Don’t worry…

22. Jun 2007 | von | Kategorie: Reise, Stefanie Frels in Südafrika 2007

Heute morgen bin wieder zu den Palmen gegangen, in der seeligen Hoffnung auf ein bisschen blauen Ozean … Nichts, nur Dunst!

Das äußere Bild der Missionstation ist etwas heruntergekommen. Ich erhalte eine Führung durch die gesamte Missionsstation, selbst in das Schlafzimmer des diensttuenden Priesters darf ich einen Blick werfen. Doch mein erster Eindruck bleibt. Dieser Ort hat besserer Zeiten erlebt. Die Landflucht hat hier besonders deutliche Spuren hinterlassen. Dabei haben die Menschen hier wenigstens ein bisschen zu essen – aus dem eigenen Garten. Allerdings muss man die Affen in Schach halten, die offensichtlich besonders gerne Mais fressen. Den Affen habe ich auch den nächtlichen Lärm auf dem Dach zugeschrieben, es sind aber wohl eher die Ratten.

Ein traditionsreiches Projekt
Ich fahre wieder an Libode vorbei nach Mthatha. Hier ist eines der ältesten Projekte des Kindermissionswerkes – die Ikhwezi Lokusa Special School.

Angefangen hat alles vor vielen Jahren in einem kleinen Farmhaus, in dem die Schwestern behinderte Kinder aus der Umgebung aufnahmen. Daraus wurde mit unserer Unterstützung eine große Schule für körperbehinderte Kinder mit einem Internat.

Inzwischen hat der Staat die Schule übernommen und aufgrund der wachsenden Probleme mit den Gewerkschaften haben die Schwestern nun beschlossen, das angegliederte Internat zu schließen. Zu groß ist das Risiko, Kinder in der Obhut von Menschen zu lassen, die sich ihrer Verantwortung nicht bewusst sind.

Als logische Weiterentwicklung der Schule ist 1972 das Rehabilitation Centre entstanden. Hier können die Kinder eine einjährige praktische Ausbildung machen, die die Schule vorzeitig abbrechen müssen, da sie dem Lernstoff nicht folgen können. Diese hätten sonst nach Beendigung der Schule keine Chance auf eine weitere Ausbildung. Natürlich werden auch Kinder von außerhalb aufgenommen, die dieses Schicksal teilen. Nähen, Kunsthandwerk, Lederverarbeitung und Töpferei sind die Ausbildungsmöglichkeiten im Rehabilitation Centre. Es gibt sogar eine eigene Homepage: www.ikrehab.co.za.

Schwester Gabriel schickt uns Bilder auf CD, da ihre E-Mail-Leitung sonst unter der Datenmenge zusammenbrechen würde. Ich kann keine guten Bilder machen, da freitags nachmittags nur noch aufgeräumt wird und die interessanten und aussagekräftigen Bildmotive fehlen.

Alle springen rechtzeitig beiseite
Heute Abend habe ich noch ein Erlebnis der besonderen Art, das ich wohl so schnell nicht vergessen werde. Ich steige zu Schwester Mary Paul ins Auto, um mit ihr zu dem von ihr selbst geleiteten Bethany Children Safe Centre zu fahren. Schwester Mary Paul ist pensionierte Lehrerin, schon lange im Ruhestand und brauchte dringend eine Aufgabe. Sie ist jedoch so klein und gebückt, dass sie weder übers Lenkrad noch über die Konsole gucken kann. „But don’t worry’ I know my way!“ Glücklicherweise springen alle beweglichen Hindernisse rechtzeitig beseite.

Das Bethany Children Safe Centre
Das Centre nimmt Findelkinder von 0 bis 6 Jahre auf, die von den Sozialarbeitern gebracht werden. Das soll keine dauerhafte Lösung für die Kinder sein, die Einrichtung ist lediglich ein Auffangzentrum. Viele Kinder werden in Pflegefamilien in der Umgebung vermittelt oder werden sogar richtig adoptiert. Nur wenige müssen später in ein anderes Heim. Den hohen Personalaufwand bewältigt Schwester Mary Paul vor allem auch mit Freiwilligen aus England, USA, Neuseeland, Deutschland, Schweiz und Oesterreich. Jedes Jahr kommt beispielsweise eine neue freiwillige Krankenschwester aus Neuseeland, der es dann auch erlaubt es, Medikamente auszugeben. So können viele Kinder auch mit dringend benötigten ARV versorgt werden.

Um 18 Uhr sind die ganz Kleinen schon in ihren Bettchen, während die etwas größeren noch auf’s Abendessen warten. Viele kleine Jonasse schwanken mir entgegen und lassen sich am Rock der Schwester durch die Gegend ziehen.

Heute Nacht wird es kalt. Der Wetterbericht spricht von vier Grad nachts, aber auch von 29 Grad mit strahlendem Sonnenschein am nächsten Tag. Zum Glück kommt erst am Montag die nächste Kaltfront. Da bin ich aber schon im wärmeren Durban.

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