werden 39 Kinder in residential care, sprich im St. Philomena’s Home, und 29 in Community Care betreut. Kinder in Community Care bedeutet, die Kinder haben das Heim bereits in eine zukünftige Pflegefamilie verlassen, aber die offizielle, formale Übernahme der Pflege ist noch nicht vollzogen. Aufgrund der geringen Zahl an Sozialarbeitern in diesem Bereich hinkt der Staat extrem hinterher und manche Kinder müssen bis zu zwei Jahre darauf warten, dass sie offiziell ihrer Pflegefamilie zuerkannt werden. Während dieser Übergangszeit unterstützt das Projekt die Familien auch finanziell mit 420 Rand pro Monat.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Projekten hat St. Philomena’s sogar eine Warteliste für Pflegefamilien, das liegt wohl auch daran, dass in den Gemeinden intensiv für das Konzept der Pflegefamilie geworben wird und Begleitung bei der Aufnahme eines Kindes anbietet.

Das Home ist als eine Art Übergangslösung gedacht. Die Kinder sind in kleinen Wohngruppen von sechs bis acht Kindern untergebracht. Das Heim darf offiziell 88 Kinder aufnehmen, allerdings ist die Zahl inzwischen auf 38 verringert worden, da die Gruppen einfach zu gross waren. In der Regel werden die Kinder von Sozialarbeitern gebracht und bleiben dann so lange, bis sie wieder psychisch und physisch stabil sind und sich eine Familie gefunden hat, bei der sie bleiben können. Die Familien werden entsprechend geschult und erhalten eine angemessene Begleitung und Betreuung, damit sie den zum Teil schwer traumatisierten Kindern ein gutes Zuhause bieten können.

Für die Kinder in residential care erhält das Projekt 1.600 Rand pro Kind pro Monat, die tatsächlichen Kosten sind aber mindestens doppelt so hoch. Ein Teil der Mehrkosten wird durch ein kleines Patenschaftsprogramm gedeckt. Den größten Teil machen allerdings die Personalkosten aus, die nur durch weitere Spenden aufgebracht werden können.
Neben der täglichen Sorge um das Geld ist für Patrick Voster die größte Herausforderung die Arbeit mit den Kindern. Früher, sagt er, seien Kinder gekommen, die vernachlässigt, ausgesetzt oder Waisen gewesen wären. In den vergangenen fünf Jahren habe sich das Bild aber deutlich gewandelt. Inzwischen machen die Mädchen und Jungen bereits in frühster Kindheit so viele traumatische Erfahrungen, dass er sich immer wieder wundert, wie sie das überleben. Die meisten der Kinder, die nach St. Philomena’s kommen, wurden misshandelt, vergewaltigt, vernachlässigt und haben einen oder beide Elternteile durch Aids verloren. Viele von ihnen sind selber HIV-positiv.

Kinder die eine zeitlang ohne Erwachsene leben mussten und die so selber zum Haushaltvorstand geworden sind, haben es besonders schwer, sich wieder in eine intakte Familienstruktur einzugliedern. Gelingt diese Eingleiderung nicht, können sie auch bis zum Ende ihrer Ausbildung im St. Philomena’s bleiben. Ausserdem hat es sich bewährt, diese Kinder erst im Rahmen der Wiedereingliederung auch therapeutisch zu behandeln.
Ein weiteres großes Problem ist, dass vor allem die Jungen keine Vaterfigur in ihren eigenen zerrütteten Familien erleben. Das macht die eigene Entwicklung und Orientierung noch schwieriger.

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